Alternativen, Versicherungen und Co. Fahrgemeinschaften mit Kindern - Das sollten Sie beachten

Jedes fünfte Grundschulkind in Deutschland wird mit dem Auto zur Schule gebracht. Nicht immer sitzen dabei nur Kinder aus dem eigenen Haushalt im Pkw. Was Eltern vor und während solch einer Fahrt im "Elterntaxi" beachten sollten, erfahren Sie hier.

Zwei Erstklässler auf dem Weg zur Schule. (Archiv)
Zwei Erstklässler auf dem Weg zur Schule. (Archiv) Bildrechte: dpa

Vor allem auf dem Weg zur Schule oder davor zeigt sich allmorgendlich das gleich Bild. Zahlreiche Autos fahren vor. Eltern bringen ihre und oft auch andere Kinder vermeintlich sicher zum Unterricht oder holen sie ab. Doch ist die Fahrt zur Schule oder zum Sport so wirklich sicherer?

Autokinder häufig bei Unfällen verletzt

Nein, denn Kinder entwickeln so kein Risikobewusstsein oder Verständnis für den Straßenverkehr, "wenn sie von den Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht werden", sagt ADAC-Verkehrsexperte Ronald Winkler. "Laufen Kinder morgens zu Fuß zur Schule oder zum Kindergarten, fördert dies ihre körperliche und geistige Entwicklung. Die Kinder lernen dabei, sich selbstständig und sicher im Verkehr zu bewegen. Aktive Kinder sind den Tag über entspannter und können sich besser konzentrieren", argumentieren auch das Deutsche Kinderhilfswerk, der ökologische Verkehrsclub VCD und der Verband Bildung und Erziehung.

In der Broschüre "Das 'Elterntaxi' an Grundschulen" zitiert der ADAC aus einem Bericht des Statistischen Bundesamtes. Das hatte 2016 die Zahlen verletzter Sechs- bis Neunjähriger bei Verkehrsunfällen ermittelt:Traurige Spitzenreiter der Zählung mit 3.247 Verletzten sind die Autokinder. Unter Fußgängern gab es 2.328 Verletzte, unter Radfahrern waren es mit 1.860 noch weniger.

Verursacher vieler Unfälle sind dem ADAC zufolge oft die autofahrenden Eltern. Da werden in der morgendlichen Hektik Kinder übersehen oder riskante Park- oder Wendemanöver gehen schief und es kracht. Natürlich heißt das nicht, dass Sie Erstklässler sofort allein zur Schule gehen lassen sollten. Man solle sein Kind gut beobachten und dann einschätzen, wie viel oder wie lange es Begleitung brauche, sagt Gritt Blümle von der Leipziger Verkehrswacht bei MDR Wissen.

Henry kommt im September zur Schule in die Erste Klasse. Den Schulweg hat er vorher mit seinen Eltern oft geübt.
Ein Vater übt den Schulweg mit seinem Sohn. (Archiv) Bildrechte: imago/pictureteam

Sicher zur Schule - ohne "Elterntaxi"

Auch der ADAC unterstützt das und rät, Kinder allein zur Schule gehen zu lassen - nachdem man den Schulweg mit den Kleinen bereits vor dem ersten Schultag abgelaufen ist und geübt hat. "Hierzu gibt es für viele Schulen Schulwegpläne mit empfohlenen Querungsstellen und Verhaltenstipps", so ADAC-Verkehrsexperte Winkler. Das Deutsche Kinderhilfswerk und der VCD haben zudem Tipps ausgearbeitet. So sollen Kinder ohne "Elterntaxi" sicher zur Schule und zum Kindergarten gelangen:

Tipp 1: Laufgemeinschaften bilden - soziales Verhalten fördern

Kinder, die mit Freunden und Freundinnen zur Schule gehen, lernen, auch auf andere aufzupassen. Ihr soziales Verhalten wird gefördert und sie können schon auf dem Weg zur Schule Freundschaften pflegen oder schließen und ihre Nachbarschaft kennenlernen.

