Letzte Ruhestätte Bestattungen - was ist erlaubt und was kostet die Grabpflege?

Die Bestattungskultur ändert sich in Deutschland. Der Trend geht weg vom Erdgrab, hin zum Urnengrab oder der Bestattung im Friedwald. Was ist erlaubt? Was kostet die Grabpflege und sollte man seine eigene Beerdigung planen? BRISANT mit einem Ratgeber rund um die letzte Ruhestätte.

Ein mit vielen Blumen geschmücktes Grab auf einem Friedhof.
Viele Menschen wünschen sich noch immer ein Erdgrab. Bildrechte: imago images/localpic

Immer mehr Menschen möchten nicht mehr im klassischen Einzelgrab, dem Erdreihengrab, bestattet werden. Im Trend liegen Urnengemeinschaftsanlagen, anonyme Bestattungen oder Waldbestattungen.

Auch der Preis spielt sicher eine Rolle. Eine Urne ist schon für wenige hundert Euro zu haben, ein Sarg ist um ein Vielfaches teurer. Allerdings muss bei der Feuerbestattung ein spezieller Feuersarg gekauft werden.

Dazu kommen noch die Pacht für das Grab und die Kosten für für Grabpflege. Doch viele Angehörige und Kinder leben oft nicht mehr vor Ort, um die Gräber regelmäßig zu pflegen.

Friedhofspflicht in Deutschland

Zudem gilt in Deutschland die Friedhofspflicht. Alle Überreste eines Verstorbenen müssen auf einem Friedhof beigesetzt werden, die Bundesländer regeln die Details in ihren Bestattungsgesetzen. Und jede Gemeinde hat dann noch einmal indviduelle Friedhofssatzungen.

Erlaubt sind in Deutschland nur zwei Ausnahmen: Waldbestattung und Seebestattung.

Waldbestattung/Friedwald

Seit 2001 gibt es in Deutschland die Möglichkeit, Asche in einem speziell ausgewiesenen Waldstück beizusetzen – dem Friedwald. Eine biologisch abbaubare Urne wird direkt am Wurzelwerk des Wunschbaumes beigesetzt. Eine kleine Namenstafel am Baum macht auf die Grabstätte aufmerksam, individueller Grabschmuck ist nicht erlaubt. Dafür entfällt aber auch die Grabpflege.

Seebestattung

Seit 1934 ist statt einer Friedhofsbestattung auch eine Seebestattung erlaubt. Dabei wird eine wasserlösliche Urne dem Meer übergeben. Üblicherweise nahe der Küste, in einem Gebiet, in dem weder gefischt noch Wassersport betrieben wird. Aus Umweltschutzgründen werden nur einzelne Blumen ins Wasser gegeben, keine Kränze.

Grabgesteck Schmetterling
Auch Grabgestecke können Individualität ausdrücken. Bildrechte: Pragers Blumen und Floristik/Jens Prager

Alternativen nur im Ausland möglich

Wer nach Alternativen zu Feuer-, Erd- oder Seebestattung sucht, wird im Internet fündig: Almwiesenbestattung, Windbestattung im eigenen Garten oder Nachthimmelbestattung per Feuerwerk. Selbst einen Diamanten kann man sich aus einem Teil der Asche pressen lassen. Das ist aber eine "zusätzliche Bestattung", weil der größte Teil der Asche ganz normal beigesetzt wird.

Das alles ist in Deutschland aber nicht erlaubt. Wer also die Asche des Verstorbenen auf einer Wiese verstreuen möchte, muss dafür ins nahe Ausland fahren: die Schweiz, Österreich oder die Niederlande. Und muss die Urne aus Deutschland mitbringen.

Malve in einer bunten Blumenwiese
In der Schweiz darf die Asche auf einer Almwiese verstreut werden. Bildrechte: imago images/CHROMORANGE

Trend: Grabstelle online aussuchen

Der größte Friedhof Europas in Hamburg Ohlsdorf bietet jetzt eine Online-Plattform an, auf der man sich seine letzte Ruhestätte aussuchen kann. Per Klick zum Wunschgrab - und das bleibt dann 25 Jahre bestehen.

