Fetales Alkoholsyndrom Ernste Folgen durch Alkohol in der Schwangerschaft

BRISANT | 11.06.2019 | 17:15 Uhr

Wenn werdende Mütter während der Schwangerschaft Alkohol trinken, kann das für ihre Kinder schwere Folgen haben. Im schlimmsten Fall erleiden sie das Fetale Alkoholsyndrom, kurz FAS.

Eine schwangere Frau mit Alkohol in der Hand.
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In Deutschland leiden offenbar mehr Kinder unter dem Fetalen Alkoholsyndrom (FAS) als bisher geglaubt. Münchner Forscher haben errechnet, dass es bei 10.000 Geburten 177 Kinder sind, die an Entwicklungsschädigungen durch Alkohol in der Schwangerschaft leiden. Wissenschaftler Ludwig Kraus vom Münchner Institut für Therapieforschung (IFT) sagt, für Deutschland wurden die Zahlen bisher unterschätzt. Zu diesem Schluss kam sein Team, nachdem es internationale Übersichtsstudien sowie eine Untersuchung des Robert- Koch-Instituts in Berlin ausgewertet hatte. Demnach kamen 2014 in Deutschland 12.650 Babys mit FAS zur Welt, 3.000 von ihnen mit dem kompletten Spektrum der Schädigung, heißt es in der Veröffentlichung der Münchener Forscher.

Was macht die Diagnose so schwer?

Kraus zufolge bleiben viele Fälle unerkannt. Exakte Zahlen gibt es deshalb nicht, denn die Folgen von FAS, die Entwicklungsstörungen des Fötus' oder Embryos während der Schwangerschaft, werden oft erst spät festgestellt. Eine Meldepflicht gibt es nicht, entsprechend keine umfassenden Daten. Stattdessen rätseln Eltern oder Lehrer: Was ist mit dem Kind? Es lernt nicht so schnell wie die anderen, es hat keine Geduld, macht die Hausaufgaben nicht fertig oder nur teilweise, es ist motorisch unruhig, stört den Unterricht, wird im Spiel von anderen Kindern als unsozial empfunden. Oder es kennt keine Angst, keine Schmerzgrenze, verhält sich distanzlos gegenüber Erwachsenen.

Die Schäden durch Alkohol werden im Kindesalter sichtbar

Dabei gibt es etliche körperliche Indikatoren, die auf eine alkoholbedingte Schädigung hinweisen: So sind Säuglinge mit FAS im Vergleich mit gesunden Kindern bei der Geburt kleiner und leichter. Körperliche Anzeichen sind beispielsweise verschmälerte Oberlippen, und der fehlende Kupido-Bogen, das ist die Ausrundung am oberen Rand des Oberlippenrots. Bei 90 Prozent der Betroffenen liegen Augenveränderungen vor; eine verkürzte Lidspalte vermittelt den Eindruck, der Abstand zwischen den Augen sei größer als gewöhnlich.

Aufklärungsheft des FASD Deutschland e.V.
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Frühe Diagnosen könnten langfristig helfen

Eine konkret auf FAS zugeschnittene Therapie gibt es nicht. Allerdings lassen sich Begleiterscheinungen wie Sprachstörungen, gestörte Motorik oder Impulsivität mit entsprechenden Therapie-Angeboten lindern. Allein die Diagnose des Syndroms kann Angehörige entlasten, weil sich das Verhalten des Kindes dadurch erklärt. Möglicherweise schützt es sogar davor, dass Geschwisterkindern dasselbe Schicksal droht - als Nichttrinker von Kindesbeinen an mit den Folgen von Alkoholmissbrauch zu leben und zu kämpfen.

red/MDR Wissen

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 11. Juni 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2019, 18:36 Uhr

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