Tipp 2: Roller- und Fahrradständer bauen - Eigenverantwortung fördern

Ist der Schulweg zu lang, um ihn zu laufen, bieten der Tretroller oder das Fahrrad Kindern eine gute Alternative. Roller- und Fahrradständer vor Schulen und Kitas helfen das Chaos in den Griff zu kriegen und Kinder lernen, sich selbstständig um ihre Verkehrsmittel zu kümmern.

Tipp 3: Schulstraßen beantragen

Um die unübersichtlichen und gefährlichen Situationen durch Elterntaxis vor Schulen und Kitas in den Griff zu bekommen, haben Eltern die Möglichkeit, einen Brief an ihre Schulleitung zu schreiben. Schulleitungen können sich wiederum an die Kommunen wenden und diese dazu auffordern, die Straße vor der Schule oder Kita als Schulstraße mit temporären Durchfahrtsbeschränkungen auszuweisen, wenn es die Lage der Schule erlaubt.

Das ist beim "Elterntaxi" zu beachten

Geht es dann doch nicht ohne Auto zur Schule, zum Musikunterricht oder zum Sport, gilt es einige Dinge zu beachten. Zunächst sollte man sich darüber im Klaren sein, wer wo sitzt und ob alle Kinder angeschnallt sind. Kindersitze sollten stabil befestigt sein, am besten auf dem Rücksitz. Die Gurte müssen eng anliegen und den unterschiedlichen Bestimmungen für Alter und Größe der Kinder entsprechen - dabei ist es unerheblich, ob es sich um die eigenen Kinder oder um Kinder einer "Fahrgemeinschaft" handelt. Wird das nicht beachtet, drohen Verwarngelder oder sogar Punkte in Flensburg.

Sollte es während der Fahrt im "Elterntaxi" zu einem Unfall kommen, greift in Deutschland die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung. "Bei einem Unfall sind die eigenen Mitfahrer, der Unfallgegner und dessen Mitfahrer durch die Kfz-Haftpflicht des Unfallverursachers abgesichert. Auch die Kinder, die bei einer Fahrgemeinschaft mitgenommen werden, verfügen somit über einen Versicherungsschutz", sagt Kfz-Versicherungsexperte Frank Bärnhof.

Schulkinder steigen in ein privates Fahrzeug
Schulkinder steigen in ein privates Fahrzeug auf dem Weg zur Schule. (Archiv) Bildrechte: dpa

Ist eine Insassen-Unfallversicherung nötig?

Eine zusätzliche Insassen-Unfallversicherung ist also unnötig? Ja, sagt zumindest der Bund der Versicherten (BdV), der die Insassen-Unfallversicherung auf seiner Liste der überflüssigsten Versicherungen auf Platz zwei einstuft. Auch die Stiftung Warentest kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Grundsätzlich handelt es sich um eine Zusatzversicherung, die den Fahrer und alle Mitfahrer eines Auto gegen bleiben Schäden nach einem Autounfall versichert. Im Grunde nicht schlecht.

Der Grund für den Stempel "überflüssig" ist aber die große Deckung der Leistungen mit anderen Versicherungen. Wird jemand bei einem Unfall verletzt oder der Wagen demoliert, übernimmt in aller Regel die  Kfz-Haftpflichtversicherung des Verursachers die Kosten. Diese Pflichtversicherung bezahlt sowohl Sach- als auch Personenschäden. Wenn es um Behandlungen oder einen Krankenhausaufenthalt des Unfallverursachers geht, könnte die Insassen-Unfallversicherung greifen. In der Regel übernimmt hier jedoch die gesetzliche oder private Krankenversicherung die Kosten und macht die Insassen-Unfallversicherung damit überflüssig.

Mit den Pflichtversicherungen und einer ordnungsgemäßen Sicherung der Kinder im Auto, sollten Sie also auch im "Elterntaxi" gut fahren. Dennoch sollte man sich überlegen, aus Gründen der Verkehrssicherheit vor Schulen, aus umwelttechnischen Aspekten und im Hinblick auf die persönliche Entwicklung der Kinder, auf den Pkw zu verzichten und stattdessen auf Fußweg oder Roller auszuweichen - sofern möglich und vertretbar.

ten/dpa/mdr/vcd/adac

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 28. September 2020 | 17:15 Uhr

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