Ein Förster der Hansestadt Uelzen und Waldbrandbeauftragter, steht in einem mit Kiefern geprägten Waldstück.
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Vielerorts höchste Waldbrandgefahr! Große Bodentrockenheit - wie Brände verhindert werden sollen

BRISANT | 01.07.2019 | 17:15 Uhr

Die lang anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen sind auch in der Natur zu spüren. Die Waldbrandgefahr hat in zahlreichen Regionen Deutschlands die Höchsstufe erreicht. Das bedeutet dort: Betreten verboten!

Ein Förster der Hansestadt Uelzen und Waldbrandbeauftragter, steht in einem mit Kiefern geprägten Waldstück.
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Bäume leiden unter Hitzestress

Die Bäume leiden. Sie brauchen ihre Wasserreserven jetzt schneller auf, erklärte der Bund deutscher Baumschulen. Gerade Stadtbäume stünden bei dieser Hitze unter Stress. Erschwerend kommt hinzu. Seit dem Dürresommer 2018 haben die Böden kaum neue Feuchtigkeit aufnehmen können. Die Lage hat sich im Frühjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr verschräft, so das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung im aktuellen Dürremonitor.

Sachsen und Brandenburg melden regional höchste Waldbrandwarnstufen

In Sachsen etwa gilt laut Staatsbetrieb Sachsenforst teilweise die höchste Warnstufe 5. In der Lieberoser Heide in Brandenburg brennt es bereits auf 100 Hektar. Die Lage in Brandenburg ist kritisch. Für den Donnerstag wird in drei Landkreisen die höchste Warnstufe fünf ausgerufen, wie aus einer Übersicht des Potsdamer Umweltministeriums hervorgeht. Betroffen sind demnach das Havelland, der Landkreis Oberspreewald-Lausitz sowie der Kreis Spree-Neiße. Im Landkreis Oberhavel und der Uckermark gilt eine mittlere Waldbrandgefahr mit Gefahrenstufe drei. Für die restlichen 9 von 14 Regionen herrscht die zweithöchste Warnstufe vier. In der Lieberoser Heide brennt seit Tagen ein Waldstück auf einer Fläche von 100 Hektar. Das Feuer breitet sich aktuell nicht aus. Nachdem ein Löschhubschrauber für einen anderen Brand abgezogen werden musste, soll nun ein weiterer Helikopter der Bundespolizei helfen.

Sehr hohe Waldbrandgefahr in Sachsen-Anhalt

Auch in mehreren Regionen Sachsen-Anhalts gilt die höchste Waldbrand-Warnstufe. Seit Mittwoch gilt vor allem im Osten des Landes die Stufe 5, also "sehr hohe Gefahr", wie aus einer Online-Übersicht des Landeszentrums Wald hervorgeht. Dies gilt etwa für den nördlichen Teil von Anhalt-Bitterfeld, den Raum Wittenberg, das Jerichower Land sowie den Salzlandkreis. In besonders gefährdeten Gebieten sind nach Angaben des Zentrums auch Waldbrand-Überwachungskameras auf Türmen und an Gebäuden installiert. Davon gebe es insgesamt 15 Stück.

Auf einem Hinweisschild werden die Kraftfahrer gebeten, die Zigarettenkippen nicht aus dem Fahrzeug zu werfen.
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Bayern erhöht Waldbrandwarnstufen

Ebenfalls wegen Hitze und fehlenden Regens ist die Waldbrandgefahr in Bayern deutlich angestiegen. Nach Angaben des bayerischen Forstministeriums vom Mittwoch ist die Gefahr in Nordbayern schon hoch und steigt voraussichtlich im Laufe der Woche weiter. In den Landkreisen Erlangen-Höchstadt, Main-Spessart, Schwandorf und Wunsiedel sei die höchste Warnstufe erreicht. Auch in Südbayern werde die Bedrohung durch Waldbrände größer. Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) warnte dringend vor Grillen oder offenem Feuer in Waldnähe. Auch das bis Ende Oktober geltende Rauchverbot im Wald sei unbedingt einzuhalten.

Darf im Wald geraucht werden?

Auf keinen Fall. Von März bis Oktober gilt ein generelles Rauchverbot in den Wäldern. In Berlin, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern ist das Rauchen im Wald sogar ganzjährig untersagt. Auch achtlos weggeworfene Glasflaschen, Scherben oder Folien können wie Brenngläser wirken und Feuer entfachen.

Was ist mit offenem Feuer?

Offenes Lagerfeuer und Grillen ist nur an besonders gekennzeichneten Feuerstellen erlaubt. Ansonsten darf im Wald und in der Regel in einer Entfernung von 100 Metern zum Waldrand, in einigen Bundesländern nicht unter 50 Metern Abstand, kein Feuer entfacht werden.

