Getrübter Badespaß Blaualgen, Vibrionen, Quallen, Zerkarien: Das sollten Sie beim Baden beachten!

Heimische Seen, Flüsse und Strände sind im Urlaubsjahr 2020 ganz besonders gefragt. Und das zu Recht. Denn 94 Prozent der deutschen Badegewässer erfreuen sich laut Umweltbundesamt einer ausgezeichneten Wasserqualität. Dennoch ist immer wieder von Vibrionen, Blaualgen oder Zerkarien die Rede. Wie gesundheitsschädlich sind diese Bakterien und Parasiten - und wie kann man sich davor schützen? Ein Überblick.

Weisser Schaum am Ufer der Lagune Achterwasser
Algenblüte an der Ostsee Bildrechte: IMAGO

Wie gefährlich sind Vibrionen?

Vibrionen sind Bakterien, die im Salzwasser vorkommen und an der gesamten Ostseeküste bis in den baltischen Raum verbreitet sind. Normalerweise leben sie vor allem im Meeresboden. Doch steigen die Wassertemperaturen auf mehr als 20 Grad, werden die Bakterien aktiviert und vermehren sich. Dann sind sie vor allem im flachen Wasser zu finden.

Gelangen die Bakterien über Hautverletzungen oder offene Wunden in den Körper, können sie schwere Wundinfektionen hervorrufen. Symptome wie Rötungen, Schwellungen und Blasenbildung auf der Haut verbunden mit Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen, Durchfall bis hin zum Schock sind typische Symptome einer Infektion mit Vibrionen. Das betrifft vor allem chronisch Kranke wie Diabetiker und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Treten nach dem Baden Anzeichen einer Wundinfektion auf, sollte so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden. In der Regel können Vibrionen-Infektionen gut mit Antibiotika behandelt werden.

Vibrio vulnificus
So sehen Vibrionen unter dem Mikroskop aus! Bildrechte: Janice Carr/ Colorized by James Gathany/CDC dpa

Blaualgen (Cyanobakterien)

Sowohl im Meer als auch in größeren Badeseen können sogenannte Cyanobakterien auftreten. Sie werden landläufig als Blaualgen bezeichnet. Auch sie vermehren sich bei heißem Wetter - wie derzeit im Greifswalder Bodden.

Cyanobakterien produzieren Toxine, die sich im Wasser lösen können. Kommen Badegäste mit diesen Giftstoffen durch Verschlucken oder Hautkontakt in Berührung, können sie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Gliederschmerzen, Bindehautentzündungen, Ohrenschmerzen und Atemwegserkrankungen auslösen. Auch Haut- und Schleimhautreizungen sowie allergische Reaktionen sind möglich. Werden sehr große Mengen kontaminierten Wassers verschluckt, kann das zur Lähmung von Teilen der Lunge und somit zum Erstickungstod führen.

Eine massenhafte Vermehrung von Blaualgen erkennt man an der blaugrünen Trübung des Wassers. Sind in knietiefem Wasser die eigenen Füße nicht mehr zu sehen, sollte man aufs Baden verzichten. In der Regel werden betroffene Strände und Badestellen gesperrt.

Fuß in mit Blaualgen verschmutztem Wasser
Sind in knietiefem Wasser die eigenen Füße nicht mehr zu sehen, sollte man aufs Baden verzichten. Bildrechte: IMAGO

Bei Feuerquallen Abstand halten!

Ostseeurlauber kennen sie: Quallen! Meist handelt es sich dabei um harmlose Ohrenquallen. Sie erkennt man an ihren vier auffälligen halbrunden Zeichnungen.

Unangenehm kann dagegen eine Begegnung mit der Gelben Haarqualle ausfallen, die landläufig als Feuerqualle bezeichnet wird. Die Nesselkapseln der Tiere können mit ihrem Gift allergische Reaktionen und Hautrötungen hervorrufen. Haar- oder auch Nesselquallen sind im Oberflächenwasser der Ostsee eher selten, können aber durchaus in Badebereiche gelangen. Dann heißt es: Abstand halten!

Hat man sich trotz aller Vorsicht an einer Haarqualle "verbrannt", ist das zwar unangenehm, aber nicht weiter gefährlich. Einfach die betroffene Hautpartie vorsichtig mit Meerwasser abspülen und nicht reiben. Ansonsten können noch an der Haut klebende Nesselkapseln explodieren und das Brennen verstärken. Gleiches kann passieren, wenn man die verletzte Haut mit Süßwasser oder einem Desinfektionsmittel spült. Alternativ kann man Sand auf die betroffene Stelle auftragen und nach dem Antrocknen vorsichtig mit einem Messerrücken abschaben. Außerdem hilft es, die schmerzende Hautpartie zu kühlen.

Eine Feuerqualle liegt am Ostseestrand.
Eine Feuerqualle am Ostseestrand Bildrechte: dpa

Hautjucken durch Zerkarien

In Binnengewässern treten in den Sommermonaten vermehrt sogenannte Zerkarien auf. Normalerweise befallen die Larven der Saugwürmer Wasservögel. Doch auch Menschen kann es treffen. Dann bohren sich die Parasiten in die Haut und sterben dort innerhalb weniger Tage ab. Bei den Betroffenen führt das zu starkem Juckreiz und Schwellungen, einer sogenannten Badedermatitis.

Ein Zerkarien-Befall ist in der Regel harmlos. Doch wer die juckenden Stellen aufkratzt, riskiert Hautentzündungen. Linderung verschaffen Salben gegen den Juckreiz.

Wer sich vor Zerkarien schützen will, sollte flaches Wasser im Uferbereich schilfbewachsener Seen und Flüsse meiden. Nasse Badekleidung nach dem Schwimmen rasch ausziehen und die Haut kräftig abrubbeln. UND: Verzichten Sie darauf, an Badestellen Wasservögel zu füttern! Denn erst durch den Kot der Tiere wird das Wasser mit Zerkarien verunreinigt.

Ente mit einer Schaar Kücken auf einem See
Verzichten Sie darauf, an Badestellen Wasservögel zu füttern! Bildrechte: Burkhard Pitschmann

Welche Gewässer sind belastet? Hier können Sie sich informieren!

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich vor dem Besuch eines Badegewässers über dessen Wasserqualität kundig machen. Auf der Internetseite des Bundesumweltamtes finden Sie Links zu den Badegewässern und aktuellen Wasserqualitäts-Daten der einzelnen Bundesländer.

Quellen: io-warnemuende.de, lagus.mv-regierung.de, umweltbundesamt.de

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 19. August 2020 | 17:15 Uhr

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