Testen Sie sich! Lockdown-Koller: "Nur" schlechte Laune oder eine Depression?

Der erneute Lockdown zehrt an den Nerven: Das, was für Ablenkung sorgen könnte, ist geschlossen, soziale Kontakte sind kaum möglich, dazu Angst und (wirtschaftliche) Ungewissheit, wie es weitergeht. Hält das über Tage oder gar Wochen an, ist die Laune schnell im Keller. Oder sind das bereits die ersten Anzeichen einer Depression? Woran erkennt man die Unterschiede? Testen Sie sich!

Teenager sitzt in einem abgedunkelten Raum
Homeoffice und Ausgangsbeschränkungen zehren an den Nerven der Menschen. Was ist der ganz "normale" Stubenkoller - und ab wann hat man es mit einer Depression zu tun? Bildrechte: colourbox

Die Corona-Krise und der erneute Lockdown zehren an den Nerven: Das, was uns ablenkt und zerstreut ist geschlossen oder abgesagt, die sozialen Kontakte sind stark beschränkt. Dazu gesellen sich Angst und (wirtschaftliche) Ungewissheit, wie es weitergeht.

Auch das sogenannte Homeoffice macht vielen Menschen zu schaffen. In den eigenen vier Wänden die volle Leistung zu bringen und trotzdem seinen Alltag zu strukturieren ist nicht einfach. Andere würden genau das gerne tun: arbeiten - und bangen unterdessen in Kurzarbeit um ihren Job. Kein Wunder, wenn einem das aufs Gemüt schlägt.

Schlechte Laune, Verstimmung oder Depression? Machen Sie den Selbst-Test!

Nicht nur in Corona-Zeiten ist das Leben ein Wechselspiel von guten und schlechten Tagen. Dass man auf belastende Ereignisse und Probleme traurig oder niedergeschlagen reagiert, ist völlig normal. Denn dunkle Stimmungen gehören zu unserer emotionalen Grundausstattung.

Halten diese Gefühle jedoch über einen längeren Zeitraum an, ist Vorsicht geboten. Denn aus einer depressiven Verstimmung kann sich eine echte Depression entwickeln - und damit ist nicht zu spaßen.

Erste Orientierung, ob man sich ärztlichen Rat suchen sollte, bietet der "Selbsttest Depression" der AOK. Ein Arztbesuch wird dadurch nicht ersetzt. Doch wer versucht, die neun gestellten Fragen möglichst ehrlich und objektiv zu beantworten, kann vielleicht schon nach wenigen Klicks aufatmen.

Selbstest Depression - Was trifft auf Sie zu?
Wie oft fühlten Sie sich im Verlauf der letzten 2 Wochen durch die folgenden Beschwerden beeinträchtigt? Überhaupt nicht An einzelnen Tagen An mehr als der Hälfte der Tage Beinahe jeden Tag
Antriebsmangel 0 1 2 3
Niedergeschlagenheit, Schwermut oder Hoffnungslosigkeit 0 1 2 3
Schlafstörungen oder vermehrter Schlaf 0 1 2 3
Müdigkeit oder Erschöpfung 0 1 2 3
Appetitlosigkeit oder übermäßiges Essbedürfnis 0 1 2 3
geringes Selbstwertgefühl, Selbstkritik und Schuldgefühle 0 1 2 3
Schwierigkeiten, sich auf etwas zu konzentrieren 0 1 2 3
Lethargie, Ruhelosigkeit oder stärkerer Bewegungsdrang 0 1 2 3
Gedanken, dass Sie lieber tot wären oder sich Leid zufügen möchten 0 1 2 3

Auswertung des Selbst-Tests

Wo würden Sie Ihr Kreuzchen setzen? Zählen Sie die Punkte zusammen! Sollten Sie auf insgesamt 10 oder mehr Punkte kommen, ist ein Arztbesuch durchaus ratsam.

weniger als 5 Punkte: gesund
weniger als 10 Punkte: unauffällig
10-14 Punkte: "leichtgradige" Depression
15-19 Punkte: "mittelgradige" Depression
20-27 Punkte: "schwergradige" Depression

Was sind die Symptome einer Depression?