Was sollten Autofahrer beachten?

Autofahrer sollten keinesfalls Zigarettenkippen aus dem Fenster werfen. Denn das kann schnell einen Brand auslösen. Beim Ausflug in die Natur sollten Autofahrer nur ausgewiesene Parkplätze nutzen, denn Grasflächen können sich durch heiße Katalysatoren von Fahrzeugen schnell entzünden.

Können Wälder gesperrt werden?

Das ist durchaus möglich. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt zum Beispiel können die Forstbehörden bei hoher Waldbrandgefahr den Wald oder bestimmte Flächen sperren. Das wird durch entsprechende Schilder gekennzeichnet.

Welche Strafen drohen?

Nach dem Strafgesetzbuch ist die fahrlässige und vorsätzliche Brandstiftung allgemein strafbar. Sehr schwere Fälle können mit Gefängnis bestraft werden. Die Waldgesetze der einzelnen Bundesländer regeln außerdem Strafen für diejenigen, die gegen die Vorschriften verstoßen und beim Zündeln erwischt werden. Das bloße Anzünden einer Zigarette zum Beispiel kann Raucher ein Bußgeld zwischen 80 und 100 Euro kosten. In Berlin sieht das Landeswaldgesetz sogar Strafen von bis zu 50.000 Euro vor.

Wie soll man bei einem Brand reagieren?

Bei einem Wald- oder Flurbrand muss sofort die Feuerwehr unter der Notrufnummer 112 oder eine Polizeidienststelle unter der Notrufnummer 110 alarmiert werden. Dabei sollten möglichst der genaue Brandort, das Ausmaß und die Art des Feuers - also ob es am Boden oder in den Wipfeln brennt - und der eigene Standort angegeben werden. Eigene Löschversuche können eine Ausbreitung der Flammen verhindern, allerdings sollte sich niemand unnötig in Gefahr bringen.

Übernimmt die Versicherung den Schaden?

Wer einen Waldbrand verursacht, sollte unbedingt eine private Haftpflichtversicherung haben. Die übernimmt je nach Einzelfall den Schaden. In der Haftpflicht ist lediglich vorsätzliches Handeln ausgeschlossen und somit nicht versichert. Grobe Fahrlässigkeit ist hingegen inbegriffen. Fahrlässigkeit heißt, dass jemand einen Schaden zwar nicht willentlich herbeiführt, aber die erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt. Je nach Schwere der Mitschuld wird zwischen einfacher und grober Fahrlässigkeit unterschieden.

Die Waldbrandgefahrenstufen im Überblick

Waldbrandgefahrenstufe 1

Waldbrandgefahrenstufe 1

Der Wald kann ohne Einschränkungen betreten werden und die Waldbrandwarnung ist aufgehoben.

Waldbrandgefahrenstufe 2

Waldbrandgefahrenstufe 2

Es gibt keine grundsätzliche Einschränkung beim Betreten des Waldes. Um Zündquellen zu vermeiden, ist erhöhte Vorsicht geboten. Fahrzeuge dürfen weiter auf Waldparkplätzen abgestellt werden. Wege mit trockener Bodenvegetation nur im unbedingten Notfall befahren.

Waldbrandgefahrenstufe 3

Waldbrandgefahrenstufe 3

Es besteht eine erhöhte Waldbrandgefahr. Die zuständige Behörde darf den Wald sperren. Das Betreten des Waldes ist weiterhin erlaubt, aber bei der Nutzung von Waldparkplätzen ist erhöhte Vorsicht geboten (Stichwort: heiße Auspuffanlagen). Öffentliche Feuerstellen oder Grillplätze im und am Wald dürfen nicht mehr genutzt werden.

Waldbrandgefahrenstufe 4

Waldbrandgefahrenstufe 4

In Waldgebieten sollten öffentliche Straßen und Wege, sowie Waldwege aller Art nicht verlassen werden. Die Fortbehörde kann ausgewiesene Parkplätze, sowie touristische Einrichtungen im Wald sperren. Die zuständigen Behörden treffen gegebenenfalls zusätzliche Brandschutzmaßnahmen.

Waldbrandgefahrenstufe 5

Waldbrandgefahrenstufe 5

Die Forstbehörde und der Waldeigentümer dürfen den Wald sperren. Der Wald sollte weder betreten noch befahren werden. Ausnahmen gelten nur zu Kontrolltätigkeiten durch die Forstbehörde, sowie für Kräfte des Brandschutzes, Rettungsdienstes oder Katastrophenschutzes.

Quellen: dpa/Deutscher Feuerwehrverband

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Eine Flasche und ein Glas Cola, davor liegen Eiswürfel
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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 01. Juli 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juni 2019, 18:33 Uhr

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