Essen aus dem Labor In-vitro-Fleisch - das Fleisch der Zukunft?

Weniger Tierleid, eine bessere Klima- und Energiebilanz - ist künstlich im Labor hergestelltes Fleisch etwa unser Fleisch der Zukunft? Wie gelingt es, Fleisch, Wurst und Steak im Labor herzustellen - und in welchen Punkten besteht noch Forschungsbedarf? Ein Überblick zum Thema Fleisch aus dem Labor.

In-vitro-Fleisch
Weniger Tierleid, bessere Klimabilanz: Ist In-vitro-Fleisch das Fleisch der Zukunft? Bildrechte: imago images / Richard Wareham

Bei vielen Menschen ist es ein Vorsatz zum neuen Jahr: weniger Fleisch essen! Denn so lecker es auch schmeckt, Massentierhaltung und Klimawandel schmälern den Genuss erheblich.

Abhilfe schaffen könnte eine ganz neue Form des Fleischs: sogenanntes In-vitro-Fleisch (IVF). Das wird im Labor hergestellt. Tiere müssen dafür nicht sterben - und auch in Sachen Klimabelastung soll das Laborfleisch deutlich moderater als herkömmliches Fleisch sein. Außerdem könnte das künstliche Fleisch die Ernährung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung sichern.

Wie wird In-vitro-Fleisch im Labor hergestellt?

Doch so ganz ohne Tierhaltung kann auch das In-vitro-Fleisch nicht hergestellt werden. Denn dafür sind unter anderem tierische Stammzellen nötig, die dem lebenden Tier bei einer Biopsie entnommen werden. Aus diesen Zellen werden im Labor mit Hilfe einer Nährlösung aus Zucker, Mineralien und Sauerstoff Muskelfasern, Fett und anderes Gewebe gezüchtet. Wichtig ist dabei eine konstante Temperatur, die in etwa der Körpertemperatur des jeweiligen Tieres entspricht.

Die Methoden zur Produktion von Zellkultur-Fleisch entspricht damit dem Züchten von Gewebe zu medizinischen Zwecken. Etwa so, wie es sich bei Hauttransplantationen bewährt hat.

Im Reagenzglas gezüchtetes Fleisch in Tropfenform an einer Pipette
Ganz ohne Tierhaltung kann auch In-vitro-Fleisch nicht hergestellt werden. Doch müssen die Tiere dafür nicht getötet werden. Bildrechte: Colourbox.de

Wurst und Burger: ja, Steak und Braten: nein

Ein fertiges Steak bekommt man derzeit noch nicht aus dem Labor. Die künstlichen Muskelzellen wachsen in einer einzelnen dünnen Schicht zu Muskelfasern heran. Presst man viele dieser Zellschichten zu Zellverbänden zusammen, können Fleischprodukte wie Frikadellen, Würste oder Nuggets hergestellt werden.

Um dreidimensionale Fleischstrukturen mit richtiger Konsistenz wie z.B. ein Steak zu kreieren, werden Gerüste aus Kollagen oder Vielfachzuckern benötigt, an denen die Zellen wachsen können. Diese Gerüste sind bislang noch Bestandteil wissenschaftlicher Forschung.

Der erste Burger aus dem Labor. Aus einem kleinen Stückchen Fleischfaser belgischer Rinder. 20.000 Muskelfasern sind nötig für einen Burger.
Einen Burger kann man bereits aus Laborfleisch herstellen. An dreidimensionalen Fleischstrukturen wird derzeit noch gearbeitet. Bildrechte: David Parry / PA Wire

Wirklich eine bessere Energiebilanz?

Wie es mit der Energiebilanz des künstlichen Fleischs letztendlich aussehen wird, ist derzeit noch nicht abschätzbar. Denn bisher ist es noch keinem Unternehmen gelungen, In-vitro-Fleisch unter realen Bedingungen im industriellen Maßstab herzustellen.

Mittlerweile arbeiten Hersteller in den USA, Israel und den Niederlanden an der Marktreife von Fleisch aus Zellkulturen. Doch bis es dort erhältlich sein wird, können noch gut zwei Jahre vergehen.

Wir essen zu viel Fleisch!

Ein Aspekt, den die Diskussion um künstliches Fleisch außer Acht lässt: Mit etwa 60 Kilo Fleisch pro Person und Jahr ist unser Fleischkonsum deutlich zu hoch. Und das schadet nicht "nur" dem Klima, sondern auch unserer Gesundheit. Vielleicht also lieber doch auf einen Fleischersatz pflanzlichen Ursprungs zurückgreifen?

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. November 2020 | 17:15 Uhr

Mehr Ratgeber-Themen