Orangenhaut
Bildrechte: imago/blickwinkel

Forschung Cellulite: Was macht eigentlich das Bindegewebe straff?

80 bis 90 Prozent aller Frauen leiden unter Cellulite, der sogenannten Orangenhaut. Sie tritt vor allem an Po, Oberschenkeln und den Oberarmen auf. Die Hautoberfläche ist großporig und weist Dellen auf. Bisher gibt es kein Mittel, das Bindegewebe wieder in Form bringt. Bislang helfen weder Massagen noch Cremes. Wissenschaftler aus Leipzig haben möglicherweise eine Lösung für das Problem gefunden.

von Karsten Möbius

Orangenhaut
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Bindegewebe haben wir überall im Körper. Es stützt und hält unsere Zellen an den richtigen Stellen. Erschlafft es jedoch, ist das nicht nur der Schönheit abträglich, sondern es kann auch ganz schlimme Folgen haben: Auch das Weiße in unseren Augen besteht nämlich aus Bindegewebe. Gibt es nach, kommt es zu einer extremen Form von Kurzsichtigkeit, die weitere Probleme nach sich zieht.

Die Blutgefäße auf der Netzhaut werden ausgedünnt, das Nervengewebe wird biomechanisch gezerrt. Die Netzhaut wird geschädigt, was letztendlich zur Erblindung führt.

Prof. Mike Francke, Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung
Ein Mann lächelt
Prof. Mike Francke vom Paul Flechsig Institut für Hirnforschung Leipzig Bildrechte: Karsten Möbius

Prof. Mike Francke und seine Kollegen vom Paul Flechsig Institut für Hirnforschung in Leipzig haben eine Möglichkeit gefunden, dieses Bindegewebe zu stabilisieren. Dazu schauen sie tief in das Gewebe hinein und beginnen zu verstehen, was es fest und stabil macht: Beim Bindegewebe ist es wie mit vielen nebeneinander liegenden Streichhölzern: Fügt man sie zusammen wie die Sprossen einer Leiter, werden sie stabiler. Fallen Sprossen heraus, wird die Leiter wackelig.

Wir wollen jetzt die kleinen einzelnen Streichhölzer wie die Sprossen einer Leiter vernetzen. Je mehr Sprossen die Leiter hat, desto stabiler ist sie dann. Dabei hilft ein mit Licht behandeltes Vitamin.

Prof. Mike Francke

Das erzählte Mike Francke auch der Biophysikerin Stefanie Riedel vom benachbarten Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung e.V. beim Kaffee. Sie arbeitete zu dem Zeitpunkt mit ähnlichem biologischen Material. Sie bestrahlte Gummibärchen, zerstörte damit Gewebestrukturen, die sofort wieder neue Verbindungen eingingen.

Diese neuen Verbindungen machten das Material stabiler als es vorher war. Es ist ein Netzwerk kleinen Poren. Je kleiner die Poren, desto dichter und stabiler das Netzwerk. Das wollen wir jetzt auf das Bindegewebe im Allgemeinen übertragen.

Stefanie Riedel, Biophysikerin, Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung e.V.

Grundlagenforschung zur Bindegewebe-Straffung

Und obwohl so eine Bestrahlung wie bei den Gummibärchen für Menschen viel zu gefährlich wäre, arbeiten Francke und Riedel seitdem zusammen. Die unterschiedlichen Herangehensweisen, die zum gleichen Effekt führen, bringen für beide neue Erkenntnisse über das Bindegewebe. Und es könnte den Einsatz bei Betroffenen beschleunigen. Denn wenn die beiden Wissenschaftler belegen können, dass es sich hier nicht um ein Medikament, sondern um eine Behandlungsmethode handelt, würde sie schneller für den Markt zugelassen. Aber erst einmal müssen die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zu einem praktikablen Verfahren führen.

Was wir schon wissen ist, wie haltbar diese Collagen-Struktur ist, wie oft man eine Behandlung wiederholen muss. Man kann messen, wie viel Wasser aufgenommen wird. Wird sehr viel Wasser gebunden, dann hat es eben eine gute runde Form.

Prof. Mike Francke

Die Vernetzung von Bindegewebsstrukturen würde nicht nur Auge, Po und Oberschenkel in Form halten, sondern wäre wahrscheinlich auch für die Stabilität von Bandscheiben, Blutgefäßen, Bändern und Sehnen extrem interessant.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 26.05.2017 | 06:48 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR | Brisant | 06. September 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 13:44 Uhr