Ein Arzt impft eine Person gegen Grippe.
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Ratgeber FAQ: Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Impfen

BRISANT | 13.03.2019 | 17:15 Uhr

Ein Arzt impft eine Person gegen Grippe.
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Ist Impfen notwendig?

Bevor es Antibiotika und Impfungen gab, waren Infektionskrankheiten die häufigste Todesursache auf der Welt. Noch im Jahr 1900 starben jährlich über 65.000 Kinder an Keuchhusten, Diphterie und Scharlach. Durch Impfungen werden die Immunsysteme der Geimpften auf Krankheitserreger wie Viren vorbereitet. Greifen diese Viren dann tatsächlich an, können sich Geimpfte viel besser dagegen verteidigen. Oftmals erkranken sie dann gar nicht an Infektionen wie den Masern. Dadurch wird der Impfschutz Einzelner auch zum Kollektivschutz für die gesamte Gesellschaft. Können sich Geimpfte nicht anstecken, verbreiten sich bestimmte Infektionen gar nicht mehr. Dadurch sind auch solche Menschen geschützt, die aus besonderen Gründen nicht geimpft werden können. Je mehr Menschen freiwillig auf einen Impfschutz verzichten, desto größer werden auch die Gesundheitsgefahren für die Gesamtbevölkerung. Weitere Informationen finden Sie bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und auf der Informationsseite Impfen mit Vernunft.


Welche Impfungen gibt es?

Unter anderem gegen Diphterie, Tetanus, Masern, Mumps, Röteln, Hepatitis A und B, Polio, Keuchhusten, FSME, Pneumokokken, Rotaviren, Haemopholius-influenzae-Typ B und Papillomviren.


Welche Imfpungen braucht man?

Die Ständige Impfkommission gibt einen Impfkalender heraus, der zeigt, wann im Leben welche Imfpung an der Reihe ist. Die meisten Grundimpfungen erhalten Kinder demnach bereits während ihres ersten Lebensjahres. Nur bei Masern, Mumps, Röteln und Varizellen wird die zweite Impfung erst nach dem ersten Geburtstag verabreicht. Ein Sonderfall ist die Impfung gegen Grippe: Weil sich Grippeviren ständig verändern, muss diese Impfung jährlich aufgefrischt werden. Weil die Influenza aber nur in Ausnahmefällen wirklich gefährlich ist, sollten sich hier nur Menschen mit einer gefährdeten Gesundheit wie Senioren oder medizinisches Personal impfen lassen.


Wie oft muss ich Impfungen auffrischen?

Das hängt davon ab, wie stark der Impfstoff die Körperabwehr stimuliert hat. Bei sogenannten Lebendimpfstoffen (wie dem gegen Masern) werden vermehrungsfähige, aber abgeschwächte Erreger verabreicht. Der Schutz hält dann so lange an, wie nach einer durchgemachten Krankheit, im Falle der Masern in der Regel lebenslang. Eine zweite Impfung soll hier nur sicherstellen, dass der Imfpschutz wirklich ausgebildet wird.

Bei sogenannten Totimpfstoffen, die nur Bruchstücke der Erreger enthalten, sind dagegen stärkere Dosierungen nötig. Auch hält hier der Schutz nur einige Jahre an. Konkret bedeutet das laut Impfkalender 2018:

  • Die Tetanus-, Diphterie- und Pertussis-Impfung sollte alle zehn Jahre aufgefrischt werden.
  • Polio muss nur einmal während der Pubertät aufgefrischt werden.
  • Medizinisches Personal und Menschen mit schwacher Immunabwehr wie Senioren ab 60 Jahren sollten sich einmal im Jahr gegen Grippe impfen lassen.


Welche Nebenwirkungen können Impfungen haben?

