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Diabetiker müssen regelmäßig den Blutzuckerspiegel messen. Bildrechte: imago images / Jochen Tack

Fragen und AntwortenDiabetes mellitus - "Zuckerkrankheit" erkennen und behandeln

Stand: 25. November 2022, 11:27 Uhr

Weltweit sind rund 460 Millionen Menschen "zuckerkrank", Diabetes mellitus ist eine Volkskrankheit. Allein in Deutschland sind mehr als acht Millionen betroffen. Doch längst nicht alle wissen davon. Hier gibt es die wichtigsten Fragen und Antworten zur Krankheit.

In Deutschland gibt es kein bundesweites Diabetes-Register, die Zahlen der Erkrankten basieren auf Schätzungen zahlreicher Studien und Datenerhebungen der Krankenversicherungen. Bei 82 Millionen Einwohnern und einem dokumentierten Typ2-Diabetes bei mehr als 8 Millionen Menschen ergibt sich: Jeder Zehnte hat Diabetes!

Was ist Diabetes?

Diabetes mellitus (lateinisch "honigsüßer Durchfluss") ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Ärzte unterscheiden zwischen Diabetes Typ-1 und Diabetes Typ-2.

Typ-2-Diabetes, auch Altersdiabetes genannt, ist mit ca. 90 Prozent die häufigste Form der Krankheit. Dabei reagieren die Körperzellen zunehmend unempfindlich auf das körpereigene Hormon Insulin.

Was macht Insulin?Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und wichtig für den Stoffwechsel im Körper. Es schleust Glukose (Zuckerform) aus dem Blut in die Zellen und reguliert dadurch den Blutzuckerspiegel.

Werden die Zellen unempfindlich gegen Insulin, braucht der Körper immer mehr davon, bis es von außen zugeführt werden muss. Insulin ist durch nichts anderes zu ersetzen.

Typ-1-Diabetes tritt meist schon im Kinder- und Jugendalter auf und ist eine Autoimmunkrankheit. Der Körper zerstört Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin herstellen. Es kommt zu einem permanenten Insulinmangel. Typ-1 ist nicht heilbar.

Wie entstehen Diabetes Typ-2 und Typ-1?

Die genauen Ursachen für Typ-1-Diabetes sind noch unklar. Einige Gene stehen erwiesenermaßen mit der Entstehung in Verbindung. Fest steht: Beginnt der Körper mit der Zerstörung der Insulinproduzierenden Zellen, kommt es oft innerhalb kürzester Zeit zum Ausbleiben der Insulinproduktion.

Weshalb bei Typ-2-Diabetes die Insulinresistenz im Körper entsteht, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Als wichtigste Ursachen haben Forscher bisher eine erbliche Veranlagung, Rauchen, falsche Ernährung und Bewegungsmangel identifiziert.

Ein Blutzuckertestgerät mit einem Teststreifen Bildrechte: IMAGO

Symptome - Wie lässt sich Diabetes erkennen?

Typ-1-Diabetes verursacht erst Beschwerden, wenn die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse schon stark eingeschränkt ist. Typ-2-Diabetes verläuft anfangs meist symptomfrei, da sich die Erkrankung über einen langen Zeitraum entwickelt und der Stoffwechsel deshalb nur langsam aus der Bahn gerät. Achtung: Nur etwa 30 bis 50 Prozent der Typ-2-Diabetiker entwickeln überhaupt typische Symptome. Doch wenn sie auftreten, sind sie bei beiden Krankheitsformen gleich:

  • Häufiges Wasserlassen: Der Körper versucht, den vermehrt im Blut vorhandenen Zucker über den Urin auszuscheiden. Der verstärkte Harndrang ist deshalb oft das erste Anzeichen eines Diabetes.
  • Starker Durst: Durch den verstärkten Harndrang kommt es zu einem Wassermangel im Körper und der Betroffene hat größeren Durst als normal.
  • Müdigkeit, Schwäche, Schwindel
  • Gewichtsverlust: Dieser tritt nicht in allen Fällen auf. Es kommt zur Gewichtsabnahme durch den Flüssigkeitsverlust infolge verstärkten Harndrangs und - besonders bei Typ-1-Diabetes - durch den Rückgriff des Körpers auf Fett-Depots, wenn er seinen Energiebedarf wegen der schlechten Blutzuckerverwertung nicht mehr decken kann.
  • Trockene, juckende Haut: Sie kann ein erstes Anzeichen für Diabetes sein und tritt auf, weil der Körper Flüssigkeit verliert.
  • Schlechte Wundheilung: Diese liegt darin begründet, dass bei Diabetes oft das Immunsystem geschwächt und die Haut schlechter durchblutet ist.
  • Erhöhte Infektionsanfälligkeit: Bei Diabetikern ist die Anfälligkeit für Harnwegsinfektionen, Fußpilz, andere Infektionen der Haut und Parodontitis besonders erhöht.
  • Azetongeruch des Atems: Dieser macht sich ausschließlich bei Typ-1-Diabetikern im Atem bemerkbar und entsteht beim Fettzellenabbau des Körpers.

Wann muss man zum Arzt?

Spätestens wenn ein Symptom oder mehrere Symptome auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Ist die Diagnose getroffen, untersucht der Arzt Urin, Blutdruck, Augen, Nerven und Füße. Außerdem werden Blutfett- und Nierenwerte genommen.

Oft wird Diabetes erst festgestellt, wenn Patienten mit Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche, Netzhautschäden, Nervenstörungen und dem sogenannten diabetischen Fuß in die Praxis kommen.

Wie wird Diabetes behandelt?

Die Diagnose Diabetes bedeutet immer eine Umstellung im Leben der Betroffenen.

Typ-1-Diabetiker müssen ein Leben lang Insulin spritzen. Das geschieht mit einem füllfederhalterähnlichen Injektionsgerät, genannt Pen. Einige Betroffene tragen eine Insulinpumpe am Körper, die laufend kleine Mengen Insulin ins Blut abgibt.

Eine typische Insulinspritze. Bildrechte: imago/teutopress

Der Großteil der Typ-1-Diabetiker geht nach dem Schema der intensivierten Insulintherapie (ICT) vor. Dabei spritzt man sich ein- bis zweimal täglich langwirkendes Insulin und zusätzlich zu den Mahlzeiten jeweils eine Dosis schnelles Insulin. Den Kohlenhydratgehalt ihrer Mahlzeiten müssen die Betroffenen gut abschätzen, denn davon hängt die Menge des benötigten Insulins ab. Eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels ist unerlässlich, um eine akute Unter- oder Überzuckerung zu vermeiden.

Typ-2-Diabetikern helfen oft schon eine Ernährungsumstellung und viel Bewegung, so dass der Körperfettanteil sinkt. Das verbessert den Stoffwechsel und lindert die Symptome. Außerdem besteht dann die Chance, große Mengen an Medikamenten zu vermeiden und die Insulinresistenz sogar wieder umzukehren.

Lässt sich der Diabetes auf diesem Wege nicht in den Griff bekommen, verschreibt der Arzt Blutzuckersenker. Bei längerer Erkrankungsdauer können auch Typ-2-Diabetiker werden und müssen sich dann spritzen.

(BRISANT/Bundesgesundheitsministerium/Diabetesstiftung)

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Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | BRISANT Classix | 25. November 2022 | 18:10 Uhr