Aus 11 Kategorien und Orten können Kunden aussuchen, zum Beispiel den sonnigen Apfelhain, den Schmetterlingsgarten oder die moderne Urnenkrypta. Sogar ein Areal zur freien Gestaltung ist darunter.

Bestattung und Grabpflege planen

In der Regel beträgt die Liegezeit in einem Erdgrab bis zu 30 Jahre, bei einer Urne bis zu 25 Jahre. Für verstorbene Kinder und Säuglinge ist eine Zeit von bis zu 20 Jahre üblich. Bei einem Familiengrab kann die Ruhezeit unbegrenzt verlängert werden.

Je nach Dauer, Umfang und Größe kostet die Grabpflege mehrere hundert Euro im Jahr. Ein Urnengrab ist entsprechend günstiger. Auf die Hinterbliebenen kommen daher hohe Kosten zu. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese zu begleichen.

Brennendes Grablicht auf einem Friedhof
Die Grabpflege kostet oft sehr viel Geld. Bildrechte: imago/photothek

Auch die eigene Beerdigung noch zu Lebzeiten genau zu planen, entlastet die Angehörigen im Todesfall und beugt möglichem Streit vor.

Hier die gängigsten Vorgehensweisen:

Bestattungskosten

Jeder muss die Kosten seiner Beerdigung selbst tragen - oder sie den Angehörigen überlassen. Möglichkeiten der Regelung gibt es einige:

  • im Voraus beim Bestatter der Wahl bezahlen
  • Geld auf einem Sparkonto mit Sperrvermerk sparen
  • Sterbegeldversicherung aufsetzen. Verbraucherorganisationen raten allerdings von den teuren Policen ab.
  • die Erben begleichen die Kosten begleichen

Bestattungsverfügung

Damit legt ein Mensch verbindlich fest, was nach dem Tod mit seinen sterblichen Überresten geschehen soll. 

In der Regel wird das Schriftstück (auch handschriftlich) bei einem Notar verfasst und kann jederzeit vom Verfasser geändert oder aufgehoben werden. Sie ist damit rechtsgültig. Das Original gehört zu den persönlichen Unterlagen. Folgende Punkte sollten in der Verfügung stehen:

  • Einleitung über Form und Zweck der Verfügung
  • Name, Anschrift und Geburtsdatum
  • Gewünschte Bestattungsart (Erdbestattung, Seebestattung, Feuerbestattung, Reihengrab oder anonym)
  • Ausgestaltung der Trauerfeier (oder Wegfall einer Trauerfeier, mit oder ohne Trauermahl, Trauerredner, gewünschtes Bestattungsinstitut, Blumenschmuck, Musik)
  • Ausgewählter Bestattungsort
  • Grabgestaltung (Grabstein, Bepflanzung)
  • ggf. Regelung der Bestattungskosten
  • Regelung der Grabpflege
  • Ort, Datum, Unterschrift

Bestattungsvorsorgevertrag

Er wird direkt bei einem Bestattungsunternehmen abgeschlossen. In diesem Falle ist kein zusätzlicher Notar erforderlich, da das Unternehmen sowohl die Beratung als auch das Aufsetzen des Vertrages übernimmt. Auch hier werden alle persönlichen Wünsche und Vorstellungen der eigenen Bestattung schriftlich festhalten. Zusätzlich regelt der Vertrag auf jeden Fall die Kosten der Bestattung, da direkt mit dem Bestatter verhandelt wird.

Grabpflegevertrag

Wer auf der sicheren Seite sein möchte, kann mit der zuständigen Friedhofsgärtnerei einen Grabpflegevertrag abschließen. Möglich ist es, die gesamten Pflegekosten im Voraus zu bezahlen. Das eingezahlte Kapital wird dann von einer Treuhandstelle verwaltet.

Andere Möglichkeit: Die anfallenden Kosten werden aus dem Nachlass, also dem Erbe beglichen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 10. Januar 2021 | 17:00 Uhr

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