COVID-19 Coronavirus: Was bedeutet Quarantäne?

Die Corona-Epidemie ist in Europa angekommen. In Italien stehen ganze Ortschaften unter Quarantäne. Fünf Touristen aus Sachsen, die mit dem Kreuzfahrtschiff "Westerdam" in Asien unterwegs waren, dürfen vorerst ihre Wohnungen nicht verlassen. Breitet sich das Virus Sars-CoV-2 weiter aus, könnte das bald noch mehr Deutsche treffen. Wer entscheidet, über wen Quarantäne verhängt wird? Kann man sich dagegen wehren? Und wie wird man während dieser Zeit versorgt?

Quarantäne Corona-Virus
Was bedeutet es, unter Quarantäne zu stehen - und wer kommt in dieser Zeit für den Verdienstausfall auf? Bildrechte: Colourbox.de

Wer ordnet eine Quarantänemaßnahme an?

Infektionsschutz ist zum größten Teil Ländersache. Verantwortlich für Maßnahmen vor Ort sind jeweils die Gesundheitsämter. In Deutschland gibt es davon ungefähr 380. Jedes dieser Gesundheitsämter entscheidet selbst, welche Maßnahmen in der jeweiligen Region ergriffen werden sollten.

Könnten auch in Deutschland ganze Städte oder Gebiete abgeriegelt werden?

Theoretisch und rechtlich betrachtet: ja! Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts wäre das allerdings praktisch kaum umsetzbar. Insbesondere große Städte lassen sich nur bedingt abriegeln, da nicht sichergestellt werden kann, dass niemand das Quarantänegebiet verlässt. Anders sieht das laut Robert-Koch-Institut in geschlossenen Systemen, wie Kreuzfahrtschiffen, aus.

Quarantäne Corona-Virus
Unter Quarantäne gestellt werden kann, wer Kontakt mit einer infizierten Person hatte oder aus einem Hochrisikogebiet kommt. Bildrechte: Colourbox.de

Kann man zur Quarantäne gezwungen werden?

Ja! Zumindest dann, wenn ein begründeter Verdacht besteht, dass man sich mit dem Corona-Virus infiziert haben könnte. Als ansteckend können auch Personen gelten, die keine Krankheitssymptome zeigen, aber Kontakt zu einem Erkrankten hatten. Auch nach Rückkehr aus einer Hochrisikoregion, in der die sehr ansteckende Krankheit sehr verbreitet ist, kann von einem Ansteckungsverdacht ausgegangen werden. Vom Bundesgesundheitsministerium heißt es zum Thema Quarantäne:

Das zuständige Gesundheitsamt kann für eine Person die Unterbringung in einem isolierten Bereich eines Krankenhauses oder einer anderen geeigneten Einrichtung anordnen, wenn der naheliegende Verdacht besteht, dass die Person sich mit einem ansteckenden Krankheitserreger infiziert hat und andere anstecken kann.

Bundesgesundheitsministerium www.bundesgesundheitsministerium.de

Weigert sich eine Person aber trotz Ansteckunsgefahr partout, sich selbst zu Hause zu isolieren, kann das Gesundheitsamt eine gesicherte Unterbringung erzwingen, so das Robert-Koch-Institut. Die Unterbringung erfolgt dann zum Beispiel in einer bewachten Kaserne oder Klinik.

Müssen Angehörige mit in Quarantäne?

Leben im Haushalt weitere Personen, wie Partner oder Kinder, werden diese laut Robert-Koch-Institut meist zusammen mit dem Betroffenen isoliert. Denn durch die Inkubationszeit des Corona-Virus ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass bereits eine Ansteckung erfolgt ist.

Quarantäne Corona-Virus
Wird eine Person unter Quarantäne gestellt, gilt das meist auch für die mit ihr in einem Haushalt lebenden Menschen. Bildrechte: Colourbox.de

Wer kommt in dieser Zeit für die Verdienstausfälle auf?

Personen, die als Ansteckungsverdächtige auf Anordnung des Gesundheitsamts isoliert werden und deshalb einen Verdienstausfall erleiden, erhalten eine Entschädigung. Arbeitnehmer erhalten von ihrem Arbeitgeber für die Dauer der Isolierung, längstens für sechs Wochen, eine Entschädigung in Höhe des Nettolohns. Die ausgezahlten Beträge werden dem Arbeitgeber auf Antrag vom jeweiligen Bundesland erstattet.

Nach sechs Wochen zahlt der Staat in Höhe des Krankengeldes weiter. Erkrankte fallen ausdrücklich nicht unter diese Entschädigungsregelung, weil diese bereits Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erhalten. Eine Entschädigung wird auch dann nicht bezahlt, wenn Beamte weiterhin Besoldung erhalten oder Angestellte von ihrem Arbeitgeber weiterhin Gehalt bekommen.

Selbstständige oder Freiberufler erhalten Verdienstausfall nach dem Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Die Entschädigung bemisst sich nach den letzten Jahreseinnahmen, die dem Finanzamt gemeldet worden sind.

Muss man in Quarantäne arbeiten, wenn mobiles Arbeiten möglich ist?

Wenn man dazu körperlich in der Lage ist und alle notwendigen Arbeitsmittel zur Hand sind, ja. Das gebietet die Treuepflicht gegenüber dem Arbeitgeber.

Wer versorgt Menschen, die in ihrer eigenen Wohnung unter Quarantäne stehen?

Dafür scheint es bislang keine klare Regelung zu geben. Empfohlen wird, sich von Freunden und Angehörigen unterstützen zu lassen. Die sollten dabei jedoch die empfohlenen Abstands- und Hygiene-Empfehlungen einhalten, um sich nicht selbst zu gefährden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 25. Februar 2020 | 17:15 Uhr

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