Wege aus dem Tunnel Wie umgehen mit dem Tabuthema Suizid?

BRISANT | 23.09.2019 | 17:15 Uhr

Jährlich begehen in Deutschland mehr als 10.000 Menschen Suizid - das sind doppelt so viele Todesopfer wie im Straßenverkehr. Aber Prävention ist möglich, es gibt Auswege aus dem Tunnel.

Eine Frau sitz zusammengekauert auf dem Boden
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In Deutschland verlieren jedes Jahr fast 10.000 Menschen durch Suizid ihr Leben. Das sind mehr Menschen, als im Verkehr, durch Drogen und durch AIDS zusammen zu Tode kommen. Die Zahl der Suizidversuche ist Experten zufolge sogar bis zu 20 mal so hoch. Doch wie kommt es dazu, dass Menschen derart verzweifeln?  Dass sie die Lust auf das Leben verlieren? Keinen Ausweg mehr sehen? Alle Hoffnung verloren haben?

Depressionen als Tabu

Die Mehrheit der Menschen, die durch Suizid versterben, hat an einer psychiatrischen Erkrankung gelitten, am häufigsten an einer Depression. Diese Krankheit ist viel weiter verbreitet, als in der Gesellschaft angenommen. Doch viele Menschen schämen sich für ihre Emotionen, fühlen sich schwach, unvollkommen, Herausforderungen nicht gewachsen. Die Themen Suizid und Depressionen gehören auch im 21. Jahrhundert noch zu den Tabus. Sie passen nicht in das Weltbild einer schönen optimierten Welt. Dabei sind viele Tausend Menschen betroffen und die Psychologen ausgebucht.

Was Angehörige und Freunde tun können

  • Ziehen Sie einen Arzt zu Rate
  • Bleiben Sie geduldig
  • Seien Sie zurückhaltend mit gut gemeinten Ratschlägen
  • Treffen Sie keine wichtigen Entscheidungen

Warum werden Menschen krank?

Doch warum werden Menschen psychisch krank und bekommen Depressionen? Oft sind die "Schicksalsschläge" wie Verlust, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Konflikte oder Trennungen ausschlaggebend. Eine große Rolle spielen aber auch Vorbelastung und Herkunft. Es gibt beispielsweise Regionen, in denen die Zahl der Depressionen und Suizide historisch viel höher ist als woanders. Dazu gehören beispielsweise Ungarn und auch das Bundesland Sachsen.

Jugendliche und alte Menschen besonders gefährdet

Besonders gefährdet von einem möglichen Suizid sind Jugendliche und alte Menschen. Sie sind in Lebensphasen, die sie vor schwere Herausforderungen stellen. Insbesondere ältere Männer und junge Frauen haben ein erhöhtes Risiko. Auch wenn die Suizidzahlen seit den 1990er-Jahren insgesamt abgenommen haben, fordern Ärzte weiter "eine dringend notwendige" Suizidprävention. Es handle sich bei der Entscheidung für Suizid nicht um eine freie Entscheidung, sondern um die Folge einer Krankheit, den Ausweg aus einer Qual.

Stichwort: Welt-Suizid-Präventionstag Seit 2003 macht die WHO am 10. September darauf aufmerksam, dass Suizid zu den häufigsten Todesarten zählt: Etwa 800.000 Menschen weltweit nehmen sich jährlich das Leben. Das heißt: Alle 40 Sekunden stirbt auf der Welt ein Mensch durch Selbstmord. In Deutschland waren es 2017 mehr als 25 pro Tag.

Wichtige Adressen

  • Telefonseelsorge: Tel. 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222 (kostenfrei), online mit Chat- und Mailberatung

  • Bundesweite Beratungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche (überwiegend Deutscher Kinderschutzbund): Tel. 0800 - 111 03 33

Quelle: red/Deutsche Depressionshilfe

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. September 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2019, 18:19 Uhr

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