Kriterien Wie funktionieren die Corona-Tests - und wann sollte man sich testen lassen?

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt täglich rasant an. Dazu hält nun der Herbst Einzug in Deutschland und mit ihm die Grippe- und Erkältungsviren. Welche Symptome hat COVID-19? Wann sollte man sich testen lassen und welche Tests gibt es? BRISANT mit einer Checkliste.

Corona-Test bei einer Frau
Mund auf - Stäbchen rein. So einfach funktioniert der PCR-Test. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Seit Ende August lassen sich jede Woche etwas mehr als eine Million Menschen in Deutschland auf das Coronavirus testen. Mittlerweile ist mit etwa 1,35 Millionen Tests die Kapazitätsgrenze für deutsche Labore erreicht. Beim Testen ist also ein zielgerichtetes Vorgehen wichtig. Denn um alle Menschen mit Erkältungssymptomen testen zu lassen, bräuchte man 3 Millionen Tests - jede Woche! Das ist allein aufgrund der Laborkapazitäten weder möglich noch ist es erforderlich.

Außerdem unterscheiden die Mediziner zwischen einem PCR-Test und einem Antigen-Test. Wie diese sich unterscheiden, erklären wir weiter unten. Im Wesentlichen müssen sich nur Menschen testen lassen, die einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt waren. Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt gezielt Tests für:

  • Menschen mit grippeähnlichen Symptomen, auch leichten. Dazu zählen trockener Husten, Atemnot, Fieber. Ein Coronatypisches Symptom ist der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn. Das gilt besonders für Menschen aus der "Risikogruppe", also vorerkrankten und älteren Menschen ODER für diejenigen, die im engen Kontakt zu ihnen sind, zum Beispiel Pflegepersonal. Hier ist ein PCR-Test vorgesehen.

  • Bei Kontakt zu einem bestätigten Coronavirus-Fall, egal ob Symptome vorliegen oder nicht. Das kann ein Fall im eigenen Haushalt oder in der WG sein oder wenn die Corona-Warn-App Alarm schlägt. Auch hier gibt es einen PCR-Test.

  • Bei Ausbrüchen in Gemeinschaftsunterkünften, Studentenwohnheimen, Asylbewerberheimen, Schulen, Kitas, Gefängnissen, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Arztpraxen etc. Gilt auch für Gäste von Veranstaltungen mit vielen Menschen im geschlossenen Raum wie Großhochzeiten oder Partys. Sobald eine mit SARS-CoV-2 infizierte Person festgestellt wurde, werden Gäste, Patienten, Bewohner und Personal gestestet, hier ebenfalls mit dem PCR-Test. Gegebenenfalls in Senioren- oder Pflegeheimen auch mit dem schnelleren Antigen-Test.

  • Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet aus dem Ausland. Diese müssen sofort in Quarantäne und das örtliche Gesundheitsamt informieren. Die Quarantäne dauert insgesamt 10 Tage. Frühestens am 5. Tag darf ein Test gemacht werden. Fällt der Test negativ aus, wird die Quarantäne aufgehoben. Möglich sind hier ein PCR-Test oder ein Antigen-Test.

Grafiken zu Corona
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Wie komme ich an den Test?

Laut Bundesgesundheitsministerium obliegt die Entscheidung über einen Test dem Arzt, dem Gesundheitsdienst oder den Einrichtungen. Halten diese die Überprüfung für notwendig, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen auch die Leistung.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117

Wie funktioniert der PCR-Test?

Die Viren vermehren sich in den Schleimhäuten im Nasen-/Rachenraum. Daher wird mit einem speziellen Tupfer an der Rachenhinterwand abgestrichen. Das geschieht meist durch die Nase und ist ein klein wenig unangenehm.

Die entnommenen Proben werden im Labor mittels einer Polymerase-Kettenreaktion (polymerase chain reaction, PCR) untersucht. Die PCR wird übrigens auch bei Vaterschaftstests und der Untersuchung des genetischen Fingerabdrucks bei Verbrechen genutzt. Zugrunde liegt dem Verfahren eine Verfielfältigung des Viren-Erbmaterials. Der Test selbst dauert etwa fünf Stunden. Die Ergebnisse liegen nach ein bis zwei Tagen vor. Sie werden dem Patienten vom Arzt mitgeteilt.

Wie funktioniert der Antigen-Test?

Der Test basiert auf dem Nachweis von SARS-Cov-2-Eiweißen. Dazu wird ebenfalls ein Abstrich im Nasenrachenraum vorgenommen. Der entscheidende Unterschied: Der Abstrich muss nicht in einem Labor ausgewertet werden - dies geschieht innerhalb kurzer Zeit direkt vor Ort. Deshalb heißt der Antigen-Test auch "Schnelltest". Alle derzeit auf dem Markt befindlichen Antigen-Schnelltests müssen von geschultem, medizinischem Personal vorgenommen werden.

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Was passiert, wenn ich an Covid-19 erkrankt bin?

Ist das Ergebnis positiv, werden Patient und Gesundheitsamt informiert. Dann ist häusliche Quarantäne angesagt - bis ein negativer Test vorliegt. Ist der gesundheitliche Zustand kritisch, wird der Patient in ein Krankenhaus eingewiesen. Kontaktpersonen werden ermittelt. Um die Ausbreitung des Virus möglichst einzudämmen, müssen diese sich ebenfalls testen lassen und in Quarantäne begeben.

Bei Verstoß gegen die genannten Pflichten zur Meldung, Testung, Nachweispflicht oder zur häuslichen Quarantäne können die zuständigen Behörden Bußgelder verhängen!

Eine Frau mit Maske sitzt in einem Bus und schaut auf ihr Handy
Generell gilt: Abstand, Maske auf und die Corona-Warn-App aufs Handy! Bildrechte: MDR/PantherMedia

Negativer Test - und dann?

Der PCR-Test auf Sars-CoV-2 ist sehr genau, aber dennoch kein Garant. Wenn man Symptome hat, sollte man sich - selbst bei einem negativen Testergebnis - für 5 Tage in Quarantäne begeben. Denn der Test kann auch dann negativ ausfallen, wenn jemand schon infiziert ist. Grund ist die lange Inkubationszeit des Coronavirus.

Auch wenn kein Test vorgenommen wurde, man aber hustet, gilt algemein: AHA + L! Abstand - Hygiene - Alltagsmaske - lüften. Wer jetzt noch die Corona-Warn-App auf sein Smartphone installiert und auch aktualisiert, leistet der Gemeinschaft einen wertvollen Dienst.

Vermeiden Sie enge Kontakte, damit Sie niemanden anstecken, auch nicht mit einer Erkältung oder einer Grippe. Jeder gesunde Mensch zählt!

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. November 2010 | 17:15 Uhr

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