Demenz-Erkrankungen Das schleichende Vergessen - Alzheimer erkennen und behandeln

Der Welt-Alzheimer-Tag (21.09.) soll für die weltweit häufigste Form der Demenz sensibilisieren. Alzheimer-Patienten erleiden nach und nach einen Verlust ihres Gedächtnisses und ihres Urteilsvermögens. Wie ist der Stand der Forschung? Lässt sich die Erkrankung stoppen bzw. heilen?

ein alter Mann sitzt auf dem Sofa
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Nicht zuletzt wegen der alternden Bevölkerung in vielen Ländern haben sich Demenzerkrankungen zu einer großen Herausforderung für die Gesellschaft und auch das Gesundheitssystem entwickelt. Alzheimer wird intensiv erforscht, viele Fragen sind aber noch unbeantwortet. Ein Überblick:

Alzheimer gleich Demenz?

Demenz beschreibt den Zustand von geistigem Abbau und den Verlust von zuvor beherrschten Fähigkeiten.  Es ist der Oberbegriff für mehr als 50 Krankheitsformen. Sie verlaufen unterschiedlich und/oder haben unterschiedliche Ursachen. Sie alle führen aber zum Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit. Es ist daher falsch, Alzheimer und Demenz als Synonym zu verwenden. Alzheimer ist eine von vielen Demenzerkrankungen, die allerdings am häufigsten auftritt.

Wie sehen die Symptome aus?

Alzheimer führt zum Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Sprache, Urteilsfähigkeit und Orientierung sowie zum Absterben oder einer starken Schädigung von Gehirnzellen. Alzheimer beginnt mit Vergesslichkeit und mangelndem Antrieb. Gewohnte Handlungen werden immer schwieriger: Der Patient vergisst häufiger Worte, findet sich nicht mehr zurecht und kann sich nicht mehr erinnern.

Irgendwann sind selbst einfache Handgriffe wie das Öffnen und Schließen von Knöpfen unmöglich. Im fortgeschrittenen Stadium erkennt der Patient seine eigenen Angehörigen nicht mehr. Viele Betroffene werden misstrauisch, aggressiv oder depressiv.

Wie viele Betroffene gibt es?

Weltweit leiden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mindestens etwa 30 Millionen Menschen an Alzheimer. Eine genaue Bezifferung der Fallzahlen scheitert daran, dass Alzheimer schwer von anderen, etwa durch Gefäßverkalkungen verursachten Formen der Demenz zu unterscheiden ist und es außerdem Mischformen verschiedener Demenzerkrankungen gibt. In Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft rund 1,6 Millionen Menschen an Demenzerkrankungen, etwa 60 Prozent von ihnen haben Alzheimer.

Was steckt hinter der Erkrankung?

Ausgelöst wird Alzheimer durch fehlgeleitete Stoffwechselvorgänge, die die Nervenzellen schädigen. Die für Gedächtnis und Aufmerksamkeit wichtigen Botenstoffe im Gehirn können dann nicht mehr gebildet werden.

Hinter der Krankheit stecken gleich zwei zerstörerische Mechanismen. Zum einen bilden sich Anhäufungen von Proteinen, sogenannte Amyloide, die auf Nervenzellen drücken und sie schließlich zerstören. Zum anderen verklumpen bei Alzheimer-Patienten sogenannte Tau-Proteine und verursachen so das Absterben der betroffenen Zellen. Wie diese beiden Mechanismen zusammenhängen und was sie auslöst, ist noch weitgehend unklar.

Welche Risikofaktoren sind bekannt?

Die Krankheit kann bereits vor dem 50. Lebensjahr auftreten, ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter aber erheblich zu. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Derzeit sind etwa ein Dutzend Risikofaktoren für alle Demenzerkrankungen bekannt. Die häufigsten sind Gehörlosigkeit, Tabakkonsum, Depressionen und soziale Isolation.

Als Faktoren, die das Erkrankungsrisiko verringern können, gelten unter anderem geistige, körperliche und soziale Aktivität wie möglichst lange Berufstätigkeit oder das Tanzen. Empfohlen wird auch eine ausgewogene, möglichst fett- und cholesterinarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse.

Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten?

Trotz jahrzehntelanger Forschung ist eine Heilung von Alzheimer noch nicht möglich. Der größte Fortschritt der vergangenen 20 Jahre war eine vom US-Biotechnologiekonzern Biogen entwickelte Therapie, die auf die Amyloid-Proteine abzielt. Sie wurde dieses Jahr von den US-Behörden für bestimmte Alzheimer-Patienten zugelassen. Die Therapie-Erfolge sind allerdings begrenzt.

Generell gilt: Je früher Demenz- und Alzheimer-Patienten mit speziellen medikamentösen Therapien und begleitenden Maßnahmen beginnen, desto länger kann der geistige Verfall verzögert werden.

Medikamentöse Behandlung

Mit Medikamenten lassen sich insbesondere im frühen und mittleren Stadium der Erkrankung Symptome lindern und der Krankheitsverlauf hinauszögern. Häufig verschreiben Ärztinnen und Ärzte Mittel gegen Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie gegen Depressionen.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Zu den nicht-medikamentösen Maßnahmen zählen kognitives Training, Ergo- und Musiktherapie, teils auch Verhaltenstherapie. Ziel der Therapien ist es, den Betroffenen ein langes eigenständiges und selbständiges Leben zu ermöglichen. Außerdem trägt diese Form der Therapie dazu bei, dass die Patienten durch positive Erfahrungen und Erlebnisse zufriedener werden.

Interessieren Sie sich für eine persönliche Beratung, kann die Deutsche Alzheimer Gesellschaft eine erste Anlaufstelle sein. Dort gibt es bundesweite Hilfe per Telefon und auch ein Adressverzeichnis von Anlaufstellen in Ihrer Nähe.

(BRISANT/afp/dpa)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 21. September 2021 | 17:15 Uhr

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