Fluggesellschaft beantragt Insolvenz Germania ist pleite - Das müssen Passagiere wissen

BRISANT | 05.02.2019 | 17:15 Uhr

Nach Air Berlin im Jahr 2017 und Small Planet Airlines 2018 hat eine weitere Berliner Fluggesellschaft Insolvenz angemeldet und den Flugbetrieb eingestellt. Die mehr als 1.000 Mitarbeiter von Germania stehen vor einer ungewissen Zukunft. Auch für Fluggäste gibt es Fragezeichen.

Ein Airbus A319 der Germania mit dem Kennzeichen HB-JOG landet auf dem Flughafen Palma de Mallorca (PMI) in Spanien. 2018
Bildrechte: dpa

Hohe Kerosinpreise und Servicekosten als Gründe

Wie das Unternehmen in der Nacht zu Dienstag (05.02.) mitteilte, sind die Germania Fluggesellschaft GmbH und ihre Schwesterfirmen für technische Dienstleistungen zahlungsunfähig. Der Betrieb der Schweizer Germania Flug AG und der Bulgarian Eagle gehe hingegen weiter.

Geschäftsführer Balke sagte, er bedauere die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten. Die Airline begründet ihre Finanzprobleme mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer ungewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte. Anfang Januar waren die finanziellen Schwierigkeiten bei Germania bekannt geworden. Der Flugbetrieb ging aber zunächst weiter. Zwischenzeitlich hatte das Unternehmen von erfolgreichen Finanzierungsverhandlungen gesprochen.

Auf den deutschen Flughäfen bot sich ein unterschiedliches Bild. Stark betroffen war zum Beispiel der Flughafen Rostock-Laage. "Von den knapp 296.000 Passagieren im vergangenen Jahr flogen 46 Prozent mit Germania", sagte Flughafen-Geschäftsführerin Dörthe Hausmann. Auch die Flughäfen Erfurt und Friedrichshafen sind stark betroffen.

Das abendlich erleuchtete Terminal des Flughafens Rostock-Laage.
Bildrechte: dpa

Ihre Rechte: Das müssen Fluggäste wissen

Alle betroffenen Fluggäste bat Geschäftsführer Karsten Balke um Entschuldigung. Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollten sich direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Reiseveranstalter sind gesetzlich dazu verpflichtet, sich gegen Zahlungsunfähigkeit zu versichern. Zudem dürfen sie Zahlungen von Reisenden erst annehmen, wenn ein Sicherrungsschein ausgestellt wurde. Damit können Pauschalreisende einen Ersatzflug verlangen.

Keinen Anspruch auf einen Ersatzflug hat, wer das Flugticket direkt bei Germania gekauft habe. Der Reisende ist im Insolvenzrecht nur ein Gläubiger unter vielen und muss damit rechnen, nur einen geringen Prozentsatz oder gar kein Geld erstattet zu bekommen.

Andere Airlines bieten Sonderkonditionen

Deutschlands größte Airline Lufthansa kündigte Sonderkonditionen für betroffene Germania-Passagiere an. Durch die Insolvenz sei "erneut eine Sondersituation für die Luftfahrtindustrie in Deutschland" eingetreten, erklärte der Konzern am Dienstag. Bei Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines sollen betroffene Germania-Fluggäste deshalb vergünstigte Tickets bekommen.

Die Fluglinien wollen Betroffenen demnach bei Verfügbarkeit innerhalb Europas Tickets für 50 Euro zuzüglich Steuern anbieten, für Flüge zwischen Deutschland und dem Nahen Osten für 200 Euro zuzüglich Steuern. Dieser Sondertarif soll bis Ende Februar für Germania-Buchungen gelten und Tickets "in den kommenden Tagen buchbar sein". Über das genaue Buchungsverfahren mit Sonderkonditionen will die Lufthansa auf ihrer Internetseite informieren.

Zudem biete die Lufthansa-Tochter Eurowings aktuell im Ausland gestrandeten Germania-Passagieren stark rabattierte Konditionen für Rückflüge nach Deutschland bis Ende Februar 2019 an. Germania-Kunden können sich demnach auf eurowings.com einen neuen Flug nach Deutschland buchen und erhalten "im Nachgang 50 Prozent Rabatt auf den Preis, wenn sie entsprechende Unterlagen einreichen".

Ein Lufthansa-Flugzeug mit dem Namen Halberstadt
Die Lufthansa bietet Germania-Kunden Rabatte an. Bildrechte: Deutsche Lufthansa AG

Zuletzt 37 Maschinen und mehr als 1.000 Mitarbeiter

Die Fluggesellschaft Germania wurde 1986 in Köln gegründet, seit 2009 ist Berlin der Firmensitz. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte die Airline mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr zu mehr als 60 Zielen innerhalb Europas, nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten. Zusammen mit der Schweizer Germania Flugbetrieb AG und der Bulgarian Eagle betrieb Germania zuletzt 37 Flugzeuge und hatte mehr als 1.000 Mitarbeiter.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 05. Februar 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2019, 13:00 Uhr

Mehr Ratgeber-Themen