Ersthelfer bei Unfall Erste Hilfe in Corona-Zeiten - Überraschungs-Ei als nützlicher Helfer

Unfälle mit Verletzten im Straßenverkehr gibt es auch in Zeiten von Corona. Trotzdem gilt: Wenn Sie als Erster am Unfallort nicht helfen, drohen Strafen. Was Sie beachten sollten, wenn Sie Erste Hilfe leisten müssen, und wie Sie sich vor dem Coronavirus mit einem Ü-Ei schützen können, erklärt BRISANT.DE.

Betriebliche Ersthelfer üben mit der Reanimationpuppe "Little Anne" bei einem Erste-Hilfe-Lehrgang in einem Schulungszentrum des Deutschen Roten Kreuz (DRK).
Schon vor Corona galt: Handschuhe nicht vergessen! (Archiv) Bildrechte: dpa

Eins vorweg: Natürlich sind Sie verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten, wenn Sie als Erster an einem Unfallort eintreffen - auch in Zeiten der Corona-Pandemie. Denn meist entscheiden die ersten Minuten nach einem Unfall über die Schwere der Unfallfolgen und das Überleben der verletzten Personen. Da der Mindestabstand von 1,50 Metern in Notsituationen nicht immer gewahrt werden kann, sollten Sie einige Regeln beachten.

Tragen Sie Einweg-Handschuhe

Hygiene steht bei der Erstversorgung von Verletzten an erster Stelle. Daher sind Einweg-Handschuhe seit vielen Jahren fester Bestandteil eines jeden Verbandskastens im Auto. In Zeiten von Corona gilt daher: Handschuhe sofort anziehen - und sich damit keinesfalls ins Gesicht fassen. Sie könnten sonst das Coronavirus (oder andere Krankheitserreger) über die Schleimhäute von Augen, Nase oder Mund aufnehmen.

Trick mit dem Überraschungsei Ersthelfer empfehlen, ein leeres Plastik-Überraschungsei zu nehmen und da ein Paar Einweg-Handschuhe reinzustecken. Das kann man in jede Tasche oder Jacke legen und hat es überall mit dabei.

Rene Kindermann hat Gummihandschuhe und eine Überraschungsei in der Hand 1 min
Bildrechte: BRISANT

Sa 12.12.2020 17:06Uhr 00:50 min

https://www.mdr.de/brisant/ueberraschungsei-handschuhe-unfall-100.html

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Tragen Sie einen Mundschutz

Das Deutsche Rote Kreuz rät, sich selbst und seine Gesundheit nicht in Gefahr zu bringen, wenn man Erste Hilfe leistet. Ein Mund-Nasen-Schutz hilft, das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu verringern - sowohl für den Ersthelfer als auch für die verletzte Person. Ist ein Mund-Nasen-Schutz nicht greifbar, sollten Mund und Nase der hilfebedürftigen Person mit einem Tuch abgedeckt werden. Das geht zum Beispiel mit einem einfachen Taschentuch oder einem dünnen Schal. Achten Sie auch darauf, das eigene Gesicht zu schützen.

Die Feuerwehr Köln zeigt Schutzausrüstung
Sie machen es richtig: Handschuhe an und Mundschutz auf! Bildrechte: imago images / Benjamin Horn

Führen Sie eine Herzdruck-Massage durch

Eine Mund-zu-Mund- bzw. Mund-zu-Nase-Beatmung ist für Laien nicht zwingend erforderlich. Und in der aktuellen Situation sollten Sie ohnehin darauf verzichten. Wichtig ist aber, dass Sie durchgehend eine Herzdruck-Massage durchführen, bis der Rettungsdienst oder der Notarzt eintreffen. Und das geht folgendermaßen:

Die verletzte Person sollte auf einem festen Untergrund auf den Rücken gelegt werden. Den Kopf dann nach hinten überstrecken, um die Atemwege freizuhalten. Vorhandene Hindernisse im Mundraum (z.B. Prothesen) gegebenenfalls entfernen. Brustkorb freimachen. Der richtige Druckpunkt befindet sich in der Mitte des Brustkorbes auf dem Brustbein. Dann mit der Herzdruckmassage mit einer Frequenz von 100 bis 120 mal pro Minute und einer Drucktiefe von etwa fünf Zentimetern beginnen. Um dabei den richtigen Rhythmus zu finden, kann man sich gedanklich an dem Bee Gees-Song "Staying alive" oder Helene Fischers "Atemlos" orientieren.

Fakten Erste Hilfe
Der Bee Gees-Song "Staying alive" ist der ideale Rhythmus für eine Herzdruck-Massage. Bildrechte: IMAGO

Waschen Sie gründlich die Hände

Vergessen Sie nach der Hilfeleistung nicht, sich gründlich die Hände zu waschen bzw. zu desinfizieren - zum Beispiel mit Feuchttüchern, einem Desinfektionsgel oder -spray. Ergänzen Sie Ihren Erste-Hilfe-Kasten entsprechend.

Kontaktdaten mitteilen

Geben Sie den Rettungssanitätern Ihre Kontaktdaten, für den Fall, dass bei dem Verletzten nachträglich eine Coronainfektion festgestellt wird.

Menschen, die zu einer Risikogruppe zählen, sollten in Corona-Zeiten grundsätzlich lieber zu Hause bleiben. Werden sie dennoch draußen Zeuge eines Notfalls, müssen sie abwägen, ob sie wirklich Hilfe leisten können. Ein Helfer mit Symptomen sollte auf keinen Fall direkte Erste Hilfe leisten, sondern lediglich den Notruf 112 wählen.

Was tun im Notfall?

  • Sichern Sie die Unfallstelle bei Verkehrsunfällen ab.
  • Wählen Sie den Notruf, deutschlandweit 112 (ohne Vorwahl). Dabei sollte man die relevanten "W-Fragen" beantworten: WO ist der Unfall passiert? WAS genau ist passiert? WIE viele Verletzte gibt es? WELCHE Verletzungen haben sie? WARTEN, ob die Einsatzkräfte noch weitere Fragen haben.
  • Ist das Unfallopfer bewusstlos, atmet aber normal, bringen Sie es in die stabile Seitenlage. Sie verhindert, dass die verletzte Person versehentlich Speichel, Erbrochenes oder Blut einatmet und erstickt.
  • Hören Sie Atemgeräusche? Senkt und hebt sich der Brustkorb? Wenn nicht, beginnen Sie mit der Herzdruck-Massage.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 12. Dezember 2020 | 17:10 Uhr

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