Karin und Thomas Ahlrichs stehen vor einer Autobahntoilette bei Oldenburg, in der sie 10.000 Euro gefunden haben.
Karin Ahlrichs fand auf einer Autobahntoilette 10.000 Euro Bargeld. Sie und ihr Mann trauten ihren Augen nicht und übergaben das Geld der Polizei. Bildrechte: MDR/Kamera 2

Finderlohn - Fragen & Antworten Ehrliche Finderin gibt 10.000 Euro an 83-Jährigen zurück

BRISANT | 28.06.2019 | 17:15 Uhr

Ein 83-jähriger Mann hat 10.000 Euro auf einer Autobahntoilette bei Oldenburg vergessen und das Geld von einer ehrlichen Finderin zurückerhalten. 500 Euro Finderlohn zahlte der Mann der Frau - weit mehr als gesetztlich vorgeschrieben ist.

Karin und Thomas Ahlrichs stehen vor einer Autobahntoilette bei Oldenburg, in der sie 10.000 Euro gefunden haben.
Karin Ahlrichs fand auf einer Autobahntoilette 10.000 Euro Bargeld. Sie und ihr Mann trauten ihren Augen nicht und übergaben das Geld der Polizei. Bildrechte: MDR/Kamera 2

Karin Ahlrichs traut ihren Augen nicht, als sie auf dem Heimweg aus dem Urlaub auf einer Autobahntoilette an der A29 bei Oldenburg 10.000 Euro findet. Die liegen in einer Gürteltasche auf dem Klo. Vorsichtig fühlt sie vor, was in der Tasche sein könnte. "Ich war total geschockt und dachte wir werden jetzt verfolgt", erzählt die Frau. Als sie den Fund ihrem Mann Thomas zeigt, zögern beide nicht lange und bringen das Geld zur Autobahnpolizei: "Ich dachte ich bin bei der versteckten Kamera", sagt die Finderin.

Bargeld-Noten in der Hand
Bildrechte: MDR/Kamera 2

Polizei lobt ehrliche Finder

"Das ist wirklich besonders, eine so hohe Fundsumme habe ich noch nie erlebt", sagt Polizist Nils Metscher von der Autobahnpolizei Oldenburg und dankt der ehrlichen Findern. Die Ehrlichkeit der Ahlrichs aus dem Landkreis Wittmund zahlt sich aus: Der Mann, dem das Geld abhanden gekommen war, zahlt ihr 500 Euro Finderlohn. Das sind knapp 200 Euro mehr als gesetzlich vorgeschrieben. Der 83-Jährige war auf dem Weg zur Küste und wollte sich ein Boot kaufen. Bei einer Pause vergaß er das Geld.

Nils Metscher, Autobahnpolizei Oldenburg
Nils Metscher von der Autobahnpolizei Oldenburg lobt die Ehrlichkeit der Ahlrichs. Bildrechte: MDR/Kamera 2

Ich habe etwas gefunden - Und jetzt?

Die Rechtslage

Ganze 20 Paragrafen im Gesetz regeln was getan wird, wenn wir etwas finden. Grundsätzlich gilt: Wird etwas gefunden, muss es abgegeben werden.

Wo kann ich Fundsaachen abgeben?

Die erste Anlaufstelle sollte das Fundbüro um die Ecke sein. Eine Ausnahme sind zum Beispiel Busse und Bahnen. Hier kann die Fundsache zum Busfahrer oder Zugpersonal gebracht werden. Auch Polizeidienststellen nehmen Fundsachen entgegen.

Bekomme ich Finderlohn?

Ja, bei einem Wert bis 500 Euro bekommt der Finder immerhin fünf Prozent Finderlohn. Das steht so im Gesetz und das steht dem Finder zu. Solange es den Finderlohn nicht gibt, muss die Sache nicht herausgegeben werden. Für den Mehrwert einer Fundsache - d. h. den Fundbetrag von mehr als 500 Euro - werden drei Prozent Finderlohn fällig. Das alles ist geregelt im § 971 Abs. 1 BGB.

Wer eine Katze oder ein anderes Haustier findet, kann zusätzlich zum Finderlohn von drei Prozent sogar auf eine Aufwandsentschädigung bestehen - beispielsweise für die Zeit, in der das Tier gefüttert wurde.

Wieviel hätte es im konkreten Fall geben müssen?

Gefunden wurde ein Geldbetrag von 10.000 Euro. Der Finderin stehen für die ersten 500 Euro fünf Prozent Finderlohn zu, für den Mehrwert in Höhe von 9.500 Euro dann noch drei Prozent. Es ergibt sich die folgende Gleichung: 0,05*500 € + 0,03*9.500 € = 25 € + 285 € = 310 €uro. Der 83-Jährige Mann, dem das Geld abhanden gekommen war, zeigte sich also wirklich großzügig und war offenbar sehr froh über die Ehrlichkeit der Ahlrichs.

Ich habe nur ein paar Euro gefunden. Muss ich die auch abgeben?

Nein, es gibt eine gute Nachricht: Alles unter einem Wert von zehn Euro darf behalten werden.

Gibt es eine Ausnahme?

Wenn Sachen einen ideelen Wert haben, wie eine Überraschungs-Ei-Sammlung, dann muss ein Richter über den Wert, der dem Finder zusteht, entscheiden

Quellen: afp/dpa/eigene Recherchen

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 28. Juni 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2019, 21:38 Uhr

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