Warnzeichen Daran erkennen Sie, dass ihr Kind Drogen konsumiert

Viele Kinder probieren im Laufe ihres Erwachsenwerdens Drogen aus. Gefährlich wird es, wenn Alkohol, Ecstasy oder Legal Highs zum Alltag gehören. Für Eltern ist es schwierig, regelmäßigen Drogenkonsum bei ihren Kindern zu erkennen. Diese Signale sollten Sie ernstnehmen.

Frau raucht einen Joint
Aus einem Joint kann unter Umständen eine Sucht werden. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Kommt das Kind in die Pubertät, erkundet es die Welt auf eigene Faust - Grenzerfahrungen gehören oft dazu. Ein-, zweimal an einem Joint zu ziehen oder ein paar Flaschen Bier zu trinken, macht aus einem Jugendlichen noch keinen Junkie. Gefährlich wird es, wenn Drogen dauerhaft ins Spiel kommen. Dann kann aus Experimentierlust leicht eine Sucht werden.

Rund 500.000 Jugendliche in Deutschland zwischen 12 und 17 Jahren haben zumindest einmal in ihrem Leben eine illegale Droge konsumiert. 1.398 Menschen sind im Jahr 2019 daran gestorben.

Worauf Eltern achten sollen

Eltern erkennen nicht immer, ob das eigene Kind regelmäßig Marihuana raucht oder Designerdrogen konsumiert. Es gibt jedoch einige Signale, die auf eine (beginnende) Sucht hindeuten:

Das Kind verändert sein Wesen

Begleitet von starken Stimmungsschwankungen, die über das "normale" Pubertieren hinausgehen. Kinder werden - je nachdem, welche Drogen sie nehmen - entweder aggressiv und unruhig oder depressiv und ziehen sich komplett zurück. Unruhe oder Zittern können auf Entzugserscheinungen hindeuten.

Der Körper verändert sich

Ihr Kind sieht ungesund aus, hat ein fahles Gesicht, ist müde und erschöpft. Außerdem leidet es unter Schlafstörungen, Kreislaufproblemen und hat keinen Appetit. Achtung: All das könnte auch hormonelle Ursachen haben! Es müssen auch weitere Signale vorliegen.

Das Kind ändert sein Verhalten

Es kann sich nicht mehr konzentrieren, wirkt apathisch und unmotiviert. Darunter leiden die schulischen Leistungen oder es schwänzt die Schule.

Das Kind ändert seine Gewohnheiten

Plötzlich hat das Kind einen anderen Freundeskreis, an gemeinsamen Essen oder Aktivitäten mit der Familie hat es kein Interesse, ebenso an seinen ehemals geliebten Hobbys. Drogenbeschaffung steht jetzt im Vordergrund.

Das Kind hat finanzielle Probleme

Das Taschengeld reicht vorne und hinten nicht mehr, obwohl größere Anschaffungen nicht geplant oder zu sehen sind. Eltern fehlt plötzlich Geld aus der Brieftasche.

Drogen Dealer (Symbolbild)
Wenn sich der Lebensinhalt nur noch um Drogen dreht ... Bildrechte: Colourbox

Das sollten Eltern tun

Reagieren Sie nicht panisch, aufgeregt oder mit Hausarrest. Schaffen Sie ein gutes Vertrauensverhältnis zu Ihrem Kind, setzen Sie es keinesfalls unter Druck. Sprechen Sie die Veränderungen, die Sie beobachten, ganz konkret an, machen Sie ihm aber keine Vorwürfe. Sich auszuprobieren, gehört zum Erwachsenwerden dazu. Bieten Sie stattdessen Hilfe und eine gemeinsame Lösung.

Unterlassen Sie es, im Zimmer Ihres Kindes herumzuschnüffeln. Das geht nach hinten los!

Verbieten Sie nicht den Umgang mit den neuen Freunden, aber befragen Sie kritisch, ob wirklich jedes Wochenende Komasaufen angesagt sein muss. Unternehmen Sie stattdessen gemeinsam mit der Familie etwas.

