FAQ Wer sollte sich nicht gegen Corona impfen lassen?

Das schönste Weihnachtsgeschenk für viele Menschen in Deutschland war der Corona-Impfstoff. Aber es gibt auch Menschen, die eine Impfung mit ihrem Arzt abklären sollten. Welche Risikofaktoren gibt es und wann sollte man sich mit seinem Arzt beraten?

Symbolbild: Impfung gegen Corona-Viren.
Schwangerschaften und einige Vorerkrankungen erlauben keine Impfung gegen das Coronavirus. Bildrechte: imago images/MiS

Darf ich mich trotz Erkältung impfen lassen?

Grundsätzlich sollte sich jeder nur dann impfen lassen, wenn er oder sie sich fit fühlt. Das ist allerdings bei einer Grippeschutz-Impfung genauso. Wer also gerade eine Erkältung durchmacht, sollte mit der Corona-Impfung warten, bis die Erkältungssymptome (Fieber, Kopfschmerzen, Schnupfen, allgemeine Abgeschlagenheit) abgeklungen sind. Die Impfung belastet das Immunsystem sonst unnötig.

Darf ich mich gegen Corona und Grippe gleichzeitig impfen lassen?

Mediziner empfehlen, zwischen der Corona-Impfung und einer Grippeschutz-Impfung mindestens 14 Tage Abstand zu lassen, damit der Körper nicht von zwei Impfstoffen gleichzeitig belastet wird.

Achtung: Da der Corona-Impfstoff zweimal innerhalb von drei Wochen verabreicht wird, sollten Patienten das im Auge behalten und notfalls die Grippeschutz-Impfung entweder zeitlich vorziehen oder nach hinten verlegen.

Ein junger Mann liegt im Bett und hält sich ein Taschentuch vor den Mund
Erkältet? Dann warten Sie mit einer Corona-Impfung. Bildrechte: Colourbox.de

Darf ich mich impfen lassen, wenn ich bereits Corona hatte?

Nach den bisher vorliegenden Daten gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Impfung nach unbemerkt durchgemachter Corona-Infektion gefährlich ist.

Menschen, die nachgewiesenermaßen eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht haben, sollten zunächst nicht geimpft werden. Es ist davon auszugehen, dass nach einer überstandenen Infektion ohnehin Antikörper vorhanden sind - eine zusätzliche Dosis wäre daher unnötig.

Darf ich mich impfen lassen, wenn ich Allergien habe?

Allergiker, die auf Gräserpollen, Äpfel oder Hausstaub reagieren, brauchen sich keine Sorgen zu machen. Wer aber in der Vergangenheit bereits eine starke allergische Reaktion auf Medikamente oder andere Impfungen hatte, sollte den Hausarzt befragen.

Mehrere Menschen aus Großbritannien und den USA waren nach einer Corona-Impfung mit anapylaktischem Schock zusammengebrochen. Vermutlich war der im Impfstoff enthaltene Hilfsstoff Polyethylenglykol (PEG) der Auslöser. PEG steckt als Zusatzstoff in vielen Kosmetika, Reinigungsmitteln und Medikamenten - allerdings in viel höheren Dosen als im Corona-Impfstoff.

Allergische Reaktionen auf Impfstoffe sind sehr selten und treten bei 1 pro 1.000.000 bis zu 30 pro 100.000 Impfungen auf. Experten sind sich noch nicht einig, ob PEG wirklich der Auslöser für den Schock war oder eine individuelle körpereigene Reaktion auf die im Impfstoff enthaltenen Nanopartikel. Diese könnte das Immunsystem fälschlicherweise als Viren erkennen.

Die aufgeführten Hilfsstoffe im Impfstoff Comirnaty (BNT162b2) von Biontech/Pfizer ALC-0315 ((4-Hydroxybutyl)azandiyl)bis(hexan6,1-diyl)bis(2-hexyl decanoate), ALC-0159 (2-((Polyethylenglykol)-2000)-N,Nditetradecylacetamid), 1,2-Distearoyl-sn-glycero-3-Phosphocholin, Cholesterin, Kaliumchlorid, Kaliumdihydrogenphosphat, Natriumchlorid, DinatriumhydrogenphosphatDihydrat, Saccharose und Wasser für Injektionszwecke.

Eine Arzthelferin impft in einer Arztpraxis eine Patentin mit einer Spritze.
Sehr selten reagieren Patienten mit einem allergischen Schock auf die Zusätze im Impfstoff. Bildrechte: dpa

Darf ich mich impfen lassen, wenn ich schwanger bin?

Schwangere und stillende Frauen, Kinder und Jugendliche werden zunächst nicht geimpft. Bei Kindern und Jugend­lichen wurden die Impfstoffe noch nicht genügend auf Wirk­samkeit und Sicherheit untersucht, da aus ethischen Gründen Kinder nicht zu den freiwilligen Testpersonen zählen. Bei Schwangeren und Stillenden fehlen noch aussagekräftige Daten.

Darf ich mich impfen lassen, wenn ich Gerinnungshemmer nehme?

Auch Patienten, die Blutgerinnungshemmer einnehmen, könnten mit der Injektion, die direkt in den Muskel gesetzt wird, Probleme bekommen. Denn es bildet sich dort ein riesiges Hamätom, da Muskeln sehr gut durchblutet werden, aber die Medikamente dafür sorgen, dass das Blut nicht verklumpt.

Was sind Gerinnungshemmer? Sie werden bei der Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern, bei Herzklappenprothesen, Venenthrombosen, Lungenembolien oder bei der sogenannten Thrombophilie, einer krankhaft erhöhten Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln, verschrieben. Dazu gehören die Medikamente Macrumar, Pradaxa, Lixiana, Eliquis oder Xarelto.

Betroffene sollten daher ihren Arzt aufsuchen und das weitere Vorgehen besprechen. Oftmals können Medikamente für einige Tage problemlos abgesetzt werden (nur nach Absprache! Niemals allein!). Impfärzte verwenden bei Gerinnungshemmer-Patienten eine sehr dünne Kanüle und drücken anschließend eine Kompresse auf die Einstichstelle.

Darf ich mich impfen lassen, wenn ich Krebspatient bin?

Mediziner empfehlen Patienten mit einer Krebserkrankung, das weitere Vorgehen individuell mit dem behandelnden Arzt abzusprechen. Faktoren wie Krebsart, Erkrankungssituation, Therapie und Begleiterkrankungen spielen bei der Entscheidung eine Rolle. Eine Chemotherapie unterdrückt das eigene Immunsystem - inwieweit dann der Impfstoff die gewünschte Schutzwirkung bewirkt, ist noch nicht untersucht.

Immuntherapien unterstützen hingegen die körpereigene Abwehr. Ob es bei einer Corona-Impfung zu Überreaktionen kommt, ist ebenfalls noch nicht untersucht.  

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 28. Dezember 2020 | 17:15 Uhr

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