Häuslicher Gewalt vorbeugen Corona-Krise in der Familie: Was tun bei Stress und Streit?

Die Corona-Krise zehrt an den Nerven. Viele Familien empfinden die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen zur Reduzierung sozialer Kontakte als große Herausforderung. Stresssituationen sind vorprogrammiert. Welche Möglichkeiten gibt es, dennoch gut damit umzugehen und Eskalationen im Vorfeld zu vermeiden? Und: Auch in Corona-Zeiten gibt es AnsprechpartnerInnen für Eltern und Kinder in Krisensituationen.

Junge zeigt seinen Mittelfinger.
Stress und Streit in Krisenzeiten sind keine Besonderheit, können aber vermieden werden. Bildrechte: IMAGO

Stressbewältigungsstrategien für Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs

Gelassenheit gewinnen ...
Entspannt im Homeoffice? Für viele Eltern ist das Jonglieren zwischen eigener Arbeit und dem Home-Schooling bestenfalls unmotivierter Kinder der pure Stress. Machen Sie sich deshalb vor allem eines bewusst: Perkfektionismus ist derzeit nicht gefragt. Geben Sie sich den Raum und die Zeit, sich in der neuen Situation zurecht zu finden. Verbringen Sie lieber die Zeit mit Ihren Kindern oder tun Sie etwas für sich selbst, anstatt am Abend wie wild durch die Wohnung zu putzen.

Eine Frau beschimpt eine andere Frau, die auf ein Smartphone schauend auf einem Sofa sitzt.
Fahren Sie Ihre eigenen Ansprüche zumindest für die Zeit der Corona-Krise herunter. Verbringen Sie lieber Zeit mit Ihren Kindern als mit Arbeit im Haushalt. Bildrechte: Colourbox.de

Nachsichtig mit sich selbst und den Kindern sein
Die Art, wie man mit sich selbst umgeht, prägt auch den Umgang mit den Kindern. Sind wir streng mit uns selbst, sind wir es auch mit unseren Kindern. Sind wir nachsichtig im Umgang mit uns selbst, sind wir dies auch mit unseren Kindern.

Gelassenheit vorleben
Vorgelebte Gelassenheit färbt auf die eigenen Kinder ab. Wenn sie sehen, dass sich ihre Eltern auch Pausen gönnen und keine überhöhten Ansprüche an sich selbst haben, dann lernen auch sie einen gesunden Umgang mit sich selbst.

Bedingungslose Wertschätzung
Kinder und Jugendliche werden durch schulische und gesellschaftliche Anforderungen schon genug unter Druck gesetzt. Zu Hause sollte ein Ort sein, an dem sie  nicht permanent Erwartungen erfüllen und "mithalten" müssen.

Gemeinsame Familienregeln aufstellen
Auch in einer Familie treffen unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufeinander - vor allem in Krisensituationen. Setzen Sie sich zusammen und überlegen sie gemeinsam, welche Werte für die Familie von Bedeutung sind. Wenige und wichtige Familienregeln, die für alle nachvollziehbar sind und gemeinsam festgelegt werden, geben Halt und Orientierung.

Themenbild: Vater und Tochter diskutieren.
Familienregeln sollten gemeinsam aufgestellt und diskutiert werden. Bildrechte: IMAGO

Gemeinsame Rituale schaffen
Ähnlich verhält es sich mit Ritualen. Rituale geben Struktur und Geborgenheit. Vor allem kleinen Kindern machen sie einen Tag vorhersehbar. Das entspannt.

Entspannungstechniken (gemeinsam) lernen
Entspannung kann man gemeinsam lernen! Im Internet finden sich zahlreiche Anleitungen für wissenschaftlich fundierte Entspannungstechniken, die Sie gemeinsam ausprobieren können.

Ansprechpartner für Eltern und Kinder in Krisensituationen

Schützende Hände schließen eine dreiköpfige Familie ein.
Sie fühlen sich in Ihrer familiären Situation überfordert? Hier gibt's Hilfe! Bildrechte: Colourbox.de

Örtliches Jugendamt
In Konflikt- und Krisensituationen können sich Kinder, Jugendliche und Familien an die örtlichen Jugendämter wenden. Die Telefonnummer des Jugendamtes vor Ort findet man u.a. über die Familienportale des Bundesfamilienministeriums:

Als App: Exclamo!

Exclamo, ich schreie, heißt eine Online-Plattform gegen Mobbing, gegründet von drei ehemaligen Berliner Abiturienten. Mittlerweile haben die Jungunternehmer ihr Konzept erweitert, bieten nicht mehr "nur" Vermittlungsangebote zwischen hilfesuchenden Schülern und ihrer Schule an, sondern möchten Kindern und Jugendlichen insbesondere in der Corona-Krise mit Rat, Tat und psychologischer Unterstützung zur Seite stehen.

Auf www.exclamo.org können sich Hilfebedürftige und Ratsuchende melden und selber entscheiden, ob sie per Mail, SMS oder Telefon unterstützt werden. Über krisenchat.de können Betroffene direkt eine Whatsapp-Nachricht schicken - rund um die Uhr.

Nummer gegen Kummer: Tel. 116 111
Eine Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, die über ihre Sorgen sprechen und sich einen Rat holen möchten, ist die Nummer gegen Kummer. Dort kann man immer von montags bis samstags zwischen 14 und 20 Uhr anrufen. Die Nummer ist kostenlos und man muss seinen Namen nicht sagen.

Elterntelefon der Nummer gegen Kummer: 0800 111 0 550

Telefonseelsorge:
0800 / 111 0 111
0800 / 111 0 222
Mo-Sa 14-20 Uhr

Quelle: Der Kinderschutzbund

 

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. Mai 2020 | 17:00 Uhr

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