Verharmlosen und vertuschen Sie den Drogenkonsum nicht! Schreiben Sie keine Entschuldigung für die Schule oder die Ausbildung, wenn das Kind einen "Kater" oder Entzugserscheinungen hat. Es muss da durch und Verantwortung für sich selbst übernehmen.

Suchen Sie eine Selbsthilfegruppe auf, wenn Sie alleine nicht weiterkommen. Dort haben viele andere Eltern genau dieselben Probleme. Verschiedene Vereine und Organisationen bieten Selbsthilfegruppen an, zum Beispiel der Kreuzbund, das Deutsche Rote Kreuz und die Drugcom.

Wenn das Kind bereits längere Zeit süchtig ist: Zwingen Sie es nicht in eine Therapie, das bringt gar nichts. Ihr Kind muss den Entzug WOLLEN.

Extasy-Pillen werden in zahllosen verschiedenen Formen und Farben angeboten. Gemeinsam ist ihnen die lebensgefährliche Wirkung.Allein in den letzten zwei Monaten haben Zollfahnder der Oberfinanzdirektion an Rhein und Ruhr sowie im niederrheinischen Grenzbereich zu Holland bei zwölf Aufgriffen insgesamt rund 20 000 Extasy-Tabletten sichergestellt.
Ecstasy-Pillen können lebensgefährlich sein. Bildrechte: dpa

Telefonische Beratung

  • Bundesweite Sucht- und Drogen-Hotline (24 Stunden): 01806 - 31 30 31
  • Die Telefonseelsorge bietet eine kostenlose und anonyme Beratung rund um die Uhr und kennt geeignete Beratungsstellen: 0800 -111 0 111 oder 0800 -111 0 222
  • Nummer gegen Kummer: Kinder und Jugendtelefon 116 111, Elterntelefon 0800 -111 0 550
  • Informationstelefon zur Suchtvorbeugung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): 0221 - 89 20 31
  • Sorgentelefon für Angehörige des Deutschen Roten Kreuzes: 06062 - 607 67 (Freitag bis Sonntag und an gesetzlichen Feiertagen von 8 - 22 Uhr)

Welche Arten von Drogen gibt es?

Es gibt vier Kategorien von Drogen: Tranquilizer/Psychopharmaka, Stimulanzien, Sedativa und Halluzinogene.

Psychopharmaka

sind Arzneistoffe, die angstlösende, beruhigende, entspannende, antriebshemmende, krampflösende, muskelentspannende oder schlaffördernde Wirkungen haben. Psychopharmaka sind u.a.:

  • Cannabis
  • Ritalin
  • Codein (in Opium enthalten)
  • Benzodiazephine/Beruhigungsmittel

Stimulanzien

sind Substanzen mit einem aufputschenden und stimmungsaufhellenden Charakter. Das Wirkungsspektrum umfasst eine psychische Anregung und eine allgemeine Antriebssteigerung, wodurch Müdigkeitserscheinungen sowie das Hunger- und Durstgefühl gemindert werden. Stimulanzien sind u.a.:

  • Crack
  • Crystal Meth
  • Ecstasy
  • Kokain

Sedativa

sind das Gegenteil von Stimulanzien und Substanzen mit einer dämpfenden Wirkung. Diese Beruhigungsmittel können abhängig von Beschaffenheit und Dosis hypnotisch, schmerzlindernd und motorisch dämpfend wirken. Sedativa sind u.a.

  • Alkohol
  • Heroin
  • Ketamin
  • Morphin

Halluzinogene

sind Substanzen, die sich stark auf die Sinneswahrnehmung auswirken und den Bewusstseinszustand verändern können. Davon hervorgerufene Halluzinationen werden durch emotionale Befindlichkeiten beeinflusst. Positive Gefühle können leicht in "Horrortrips" umschlagen. Halluzinogene sind u.a.:

  • Lachgas
  • LSD
  • Magic Mushrooms
  • Tollkirsche

Quelle: u.a. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. September 2020 | 17:15 Uhr

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