Eine Depression von einer depressiven Verstimmung zu unterscheiden, ist nicht einfach. Allerdings gibt es sowohl körperliche als auch seelische Begleitsymptome, die auch Ärzte für die Diagnose einer Depression heranziehen.

Körperliche Begleiterscheinungen einer Depression sind ...

  • in erster Linie Antriebsmangel, bleierne Müdigkeit und Erschöpfung.
  • innere Unruhe, Bewegungsdrang oder starke Verlangsamung.
  • Appetitlosigkeit oder übermäßiges Essbedürfnis.
  • chronische Kopf- und Rückenschmerzen.
  • Schlafstörungen.
  • Beschwerden, für die keine körperlichen Ursachen gefunden werden können (z.B. Schwindel, Atemnot).

Seelische bzw. geistige Begleiterscheinungen einer Depression sind ...

  • in erster Linie niedergeschlagene Stimmung, das Gefühl, dass alles zuviel wird, Reizbarkeit und Aggression.
  • ebenfalls häufig ein mangelndes Interesse und eine Freudlosigkeit an Dingen, die man früher gern gemacht hat.
  • ein geringes Selbstwertgefühl, Selbstkritik und Schuldgefühle.
  • Konzentrations- und Entscheidungsprobleme und ein Hang zum Grübeln.
  • übersteigerte Ängste und Angstzustände.
  • Gefühllosigkeit und innere Leere.
  • tiefe Verzweiflung, Selbstmordgedanken oder Selbstverletzungen.

Eine junge Frau mit Händen in den Haaren.
Auf die leichte Schulter sollte man die Warnsignale seines Körpers nicht nehmen. Bildrechte: PantherMedia / Viktor Cap

Doch selbst, wenn man einige der Symptome bei sich feststellt, heißt das noch lange nicht, dass man an einer Depression erkrankt ist. Vorsicht ist auf jeden Fall geboten, wenn vier der beschriebenen Symptome, darunter zwei Hauptsymptome wie Antriebsmangel, Interesselosigkeit oder Niedergeschlagenheit, über mehrere Wochen dauerhaft bestehen. Dann sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt zu Rate ziehen.

Was ist eine depressive Verstimmung?

Den Symptomen einer Depression sehr ähnlich sind vorübergehende depressive Verstimmungen. Doch solange Selbstwertgefühl und Lebensfreude grundsätzlich noch vorhanden sind, ist alles im grünen Bereich. Auslöser sind meist belastende Ereignisse, die einen kurzzeitig aus der Bahn werfen - so wie jetzt die Corona-Krise und der erneute Lockdown.

Auf die leichte Schulter nehmen sollte man die Warnsignale des Körpers nicht. Suchen Sie Ausgleich durch körperliche Bewegung und Entspannungsübungen - und ziehen Sie gegebenenfalls einen Arzt zu Rate.

Wann spricht man von einer Anpassungsstörung?

Irgendwo zwischen depressiver Verstimmung und Depression sind die sogenannten Anpassungsstörungen einzuordnen. Auch ihnen geht als Auslöser meist eine Belastungssituation voraus. Betroffenen fällt es schwer, sich an eine neue, belastende Lebenssituation anzupassen. Das können eine Trennung, ein Todesfall oder auch ein Wohnortwechsel sein. Geist und Körper reagieren mit depressiven Verstimmungen, Angstzuständen und Erschöpfung. Meist ist dieser Zustand in wenigen Wochen oder Monaten überwunden und muss nicht zwingend behandelt werden.

Hier finden Sie Hilfe!

Zahlreiche Vereine, Stiftungen, Hilfehotlines und -webseiten, die bei Depressionen weiterhelfen können. Auch der Hausarzt kann ein erster Ansprechpartner sein.

Quelle: aok-erleben.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 10. November 2020 | 17:15 Uhr

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