Grafische Darstellung eines Schlaganfalls
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Zum Tag des Schlaganfalls am 10. Mai So erkennen Sie einen Schlaganfall und handeln richtig

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Der FAST-Test

Um festzustellen, ob jemand einen Schlaganfall erlitten hat, hilft der sogenannte FAST-Test. FAST steht dabei für die englischen Begriffe Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit) und hat folgende Bedeutung:

Face: Der oder die Betroffene soll lächeln. Ist das Gesicht halbseitig verzogen, ist von einer Lähmung auszugehen.

Arms: Danach soll der oder die Betroffene die Arme nach vorne ausstrecken und die Handflächen nach oben drehen. Dies wäre bei einer Lähmung nicht möglich.

Speech: Dann soll die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Wenn dies nicht möglich ist, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.

Time: Sind diese Hinweise gegeben, zählt jede Sekunde! 112 anrufen!

Grafik erklärt FAST-Methode zum Erkennen von Schlaganfällen. F steht für "Face", man soll sich das Gesicht ansehen, ob es einseitig gelähmt ist. "A" steht für "Arme", man soll den Betroffenen beide Arme heben lassen. ""S" steht für Sprache": Man soll hören, ob der Betroffenen verwaschen spricht. "T" steht für "Time": Man soll keine Zeit verlieren und den Notruf 112 wählen.
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Wie entsteht ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall entsteht, wenn die Durchblutung im Gehirn behindert oder ganz unterbrochen wird. Mediziner unterscheiden zwischen zwei Arten:

Ischämische Schlaganfälle treten auf, wenn die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrochen wird; üblicherweise durch ein Blutgerinnsel aus den Kopfschlagadern. Diese Arterien versorgen den Kopf und das Gehirn mit sauerstoffreichem Blut. Bei den meisten Schlaganfällen handelt es sich um diese Art.

Hämorrhagische Schlaganfälle (ca. 15 Prozent) treten bei Blutungen im oder um das Gehirn herum auf. Bei dieser Form platzt ein Gefäß im Gehirn, weil es bereits vorgeschädigt war, zum Beispiel durch eine Gefäßaussackung (Aneurysma), oder weil der Druck an einer Stelle zu groß geworden ist.

10. Mai ist Tag des Schlaganfalls
Seit 20 Jahren macht die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe am 10. Mai und um diesen Tag herum mit Informationsveranstaltungen und Aktionen auf die Gefahr des Schlaganfalls aufmerksam. Schwerpunkte sind die Vorbeugung, etwa durch eine Veränderung des Lebensstils, die Folgen und die medizinische Versorgung.

Wie häufig tritt ein Schlaganfall auf?

Der Deutschen Schlaganfallhilfe zufolge gibt es jedes Jahr rund 270.000 Fälle. Davon erleiden ca. 200.00 Menschen zum ersten Mal einen Schlaganfall und knapp 70.000 zum wiederholten Male.

Was macht einen Schlaganfall so gefährlich?

Nach wie vor ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache, nach Herz- und Tumorerkrankungen. Vierzig Prozent der Patienten sterben im ersten Jahr nach dem Anfall. Und er ist die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. Wer überlebt, bleibt oft für immer pflegebedürftig.

Die Unterbrechung der Sauerstoffversorgung trifft das Gehirn empfindlicher als alle anderen Organe unseres Körpers. Zum Teil sterben schon nach Sekunden die ersten Zellen ab und erste Funktionen werden eingestellt. Deshalb bleibt auch bei neueren Behandlungsmethoden nach wie vor nur wenig Zeit für eine vollkommen erfolgreiche Behandlung. Je schneller also ein Schlaganfall behandelt wird, umso größer ist die Chance auf Heilung.

Wie bahnt sich ein Schlaganfall an?

Atherosklerotischer Plaque
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Einem Schlaganfall geht meist eine lange Entwicklung voraus. Über Jahre hinweg wird die Innenschicht der Arterien – das sogenannte Endothel – rau und brüchig. "Das kann verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen Bluthochdruck, rauchen, fettreiches Essen aber auch Faktoren wie Stress", erklärt Dr. Carsten Lekutat, Hausarzt und Moderator des MDR-Gesundheitsmagazins "Hauptsache Gesund".

