Gewalt gegen Frauen
Fast jeden Tag versucht ein Partner bzw. Ex-Partner eine Frau zu ermorden, ein Drittel der Taten gelingt. Bildrechte: Colourbox.de

ARD-Doku "Verliebt, verlobt, verprügelt" Gewalt gegen Frauen - wie kann man helfen?

Fast jeden Tag versucht ein Partner bzw. Ex-Partner eine Frau zu ermorden, ein Drittel der Taten gelingt. Eine Thematik, für die der "Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" sensibilisieren möchte. Im Ersten wird anlässlich des Aktionstages die Dokumentation "Verliebt, verlobt, verprügelt" ausgestrahlt. BRISANT.DE hat recherchiert, wie sich Betroffene von partnerschaftlicher Gewalt helfen und ihre Angehörigen sie dabei unterstützen können.

Gewalt gegen Frauen
Fast jeden Tag versucht ein Partner bzw. Ex-Partner eine Frau zu ermorden, ein Drittel der Taten gelingt. Bildrechte: Colourbox.de

WDR-Doku im Ersten: "Verliebt, verlobt, verprügelt"

Etwa 140.000 Menschen sind in Deutschland im vergangenen Jahr Opfer von Gewalt in Partnerschaften geworden - schockierende Zahlen, die die polizeiliche Kriminalstatistik offenbart. Die Dunkelziffer wird weitaus höher geschätzt. Mehr als 80 Prozent der Opfer sind Frauen. Demnach soll jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Partnerschaftsgewalt erlebt haben. Auf das Jahr gerechnet versucht in Deutschland jeden Tag ein Partner oder Ex-Partner eine Frau umzubringen. Jede dritte Tat gelingt.

Mehrere Gedenk- und Aktionstage weisen mittlerweile auf das Problem "Gewalt gegen Frauen" hin. Auch der "Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen", der jährlich am 25. November stattfindet. Das Erste strahlt anlässlich des Aktionstages eine bewegende Dokumentation zum Thema aus: "Verliebt, verlobt, verprügelt", 25.11.2019, 22:45 Uhr - Das Erste. Bereits vor der Ausstrahlung kann der Film in der ARD-Mediathek abgerufen werden.

Ein Diagramm zu Gewalt gegen Frauen
Gewalt gegen Frauen - leider ein alltägliches Problem Bildrechte: MDR/Max Schörm

25- November: Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Den "Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" gibt es seit 1960. Ausgerufen haben die Vereinten Nationen den Jahrestag nach der Ermordung von drei Frauen in der Dominikanischen Republik. Ziel war es, insbesondere staatliche Akteure an ihre Verantwortung für den Schutz von Mädchen und Frauen zu erinnern. Der "Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" soll daran erinnern, dass diese Verbrechen nach wie vor jeden Tag passieren - auch bei uns.

Grafik: 25 November- Stop the violence against women day
Wurde im Jahr 1960 ins Leben gerufen: der "Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" Bildrechte: Colourbox.de

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

Das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen bietet unter der Telefonnummer 0 8000 116 016 rund um die Uhr, anonym und in 18 Sprachen Beratung und Vermittlung in das örtliche Hilfesystem an.

Häusliche Gewalt - was tun, wie helfen?

Meist sprechen betroffene Frauen mit Vertrauenspersonen aus dem sozialen Umfeld über das Erlebte. Umso wichtiger ist es, dass das Umfeld unterstützend reagiert.

Sensibel und solidarisch reagieren
Beziehen Sie Stellung, Verurteilen Sie die Gewalt und zeigen Sie dem Opfer ihre Solidarität! Zahlreiche Studien belegen, dass es für Betroffene sehr wichtig ist, wie die ins Vertrauen gezogene Person auf die Offenbarung der Gewalterfahrung reagiert. Ihre Reaktion motiviert die Betroffenen, sich weitere Unterstützung zu suchen. Darüber hinaus ist es wichtig, bereits frühe Anzeichen und Warnsignale von Gewalt zu erkennen und als solche wahrzunehmen.

