Woche der Demenz Das schleichende Vergessen - Demenz und Alzheimer erkennen und behandeln

In der "Woche der Demenz" soll der Welt-Alzheimer-Tag (21.09.) für die weltweit am häufigsten auftrende Form von Demenz sensibilisieren. Alzheimer-Patienten erleiden nach und nach einen Verlust ihres Gedächtnisses und ihres Urteilsvermögens. Wie viele Menschen sind davon betroffen? Wie ist der Stand der Forschung? Und lässt sich die Erkrankung stoppen bzw. heilen?

 Symbolbild zum Thema Demenz Demenz
In der "Woche der Demenz" soll für eine Krankheit sensibilisiert werden, von der allein in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen betroffen sind. Bildrechte: imago images/Martin Wagner

Eine Demenzerkrankung bringt viele Herausforderungen mit sich - nicht nur für die Betroffenen, sondern vor allem auch für ihre Angehörigen. Trotz immer wieder aufflackernder Hoffnungsmeldungen und intensiver Forschung gibt es bislang keine wirksamen Therapien dagegen.

Aktuell sind 1,8 Millionen Menschen in Deutschland von der Krankheit betroffen. Bis zum Jahr 2050 könnten es sogar 2,8 Millionen werden. Dazu kommen Millionen Angehörige. Was ist bislang über Demenz und Alzheimer bekannt?

Tochter und Mutter schauen besorgt
Nicht nur für Betroffene, auch für ihre Angehörigen ist Demenz ein echtes Problem. Bildrechte: IMAGO/YAY Images

Alzheimer gleich Demenz?

Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Krankheiten. Sie zählen zu den häufigsten Erkrankungen im höheren Lebensalter. Betroffene leiden unter einem andauernden oder fortschreitenden Verlust von Fähigkeiten des Gedächtnisses, des Denkens und/oder anderer Leistungsbereiche des Gehirns. Oft kommt es auch zu Veränderungen des Verhaltens.

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz: Rund 60 Prozent aller Demenzen werden durch sie hervorgerufen. Die Alzheimer-Krankheit ist benannt nach dem Psychiater Alois Alzheimer, der 1906 erstmals die für die Erkrankung typischen Ablagerungen im Gehirngewebe beschrieb.

Wie sehen die Symptome aus?

Alzheimer führt zum Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Sprache, Urteilsfähigkeit und Orientierung sowie zum Absterben oder einer starken Schädigung von Gehirnzellen. Alzheimer beginnt mit Vergesslichkeit und mangelndem Antrieb. Gewohnte Handlungen werden immer schwieriger: Der Patient vergisst häufiger Worte, findet sich nicht mehr zurecht und kann sich nicht mehr erinnern.

Irgendwann sind selbst einfache Handgriffe wie das Öffnen und Schließen von Knöpfen unmöglich. Im fortgeschrittenen Stadium erkennt der Patient seine eigenen Angehörigen nicht mehr. Viele Betroffene werden misstrauisch, aggressiv oder depressiv.

Wie viele Betroffene gibt es?

In Deutschland leben zurzeit etwa 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Experten schätzen, dass 2050 bundesweit rund drei Millionen Menschen betroffen sein könnten. Weltweit haben etwa 55 Millionen Menschen eine Demenzerkrankung, zwei Drittel davon in Entwicklungsländern.

Bis 2050 wird die Zahl voraussichtlich auf 139 Millionen steigen, besonders dramatisch in China, Indien, Südamerika und den afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Was steckt hinter der Erkrankung?

Ausgelöst wird Alzheimer durch fehlgeleitete Stoffwechselvorgänge, die die Nervenzellen schädigen. Die für Gedächtnis und Aufmerksamkeit wichtigen Botenstoffe im Gehirn können dann nicht mehr gebildet werden.

Hinter der Krankheit stecken gleich zwei zerstörerische Mechanismen. Zum einen bilden sich Anhäufungen von Proteinen, sogenannte Amyloide, die auf Nervenzellen drücken und sie schließlich zerstören. Zum anderen verklumpen bei Alzheimer-Patienten sogenannte Tau-Proteine und verursachen so das Absterben der betroffenen Zellen. Wie diese beiden Mechanismen zusammenhängen und was sie auslöst, ist noch weitgehend unklar.