Weiße Blutkörperchen haften sich an diese rauen und brüchigen Stellen an und dringen in die Gefäßwand ein. Dort verwandeln sie sich in Schaumzellen, aus denen wiederum Belege entstehen. Diese sogenannten Plaques verengen die Arterien. Wenn sie aufreißen kommen Blutplättchen zu der Stelle und ballen sich zusammen, um den Riss zu verschließen. Bei diesem Vorgang können Gerinnsel entstehen. Wenn sie sich losreißen, können sie im Gehirn Arterien verstopfen und dadurch den Schlaganfall auslösen.

Kündigt sich ein Schlaganfall an?

Ein Schlaganfall kann plötzlich und völlig unerwartet auftauchen. In den meisten Fällen kündigt er sich aber an, wie Dr. Carsten Lekutat erklärt: "Diese Blutgerinnsel lösen sich meist nicht auf einmal von ihrem Entstehungsort. Oft reißen erst kleine Teile ab, wandern ins Gehirn und blockieren dort nur kurz die Blutbahn, bis sie zersprengt und abtransportiert werden." Diese kurze Blockade äußert sich in Schwindelgefühlen, Sehstörungen, Taubheit in einzelnen Gliedmaßen oder einer allgemeinen Benommenheit. Diese Symptome verschwinden schnell wieder, sollten aber ein deutliches Warnsignal und ein Grund zum sofortigen Handeln sein. Mit anderen Worten: Ab zum Arzt!

Was sind typische Anzeichen für einen Schlaganfall

Für die Symptome des Schlaganfalls ist ausschlaggebend, welcher Teil des Gehirns betroffen ist und wie schwerwiegend die Ausfälle sind. Das bedeutet, die Symptome können sehr unterschiedlich sein:

  • plötzlich einsetzende Schwäche oder Lähmung auf einer Körperseite, insbesondere eines Arms, Beins oder im Gesicht
  • Sprachschwierigkeiten in Verbindung mit einer Lähmung, dann zumeist auf der rechten Körperseite oder Schwierigkeiten Sprache zu verstehen.
  • Sehstörungen (Doppelbilder, verschwommenes Sehen, vorübergehender Sehverlust auf einem Auge, halbseitiger Ausfall eines Gesichtsfelds)
  • Schwindel mit Gangunsicherheit, Verlust von Gleichgewicht oder Koordination
  • plötzliche Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit
  • plötzliche, heftigste Kopfschmerzen

Diese Symptome können einzeln oder auch zusammen auftreten. Das Problem dabei ist: Auch Krankheiten wie eine Gesichtslähmung können für eine Sprachstörung verantwortlich sein. Als Laie ist das nicht zu unterscheiden." Fangen Sie gar nicht erst an, irgendwelche Diagnosen zu stellen. Sollten Sie an sich oder anderen diese Symptome feststellen, handeln Sie sofort!", rät unser Experte.

Wie helfen?

"Time is Brain, Zeit ist Hirn. Je länger bestimmte Teile des Gehirns nicht durchblutet werden, umso mehr Gehirnzellen sterben ab und sind unwiederbringlich verloren", beschreibt Dr. Carsten Lekutat die dramatische Situation. Darum sollte beim leisesten Verdacht auf einen Schlaganfall umgehend gehandelt werden, und zwar folgendermaßen:

  • Lagern Sie die Person sicher, sodass sie nicht stürzen und sich verletzen kann.
  • Rufen Sie sofort den Notruf 112. Machen Sie deutlich darauf aufmerksam, dass Sie einen Schlaganfall vermuten.
  • Betreuen Sie die betroffene Person bis zum Eintreffen des Arztes, sprechen Sie wenn möglich mit ihr und passen Sie auf sie auf.

Mehr können und sollten Sie auch nicht tun, erklärt der Experte: "Erst in der Computertomographie ist zu sehen, ob und was für ein Schlaganfall es ist und wo die Durchblutung im Gehirn gestört ist. Dadurch kann man vorher gar nicht eindeutig festlegen, wie Sie den Betroffenen am besten lagern. Auch Hilfe durch Getränke oder etwa Aspirin zum Blutverdünnen unterlassen Sie einfach!"

