Hilfe vom Staat Kinderkrankentage, Kinderbonus, Grundsicherung: So bekommen Sie die Corona-Hilfen!

Ein Ende der Corona-Pandemie ist bislang nicht absehbar. Deshalb hat sich die Koalition darauf geeinigt, einige Corona-Hilfen zu verlängern. Außerdem gibt es in diesem Jahr für zehn zusätzliche Tage Kinderkrankengeld. Was das bedeutet und wie Sie Kurzarbeitergeld, Überbrückungshilfen, Kinderkrankengeld und -bonus ggf. beantragen können, das verraten wir Ihnen hier.

Symbolbild: Stempel mit der Aufschrift «Kurzarbeit»
Rund 5,6 Millionen Menschen waren im Juli 2020 in Kurzarbeit. Bildrechte: Colourbox.de

Mehr Kinderkrankentage und Pflegeunterstützungstage

Wegen der Corona-Krise können Eltern für die Betreuung erkrankter Kinder zehn zusätzliche Krankentage beantragen. Bislang bekamen Elternpaare dafür pro Elternteil jeweils zehn Tage und Alleinerziehende insgesamt 20 Tage Kinderkrankengeld ausgezahlt. Und zwar für alle Kinder unter zwölf Jahren, die nicht anders betreut werden können, z.B. durch die Großeltern. In diesem Jahr erhöht sich die Zahl um fünf Tage je Elternteil für Elternpaare und zehn für Alleinerziehende.

Die sogenannten Pflegeunterstützungstage werden sogar verdoppelt! Wer sich um pflegebedürftige Angehörige kümmert, konnte sich dafür bislang für bis zu zehn Tage im Jahr entschädigen lassen. In diesem Jahr ist das für 20 Tage möglich.

Stellen kann die entsprechenden Anträge jeder Arbeitnehmer, in dessen Arbeitsvertrag eine entsprechende Zahlung ausgeschlossen ist. Die Krankenkasse bzw. Pflegekasse übernimmt dann den Verdienstausfall.

Kind mit Creme auf Ausschlag schluckt Medizin im Bett
Im Corona-Jahr 2020 gibt's fünf zusätzliche Kinderkrankentage pro Elternteil bzw. zehn zusätzliche für Alleinerziehende. Bildrechte: imago images / Westend61

Kinderbonus für alle Kinder, die im Corona-Jahr 2020 Kindergeld beziehen bzw. bezogen haben

Teil des von der Bundesregierung beschlossenen Konjunkturpaketes zur Erleichterung der Corona-Krise ist der sogenannte Kinderbonus. Der beträgt insgesamt 300 Euro pro Kind und steht jedem Kind zu, das im Jahr 2020 Kindergeld bezieht, beziehen wird oder auch bezogen hat. Damit werden auch noch nicht Geborene und junge Erwachsene bedacht, die momentan kein Kindergeld mehr beziehen. Ausgezahlt werden die ersten 200 Euro im September, im Oktober folgt eine weitere Zahlung über 100 Euro.

Erleichterter Zugang zur Grundsicherung

Wer als Künstler, Selbstständiger oder Kleinunternehmer in Corona-Zeiten zu wenig Geld hat, um sich oder die Familie zu versorgen, kann die Grundsicherung bis Ende 2021 in einem erleichterten Verfahren beantragen. Dieses sogenannte Arbeitslosengeld II gilt auch für Kurzarbeiter oder Arbeitslose. In den ersten sechs Monaten entfällt die Vermögensprüfung und die Miete wird in voller Höhe übernommen.

Als "erhebliches Vermögen" zählt eine Summe von mehr als 60.000 Euro (Konto, Sparbuch, Aktien, Schmuck, Kunst, Lebensversicherung, Auto). Wohnt man in einer Eigentumswohnung, wird diese nicht angerechnet.

Jeder, der über 15 Jahre alt ist, kann den Antrag auf Grundsicherung formlos telefonisch, per E-Mail oder per Brief beim zuständigen Jobcenter stellen.

Künstlerdemonstration für mehr Corona - Hilfe vom Kurfürstendamm zum Brandenburger Tor .
Künstler haben es in Corona-Zeiten besonders schwer. Bildrechte: imago images/Bernd Friedel

Kurzarbeitergeld bis Ende 2021

Während einer Kurzarbeit verringert ein Unternehmen vorübergehend die Arbeitszeit seiner Beschäftigten teilweise bis auf Null, um ihre Jobs zu erhalten. Die Zahlung des Kurzarbeitergeldes ist jetzt von zwölf auf 24 Monate verlängert worden. Den Antrag stellt der Arbeitgeber.

Voraussetzung ist, dass zehn Prozent der Beschäftigten von Arbeitsausfall betroffen sind und der Betrieb bis zum 31. März 2021 mit der Kurzarbeit begonnen hat.

Das Kurzarbeitergeld beträgt in der Regel 60 Prozent vom Nettolohn. Ab dem vierten Monat gibt es 70 Prozent, ab dem siebten Monat sogar 80 Prozent. Berufstätige mit Kindern erhalten jeweils sieben Prozent mehr. Die Sozialversicherungsbeiträge werden komplett erstattet. Aber Achtung: Vor der Zahlung muss der Arbeitnehmer Überstunden und Urlaub "abbummeln"!

Die gute Nachricht: Auch Leiharbeiter dürfen Kurzarbeitergeld beziehen.

 Ein Bauarbeiter schweiߟt auf einer Baustelle der Bahn-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm an einer Baumaschine.
Viele Firmen haben ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, weil Aufträge fehlen. Bildrechte: dpa

Überbrückungshilfen für den Mittelstand bis Ende 2020

Die Überbrückungshilfe sind Zuschüsse zu den Fixkosten der Unternehmen: Mieten für Geschäftsräume, Leasingraten und Versicherungen. Je Unternehmen gibt es maximal 150.000 Euro für drei Monate. Maximal werden 80 Prozent der Kosten erstattet.

Das gilt für alle kleinen und mittelständischen Unternehmen und Organisationen ebenso, wie für Solo-Selbstständige und Freiberufler. Voraussetzung ist, dass ihr Umsatz in den Monaten April und Mai 2020 um mindestens 60 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück ging.

Achtung: Steuerberater und Wirtschaftsprüfer müssen die Bedürftigkeit prüfen und bestätigen! Und nur sie können den Antrag stellen. Wer schummelt, macht sich strafbar und muss unter Umständen einen Teil der Zuschüsse zurückzahlen!

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 02. September 2020 | 17:35 Uhr

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