Keine Schuldzuweisungen an Betroffene
Manche Frauen glauben, an der Gewalterfahrung selbst schuld zu sein oder zumindest eine Mitschuld zu tragen. Wichtig: Einzig der Täter oder die Täterin trägt die alleinige Verantwortung!

Mann bedroht Frau mit erhobener Faust
Es ist wichtig, bereits frühe Warnsignale und Anzeichen von Gewalt zu erkennen. Bildrechte: Colourbox.de

Sich anvertrauen
Sich anderen Menschen anzuvertrauen und über das Erlebte zu sprechen, tut gut. Dabei ist es wichtig, Vertrauenspersonen auszuwählen und sich zu überlegen, was man erzählen möchte. Es kann auch sehr hilfreich sein, klar zu kommunizieren, was man an Unterstützung braucht und wie andere helfen können.

Verständnis und Unterstützung seitens des persönlichen Umfelds ist für Menschen, die versuchen, einen Umgang mit erlebter Gewalt zu finden, wesentlich. Angehörige oder Unterstützende sollten deshalb Möglichkeiten schaffen, um über die Ereignisse zu sprechen. Wichtig ist es, die Betroffenen in dem, was sie erzählen, erlebt haben und fühlen, ernst zu nehmen. Zweifel sind fehl am Platz und können zusätzlich belasten. Bestärkung und Unterstützung bedeuten nicht, Betroffene zu Handlungen zu drängen, für die sie sich nicht selbst entschieden haben. Interventionen sollten niemals ohne Absprache oder gegen den Willen der Opfer vorgenommen werden.

Zusätzlichen Stress vermeiden
Gewalterfahrungen sind eine massive seelische und körperliche Belastung. Zusätzlicher Stress sollte tunlichst vermieden werden. Unternehmen Sie angenehme Dinge, die von der Belastung ablenken und achten Sie auf ausreichend Schlaf und Erholung. Ein sorgsamer Umgang mit sich selbst hilft bei der Verarbeitung der Erlebnisse.

Professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen
Viele von Gewalt betroffene Frauen benötigen professionelle Unterstützung. Diese bekommen sie bei Frauenberatungsstellen und Frauennotrufen. Niemand muss allein damit fertig werden. Es ist hilfreich, wenn sich Angehörige über Angebote informieren und den Betroffenen bei der Suche zur Seite stehen. Fachberatungsstellen können zudem über mögliche rechtliche Schritte informieren.

Angelehnt an die Wand sitzt eine junge Frau auf einer Treppe
Viele von Gewalt betroffene Frauen benötigen Unterstützung. Bildrechte: Colourbox.de

Opferentschädigungsgesetz

Wer auf dem Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland Opfer einer vorsätzlichen Gewalttat wird und dadurch eine gesundheitliche Schädigung erleidet, kann einen Anspruch auf Opferentschädigung geltend machen. Dies gilt auch für Hinterbliebene von Personen, die infolge der Gewalttat verstorben sind. Ziel des Gesetzes ist es, die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen solcher Taten zu minimieren.

Partnerschaftliche Gewalt gegen Männer - ein Tabuthema?

Auch Männer werden Opfer partnerschaftlicher Gewalt. Da ihnen mehrheitlich die Täterrolle zugeschrieben wird, bleiben die fast 20 Prozent männlichen Gewaltopfer in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu unberücksichtigt. Zumal die Spuren von Gewalt und Misshandlung bei ihnen meist nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Denn Frauen - so die Studien - tendieren als Täterinnen zu psychischer Gewalt: dem Kontrollieren der Privatsphäre, dem Unterbinden sozialer Kontakte, der Drohung mit Entzug des Sorgerechts für die gemeinsamen Kinder. Kommt es doch zu physischer Gewalt, ist dem die psychische meist vorausgegangen. Denn wer sich psychisch dominieren lässt, der wehrt sich nicht, wenn die Gewalt körperlich wird.

Frau würgt Mann
Partnerschaftliche Gewalt gegen Männer - ein Tabuthema Bildrechte: Colourbox.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 25. November 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. November 2019, 19:13 Uhr

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