Der Krankheit vorbeugen: Welche Risikofaktoren sind bekannt?

Nur etwa ein Prozent der Demenzerkrankungen sind erblich bedingt. Das größte Risiko ist das Alter. Nach dem 65. Lebensjahr verdoppeln sich Erkrankungen alle fünf Jahre. Aber auch der Lebensstil ist von Bedeutung: Übergewicht, Bluthochdruck oder Entzündungen spielen eine Rolle. Regelmäßiger Sport im mittleren Lebensalter senkt das Demenzrisiko, viel psychischer Stress erhöht es. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Als Faktoren, die das Erkrankungsrisiko verringern können, gelten unter anderem geistige, körperliche und soziale Aktivität wie möglichst lange Berufstätigkeit oder das Tanzen. Empfohlen wird auch eine ausgewogene, möglichst fett- und cholesterinarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse.

Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten?

Bislang ist Demenz nicht heilbar. Ein Wundermittel ist nicht in Sicht; bisherige Medikamententests verliefen enttäuschend. Therapien erwarten Experten erst in Jahrzehnten. Vorher könnte es bessere Diagnose- und Früherkennungsverfahren sowie Medikamente geben, die das Fortschreiten verlangsamen. Hoffnung macht, dass das prozentuale Risiko, an einer Demenz zu erkranken, zumindest in den westlichen Ländern zurückgeht. Offenbar spielt der Lebenswandel eine wichtige Rolle.

Generell gilt: Je früher Demenz- und Alzheimer-Patienten mit speziellen medikamentösen Therapien und begleitenden Maßnahmen beginnen, desto länger kann der geistige Verfall verzögert werden.

Medikamentöse Behandlung

Mit Medikamenten lassen sich insbesondere im frühen und mittleren Stadium der Erkrankung Symptome lindern und der Krankheitsverlauf hinauszögern. Häufig verschreiben Ärztinnen und Ärzte Mittel gegen Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie gegen Depressionen.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Zu den nicht-medikamentösen Maßnahmen zählen kognitives Training, Ergo- und Musiktherapie, teils auch Verhaltenstherapie. Ziel der Therapien ist es, den Betroffenen ein langes eigenständiges und selbständiges Leben zu ermöglichen. Außerdem trägt diese Form der Therapie dazu bei, dass die Patienten durch positive Erfahrungen und Erlebnisse zufriedener werden.

Menschen in einem Altersheim malen Bilder
Maltherapie für Demenzkranke. Bildrechte: IMAGO/ZUMA Wire

Welche Tipps gibt es für den Umgang mit Demenzkranken?

Demenzerkrankungen verlaufen unterschiedlich, und ebenso unterschiedlich sind die Bedürfnisse der Betroffenen. Menschliche Zuwendung, Aktivierung und Beschäftigung, ein angemessener Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten sowie eine demenzgerechte Gestaltung der Umwelt sind von besonderer Bedeutung.

Die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft rät Angehörigen dazu, die Krankheit anzunehmen, anstatt sie zu verleugnen. Sie sollten den Kranken nicht auf seine Fehler hinweisen, ihn nicht kritisieren oder überfordern. Die Kranken sollten in Alltagstätigkeiten, die ihnen Spaß machen, einbezogen werden. Außerdem sollten die äußeren Lebensbedingungen angepasst werden, zum Beispiel die Sicherung von Gas- und Elektrogeräten, Nachtbeleuchtung, zweckmäßige Kleidung, Armband oder Zettel mit Name und Adresse, wenn der Kranke dazu neigt die Wohnung zu verlassen.

Interessieren Sie sich für eine persönliche Beratung, kann die Deutsche Alzheimer Gesellschaft eine erste Anlaufstelle sein. Dort gibt es bundesweite Hilfe per Telefon und auch ein Adressverzeichnis von Anlaufstellen in Ihrer Nähe.

BRISANT/KNA

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 21. September 2022 | 17:15 Uhr

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