Fairer Handel Fake oder fair? So erkennen Sie Fairtrade-Produkte!

Bananen aus Ecuador, Kaffee aus Costa Rica, Kleidung aus Indien. Auf Kosten anderer billig konsumieren - das will niemand. Faire Bezahlung, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Umweltschutz und vor allem keine Kinderarbeit - das ist dem einen oder anderen durchaus einen Euro mehr wert. Fairtrade ist nicht nur ein Modewort, sondern ein wirklich gutes Konzept.

Fairtrade-Bananen
Menschenwürdige Arbeitsbedingungen, eine faire Bezahlung, keine Kinderarbeit und die Einhaltung von Umweltschutz-Standards - fairer Handel macht's möglich! Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was zeichnet Fairtrade-Produkte aus?

Fairtrade bedeutet fairer Handel - und meint in erster Linie eine gerechte(re) Verteilung von Erlösen. Insbesondere in Afrika, Südamerika und Asien verdienen Kleinbauern und Arbeiter so wenig, dass sie kaum davon leben können. Ihre Arbeitsbedingungen sind menschenunwürdig, Kinder- und Zwangsarbeit gehören zum Alltag. Ziel von Fairtrade sind gerechtere Handelsstrukturen, damit benachteiligte Kleinbauern und Arbeiter ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft nachhaltig sichern können.

Junge Näherin in der Textilfabrik
Eine junge Näherin in der Textilfabrik Dignity DTRT Apparel, die sozial verantwortliche Arbeitsplätze schafft. Bildrechte: imago/photothek

Fair ist kein gesetzlich geschützter Begriff

Anders als Bio, ist der Begriff "Fair" oder "Fairer Handel" nicht gesetzlich geschützt. Ein einheitliches Siegel für faire Produkte gibt es nicht. Allerdings haben sich die internationalen Dachorganisationen des Fairen Handels auf gemeinsame Fair-Handels-Grundsätze und -Prinzipien geeinigt.

Die Fairtrade-Grundsätze

1. Keine Ausbeutung und Diskriminierung! 
Die Hersteller von Fair-Trade-Produkten bekommen (trotz Schwankungen des Weltmarktpreises) wenigstens einen zuvor festgelegten Mindestpreis ausgezahlt, damit die Produktionskosten gedeckt sind. Kinder- und Zwangsarbeit sind verboten, die Organisation von Gewerkschaften wird gefördert.

2. Für Nachhaltigkeit und Umweltschutz! 
Fair-Trade-Produkte werden möglichst umweltschonend an- und abgebaut, um die natürlichen Ressourcen zu schützen. Der Einsatz von Pestiziden oder genmanipuliertem Saatgut ist verboten. Um entsprechendes Saatgut kaufen zu können, erhalten Kleinbauern eine sogenannte Vorfinanzierung.

Kaffeeernte auf einer Kaffeeplantage der COCLA, einer Kaffee-Kooperative in Quillabamba (Peru).
Der Einsatz von Pestiziden oder genmanipuliertem Saatgut ist für Fairtrade-Produkte verboten. Bildrechte: IMAGO

3. Langfristige Hilfe und Förderung! 
Fair Trade unterstützt langfristige internationale Handelsbeziehungen. Mithilfe von Kampagnen soll das Bewusstsein für fairen Handel geschärft werden. Sogenannte Fair-Trade-Prämien sollen benachteiligte Länder durch den Bau von Brunnen, Schulen oder Krankenstationen fördern.

Woran erkennt man Fairtrade-Produkte?

Grundsätzlich erkennt man, ob ein Produkt fair gehandelt ist, an einem Siegel. Am häufigsten wird in Deutschland das Siegel der Organisation Fairtrade International verwendet.

Welches Produkt ist fair gehandelt? Fairtrade-Siegel geben Auskunft!

Fair ist keine geschützte Bezeichnung. Deshalb gibt es gleich mehrere Siegel für fair gehandelte Produkte. Eine Auswahl.

 Die Abbildung zeigt das Siegel für Produkte aus fairem Handel
Das Fairtrade-Siegel der Organisation Fairtrade International ist in Deutschland am meisten verbreitet. Es steht steht für fair angebaute und gehandelte Produkte, bei denen alle Zutaten zu 100 Prozent unter Fairtrade-Bedingungen gehandelt und physisch rückverfolgbar sind. Bildrechte: dpa
 Die Abbildung zeigt das Siegel für Produkte aus fairem Handel
Das Fairtrade-Siegel der Organisation Fairtrade International ist in Deutschland am meisten verbreitet. Es steht steht für fair angebaute und gehandelte Produkte, bei denen alle Zutaten zu 100 Prozent unter Fairtrade-Bedingungen gehandelt und physisch rückverfolgbar sind. Bildrechte: dpa
Bunte Gepa-Logos (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH) aufgenommen am Donnerstag (09.07.2009) auf fair gehandelten Produkten in einem Weltladen in Mainz
Auch die Produkte der Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH sind komplett fair gehandelt. Bildrechte: dpa
Notizbuchumschlag im Weltladen
Gut 800 Weltläden gibt es allein in Deutschland. Hier werden ausschließlich fair gehandelte Produkte verkauft. Bildrechte: imago/epd
Nähmaschinen mit dem Logo des Siegels Der Grune Knopf
Der Grüne Knopf ist ein staatliches Siegel für fair gehandelte Textilien. Bildrechte: imago images / photothek
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Ist Fairtrade auch Bio? Und Bio Fairtrade?

Kaffeebohnen mit EG-Bio- und Fair-Trade-Siegel.
Bio und Fairtrade sind nicht das gleiche! Bildrechte: imago/Marius Schwarz

Das Fairtrade-Siegel steht zwar auch für Umweltschutz-Aspekte, ist jedoch in erster Linie ein Sozialsiegel, das die Handelsbedingungen für Produzenten verbessern will. Dennoch werden Bauern für Themen wie Bodenerosion, Bodenfruchtbarkeit, Abfallwirtschaft und nachhaltiger Wasserverbrauch sensibilisiert, Pestizide sind im Anbau untersagt.

Geht es um Lebensmittel, ist der Zusatz "Bio" gesetzlich geschützt. Damit ein Lebensmittel das EU-Bio-Siegel tragen darf, müssen mindestens 95 Prozent der Zutaten aus kontrolliert ökologischem Landbau stammen. Der Umgang mit Mitarbeitern wird nicht geregelt, soziale Aspekte kommen so gut wie gar nicht darin vor.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. März 2020 | 17:15 Uhr

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