Rechte & Pflichten Coronavirus: Wann muss man in Quarantäne, wann nicht?

Um eine weitere Verbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen, soll man derzeit zu Hause bleiben und seine soziale Kontakte einschränken. Dennoch ist es möglich, sich in Schule, Kindergarten, beim Einkaufen oder am Arbeitsplatz mit dem Virus anzustecken. Wann ist man verpflichtet, sich gänzlich abzuschotten und in Quarantäne zu gehen, um sich selbst und andere zu schützen? BRISANT.DE hat nachgehakt.

Quarantäne Corona-Virus
Quarantäne ist wichtig, um sich und andere Menschen zu schützen! Bildrechte: Colourbox.de

Was ist der ZWECK der Quarantäne?

Die Quarantäne ist wichtig. Sie dient dem eigenen Schutz und dem der anderen. Sie soll eine weitere Ausbreitung des neuartigen Coronavirus eindämmen, um unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts geht es in der Quarantäne darum, den Gesundheitszustand eines Menschen für die maximale Dauer der Inkubationszeit (10-14 Tage) zu beobachten.

GESUNDHEITSAMT legt Form der Quarantäne fest

Ob die Quarantäne im häuslichen Umfeld oder stationär erfolgen muss, legt im Einzelfall das Gesundheitsamt fest. Wird eine häusliche Quarantäne angeordnet, darf man die Wohnung nicht ohne Zustimmung des Amtes verlassen. Auch Besuch von Personen, die nicht zum eigenen Haushalt gehören, ist verboten.

Lebt man mit anderen Menschen unter einem Dach, sollte man sich möglichst in unterschiedlichen Räumen aufhalten, die Zimmer gut lüften und möglichst wenige Haushaltsgegenstände miteinander teilen. Oberflächen wie Tische oder Türklinken sollten regelmäßig desinfiziert werden. Enger Körperkontakt ist für diese Zeit tabu.

Verstößt man gegen die Quarantäne, drohen eine Geld- oder auch Freiheitsstrafe.

Wann MUSS man in Quarantäne?

Wer sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert hat, muss sich für zehn bis 14 Tage in Quarantäne begeben. Eine Quarantäne ist aber auch dann notwendig, wenn ein erhöhtes Risiko besteht, dass man sich angesteckt hat. Entweder, weil man aus einem internationalen Risikogebiet zurückgekehrt ist oder "engen Kontakt" zu einem nachweislich COVID-19-Erkrankten hatte. In beiden Fällen gilt man als ansteckungsverdächtig. Das heißt, man könnte das Virus weitertragen, ohne selber zu erkranken.

Unter "engem Kontakt" (oder Kontaktperson ersten Grades) ist zu verstehen, dass man mit dem Infizierten gesprochen hat, von ihm angehustet oder -geniest wurde oder ihn berührt hat. Auch wenn man im gleichen Haushalt mit einer infizierten Person lebt, ist das Risiko hoch, sich anzustecken.

Neue Quarantäne-Regeln für Reiserückkehrer

Besondere Quarantäne-Regeln gelten seit dem 8. November für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Schon zuvor mussten sich aus Risikogebieten nach Deutschland Einreisende für mindestens zehn Tage isolieren. Neu ist, dass man sich zusätzlich über eine digitale Einreiseanmeldung registrieren lassen muss.

Quarantäne durch "freitesten" verkürzen

Verkürzt werden kann die mindestens zehntägige Quarantäne durch die Vorlage eines negativen PCR-Test-Ergebnisses. Reiserückkehrer aus Risikogebieten dürfen diesen Test allerdings erst fünf Tage nach ihrer Rückkehr machen lassen. Menschen, die an COVID-19 erkrankt waren, dürfen die Quarantäne frühestens nach zehn Tagen und mindestens 48 Stunden ohne Symptome verlassen.

Wann muss man NICHT in Quarantäne?

Nicht in Quarantäne muss man, wenn man mit einer Person Kontakt hatte, die wiederum selber aufgrund des Kontakts zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person in Quarantäne muss. Dann gilt man als Kontaktperson zweiten Grades und sollte "lediglich" besondere Vorsicht walten lassen.

Auch wenn man sich im selben Raum wie ein COVID-19-Erkrankter aufgehalten hat, muss man nicht unmittelbar in Quarantäne. Nur wenn es zu einem "engen Kontakt" gekommen ist, wird diese Maßnahme notwendig.

Auch Menschen, die bereits an COVID-19 erkrankt waren und mittlerweile geheilt sind, müssen nicht erneut in Quarantäne, wenn sie Kontakt zu einem Infizierten hatten.

Sich die Quarantäne erträglich machen ...

Mit einer Quarantäne können psychosoziale Belastungen einhergehen. Die Angst vor einer Ansteckung, das Gefühl, ausgegrenzt zu sein, Einsamkeit, Anspannung oder Schlafstörungen. Achten Sie deshalb in dieser Zeit ganz besonders auf Ihre seelische Gesundheit!

Auch wenn man keinen direkten Kontakt zu anderen Menschen haben darf, kann man via Telefon und Internet mit Freunden und Familie in Verbindung bleiben. Nutzen Sie außerdem telefonische Hilfsangebote wie das Seelsorgetelefon oder Krisendienste. Und: Auch in häuslicher Quarantäne ist es möglich, Sport zu treiben. Das hilft, negativen Stress abzubauen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 12. November 2020 | 17:15 Uhr

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