Sollte die betroffene Person allerdings bewusstlos werden, dann führen Sie nach bestem Wissen Wiederbelebungsmaßnahmen durch. Für Laien reicht dabei eine Herzdruckmassage ohne Beatmung mit 100 bis 120 Wiederholungen pro Minute. Wenn Sie es sich zutrauen, dann wechseln Sie 30 Mal Herzdruckmassage und zweimal Beatmung ab.

Bloß nicht selber fahren!

Notarzt Rettungswagen des DRK Deutschen Rotes Kreuz
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Sollte man eine Person mit Verdacht auf Schlaganfall schnell selber mit dem Auto in die Klinik fahren? Schließlich ist das doch schneller als auf den Krankenwagen zu warten, der doch er herkommen und dann wieder zurückfahren muss? Davon rät Dr. Carsten Lekutat dringend ab: "Lassen Sie die Finger von sowas. Der Rettungswagen ist schneller unterwegs als Sie. Notärzte können die ersten Medikamente schon in der Wohnung verabreichen, im Wagen eine Computertomographie durchführen und während der Fahrt ins Krankenhaus gezielt behandeln."  

Bloß nicht abwarten!

Warten Sie auch bitte nicht erst ab, ob sich Schwindel oder ähnliche Symptome wieder legen, besonders wenn sie nachts auftreten. Wer sich wieder hinlegt, verliert im Ernstfall wertvolle Zeit und bemerkt nicht, ob und wie sich die Symptome verschlimmern.

Keiner ist davor gefeit!

Die meisten Schlaganfälle erleiden Menschen die älter als 60 sind. Es kann aber auch jüngere treffen. Einer besonderen Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden, unterliegen vor allem Menschen, die eine Reihe von Risikofaktoren aufweisen. Ganz oben stehen dabei Herzrhythmusstörungen. Am häufigsten trifft es nämlich Menschen, die ohne es zu merken, Vorhofflimmern haben. Bei diesen Blutverwirbelungen im Herzen können sich Gerinnsel bilden, die dann ins Gehirn wandern.

Weitere Risikofaktoren sind: Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. Personen, in deren Familie bereits ein Schlaganfall aufgetreten ist, sind ebenfalls gefährdet, denn die Veranlagung ist zum Teil auch erblich. Dr. Carsten Lekutat nennt eine weitere Risikogruppe: "Junge Frauen, die die Pille nehmen und gleichzeitig rauchen, sind besonders gefährdet, weil die Hormone und Schadstoffe der Zigaretten die Blutgefäße schädigen können."

Wie diagnostizieren Ärzte einen Schlaganfall?

MRT-Aufnahme vom Schädel eines 28-Jährigen
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Der letztendliche Beweis eine Durchblutungsstörung im Gehirn kann durch eine Computertomographie oder Kernspintomographie des Schädels erbracht werden. Durch dieses Untersuchungsverfahren können zudem Schädigungsursache und -ort im Gehirn näher abgeklärt werden. Zusätzliche diagnostische Informationen nach einem Schlaganfall liefern die Ultraschalluntersuchung der Hirngefäße, gegebenenfalls eine Darstellung des gesamten Hirnkreislaufes durch Kontrastmittelinjektion, eine genaue Untersuchung des Herzens auf mögliche Embolie- Quellen sowie die Blutuntersuchung auf mögliche Gerinnungsstörungen.

Wie groß sind die Heilungschancen?

Da zahlreiche individuelle Faktoren eine große Rolle im weiteren Verlauf der Erkrankung spielen, sind Prognosen im Einzelfall sehr schwer zu stellen. Prinzipiell gilt jedoch, dass die akut auftretenden Funktionsausfälle auch bei großen Schlaganfällen sich im weiteren Verlauf von mehreren Wochen oder Monaten teilweise zurückbilden können. Von entscheidender Bedeutung ist hierbei, inwiefern andere, noch intakte Hirnareale einspringen und die Funktion des untergegangenen Hirngewebes übernehmen können.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 10. Mai 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Mai 2019, 00:10 Uhr