Wie alle Medikamente sind auch Impfstoffe nicht völlig frei von Nebenwirkungen. An den Einstichstellen der Spritzen mit den Impfstoffen kann es zu leichten Schmerzen, Schwellungen oder Rötungen kommen. In seltenen Fällen bekommen Patienten einzelne Symptome der Krankheit wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Die zeigen dann aber, dass der Impfstoff auch tatsächlich wirkt und der Impfschutz danach besteht. In den sehr seltenen Fällen, dass es nach einer Imfpung zu einer überdurchschnittlich starken Reaktion kommt, ist der Arzt verpflichtet, eine Meldung beim Gesundheitsamt abzugeben. Das Paul-Ehrlich-Institut für Arzneimittelsicherheit erhält dann in anonymisierter Form die Daten, um zu beurteilen, ob von einem Impfstoff eine Gefahr ausgeht.


Können Impfungen Autismus auslösen?

Um es gleich vorgweg zu nehmen: Nein. Eine in der Fachzeitschrift "Vaccine" veröffentlichte Metaanalyse verglich 2013 das Vorkommen von Autismus bei geimpften und nicht geimpften Menschen in den USA. Insgesamt wurden dabei die Daten von 1,3 Millionen Individuen einbezogen. Das Ergebnis war eindeutig: In beiden Gruppen kam Autismus gleich häufig vor, die Impfstoffe oder ihre Bestandteile hatten also keinen Einfluss darauf, ob jemand unter einer Autismus-Spektrum-Störung litt oder nicht. Dennoch hält sich das Gerücht, Impfen löse Autismus aus, hartnäckig. Als Quelle gilt der britische Arzt Andrew Wakefield, der in einer fragwürdigen Studie einen Zusammenhang zwischen dem Masern-Mumps-Röteln-Kombinationsimpfstoff und neurologischen Entwicklungsstörungen hergestellt hatte. Wakefield wollte mit der Publikation offenbar vor allem den bestehenden Impfstoff in Miskredit bringen, um eine von ihm entwickelte Masernimpfung besser verkaufen zu können. Die Studie wurde zurückgezogen.


Ist Impfen Plicht?

Impfungen sind in Deutschland nicht zwingend vorgeschrieben. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt aber bestimmte Impfungen. Große und kleine Patienten erhalten diese Information von ihren Allgemeinmedizinern oder Kinderärzten. Auch wenn es keine gesetzliche Vorschrift gibt, ist es für den Schutz der Bevölkerung wichtig, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen. So können sich bestimmte Krankheiten erst gar nicht ausbreiten.


Schadet Impfen meinem Kind?

Impfen kann Nebenwirkungen haben, es können Krankheitssymptome wie Fieber oder Gliederschmerzen auftreten. Eltern haben daher manchmal Hemmungen, ihre Babys impfen zu lassen. Mediziner sind sich allerdings sicher, dass das Risiko schwerer Folgeschäden beim tatsächlichen Ausbruch einer Infektion viel höher ist, als bei einer Impfung. Im Fall der Masern etwa kommt es beim Ausbruch der Krankheit in jedem tausendsten Fall zu einer Gehirnentzündung. Bei der Imfpung passiert das nur in einem von einer Million Fällen.


Wie argumentieren Impfgegener?

Seit es Impfungen gibt, äußern manche Menschen immer wieder Zweifel am Sinn des Impfens. Es mag am präventiven Charakter liegen: Obwohl man sich komplett gesund fühlt, soll man sich ein Medikament spritzen lassen. Menschen, die dem Impfen skeptisch gegenüber stehen, führen im Grund immer wieder die gleichen Argumente an. Impfen sei gar nicht mehr nötig, weil es die entsprechenden Krankheiten kaum noch gebe. Impfen habe schädliche Nebenwirkungen. Und: Es werde nur deshalb so viel geimpft, weil die Pharmaindustrie das so wolle. Die meisten Mediziner sind sich allerdings einig: Die Risiken der Infektionskrankheiten sind weit größer, als die der Imfpungen. Hinter Impfskepsis stehen vor allem Denkmuster, bei denen Fakten nicht rational, sondern überwiegend emotional bewertet werden. Was zur eigenen Meinung passt, wird wahrgenommen, alles andere ausgeblendet.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. März 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 17:00 Uhr

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