Gesundheit Fume Event - Was tun bei giftigen Dämpfen in der Flugzeugkabine?

Sprachfindungsstörungen, Gedächtnisverlust, Lähmungen: Mitarbeiter von Airlines leiden unter den Folgen von Schadstoffen in Flugzeugkabinen. Personalvertreter der Lufthansa fordern deshalb, alle Crewmitglieder mit speziellen Atemschutzmasken auszustatten - als Schutz vor giftigen Öl-Dämpfen in den Kabinen. Denen sind aber auch die Passagiere ausgeliefert ... Woher kommen die giftigen Stoffe in der Kabinenluft - und wie kann man sich als Reisender davor schützen?

Flugzeugkabine mit Passagieren
Bei einem Fume Event wird die Kabinenluft durch verbranntes Triebwerksöl verunreinigt. Bildrechte: Colourbox.de

Fume Event - Wie kommen die giftigen Stoffe in die Flugzeugkabinen?

Kurz vor dem Start riecht es im Flugzeug schon mal nach Abgasen. Sie sind durch die Lüftungsanlage in die Kabine gelangt. Das kennt jeder, der schon einmal geflogen ist. Nicht angenehm, aber auch nicht weiter schlimm - und für die Gesundheit unbedenklich.

Ganz anders sieht es bei einem sogenannten "Fume Event" aus. Dabei kommt es zu einer Verunreinigung der Kabinenluft durch Triebwerksöl. Das kann passieren, wenn Öl im Triebwerk austritt, sich stark erhitzt und giftige Dämpfe entstehen. Da die Atemluft für die Flugzeugkabine aus einem Luftverdichter in den Triebwerken entnommen und ungefiltert in die Kabine eingeleitet wird, können auch die Dämpfe des giftigen Chemikalien-Gemischs direkt in die Kabine gelangen. Insbesondere bei Defekten in den Luftzufuhrleitungen oder in den Dichtungen. Nach Schätzungen der Vereinigung Cockpit kommt es bei einem von 2.000 Flügen zu einem "Fume Event" - und das ist alles andere als selten.

Flugzeugkabine mit Passagieren
Statistisch gesehen kommt es bei einem von 2.000 Flügen zu einem Fume Event. Bildrechte: Colourbox.de

Welche Beschwerden können bei Passagieren auftreten?

Gelangen die in den Dämpfen enthaltenen Giftstoffe - z.B. das Nervengift TCP (Tricresylphosphat) oder Kohlenmonoxid - über die Atemluft ins Blut, kann das ernste gesundheitliche Folgen haben. Ärzte sprechen vom sogenannten Aerotoxischen Syndrom. Das äußert sich in Haut- und Augenirritationen, Gleichgewichtsstörungen, Lungenschädigungen oder Schäden im Nervensystem. Davon sind in der Regel jedoch nur Vielflieger betroffen, insbesondere Piloten und Bordpersonal. Typische Kurzzeitfolgen bei Passagieren sind Schwindel oder Übelkeit.

Frau schaut während eines Fluges aus dem Fenster und hält dabei eine Hand an den Bauch und die andere vor den Mund
Treten bei gleich mehreren Passagieren eines Fluges Schwindel oder Übelkeit auf, könnte es zu einem so genannten Fume Event gekommen sein. Bildrechte: IMAGO

Wie können sich Passagiere vor einem Fume Event schützen?

Der Patienteninitiative "Contaminated Cabin Air e.V." zufolge gibt es zur Minderung des Risikos lediglich eine Möglichkeit - nämlich weniger zu fliegen. Hegt man den Verdacht, dass sich während eines Flugs ein Fume Event ereignet, sollte man so viele relevante Informationen wie möglich festzuhalten: Zeitpunkt, Dauer und Art des Geruchs, eventuelle Symptome, Namen von Crew und Piloten usw.

Darüber hinaus ist es wichtig, sich mit anderen potenziell betroffenen Passagieren auszutauschen und zu vernetzen. Ungewöhnliche Krankheitssymptome nach dem Flug sollten schnellstmöglichst vom Arzt abgeklärt werden. Wichtig ist es vor allem, Urin- und Blutproben rechtzeitig zu sichern. Die Universitätsmedizin Göttingen ist auf die gesundheitlichen Folgen eines Fume Events spezialisiert.

Flugzeugkabine mit Passagieren
Vor allem Schwangere und Kleinkinder sind durch die giftigen Dämpfe gefährdet. Bildrechte: Colourbox.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. Februar 2020 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2020, 19:03 Uhr

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