Erkennen und behandeln Das müssen Sie über Legionellen wissen

BRISANT | 30.10.2019 | 17:15 Uhr

Nach zwei Todesfällen in einem Altenheim der Arbeiterwohlfahrt Ostwestfalen-Lippe ist in derselben Einrichtung erneut ein Bewohner an einem Legionellenbefall erkrankt. Was es damit auf sich hat, erfahren sie hier.

Illustration von stabförmigen Bakterien auf Haut oder Schleimhaut
Legionellen als Illustration Bildrechte: imago images / Science Photo Library

Was sind Legionellen?

Legionellen sind Bakterien, die die Infektionskrankheit "Legionellose" hervorrufen können. Eine Legionellose kann in unterschiedlichen Formen auftreten. Am bekanntesten ist die schwere Lungenentzündung mit grippalen Symptomen. Forschern sind etwa 57 Arten des Erregers bekannt. Die Legionella pneumophila ist für den Menschen am bedrohlichsten.

Wo kommen Legionellen vor?

Legionellen sind weit verbreitet, ihr natürlicher Lebensraum sind Frischwasserbiotope. Hier sind sie in geringer Zahl Bestandteil von Oberflächengewässern und Grundwasser.

Legionellen können aber auch künstliche Wassersysteme besiedeln. Besonders gut vermehren sich die Bakterien in warmem Wasser bei Temperaturen zwischen etwa 20 und 45 Grad Celsius – vor allem, wenn das Wasser über längere Zeit steht. Bei Temperaturen ab 60 Grad Celsius sterben die Legionellen ab. Für eine sichere Abtötung sind mindestens 73 Grad Celsius nötig.

Große Warmwassersysteme mit ausgedehnten Rohrleitungssystemen, Klimaanlagen und Whirlpools sind besonders anfällig für eine Besiedlung mit Legionellen. Aus diesem Grund müssen Krankenhäuser, große Mehrfamilienhäuser, Heime oder Hotels besonders gut auf die Wartung ihrer Anlagen achten.

Ein Duschkopf in einer Dusche.
Ein Duschkopf in einer Dusche. (Archiv) Bildrechte: Colourbox.de

Wie kann man sich mit Legionellen infizieren?

Legionellen können in fein aufgestäubtem Wasser in die Luft gelangen und von da in die Lunge. Das kann zum Beispiel beim Duschen passieren, wenn der feine Sprühnebel eingeatmet wird. Aber auch ein laufender Wasserhahn, Whirlpools, Klimaanlagen oder Luftbefeuchter können unter ungünstigen Bedingungen zur Infektionsquelle werden.

Mögliche Infektionsquellen

  • Wasserinstallationen am Haus (bei Anstieg der Wassertemperatur über 25 Grad Celsius wegen möglicher mangelnder Isolierung, bei längerer Stagnation von Restwasser in den Rohren)
  • Klimaanlagen
  • Schwimmbäder (z.B. Whirlpools)
  • Sonstige technische Geräte (z.B. Luftbefeuchter, Inhalatoren, Mundhygiene-Geräte etc.)
  • Autowaschanlagen
  • Springbrunnen
  • Feuchte Gartenerde, Kompost

Heißes Wasser sprudelt aus Duschkopf
Heißes Wasser sprudelt aus Duschkopf. (Archiv) Bildrechte: imago/AFLO

Welche Erkrankungen können Legionellen auslösen?

Legionellen können das Pontiac-Fieber auslösen. Bei dieser Infektion können grippeähnliche Symptome, wie Husten, Fieber, Kopf-und Gliederschmerzen auftreten. Sie zählt zu den leichteren Infektionen.

In einigen Fällen kann aber eine gefährliche Lungenentzündung, Legionellen-Pneumonie oder auch Legionärskrankheit genannt, entstehen. Häufige Symptome können Unwohlsein, schweres Krankheitsgefühl, hohes Fieber, Schüttelfrost, Atemnot, schneller Puls, Reizhusten und Brustschmerzen sein. Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen können ebenfalls vorkommen. Bei zu später oder falscher Behandlung kann die Legionärskrankheit tödlich verlaufen.

Besonders ältere Menschen oder chronisch Kranke mit einem geschwächten Abwehrsystem sind anfällig für die Bakterien. Um die Diagnose zu sichern, müssen die Erreger im Körper nachgewiesen werden. Am schnellsten gelingt das anhand einer Urinprobe, denn schon ca. 24 Stunden nach Krankheitsausbruch sind Bestandteile der Legionellen im Harn feststellbar. Allerdings können so nur einige Legionellen-Arten bestimmt werden. Im Zweifel kann der Arzt im Rahmen einer Lungenspiegelung Proben aus den Atemwegen entnehmen, um die Diagnose zu sichern.

Wie wird eine Legionellose behandelt?

Leichte Beschwerden, wie das Pontiac-Fieber, heilen meist von selbst, auf Antibiotika kann dann verzichtet werden.

Bei dem schwereren Verlauf der Legionärskrankheit ist es lebenswichtig, umgehend mit einer geeigneten Therapie zu beginnen. Es werden dazu Antibiotika eingesetzt, die das Bakterienwachstum hemmen oder die Keime direkt abtöten.

>>> Mehr Informationen zum Thema Legionellen gibt es hier beim Robert-Koch-Institut. <<<

Quellen: red/rki/dpa/mdr exakt

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 30. Oktober 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2019, 18:17 Uhr

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