Zoonose Tularämie - Was die Hasenpest ist und wie sie übertragen wird

Tularämie - im Volksmund auch Hasenpest genannt - befällt vor allem den Feldhasen und andere Nager. Doch das Bakterium kann auch auf den Menschen übertragen werden und endet unbehandelt oft tödlich. BRISANT über die Symptome der Zoonose und wie Sie sich schützen können.

Europäischer Feldhase
Feldhasen sterben binnen zwei Wochen an der Tularämie. Bildrechte: imago images/blickwinkel

Tularämie - im Volksmund auch Hasenpest genannt - kommt auf der ganzen Welt vor. Ausgelöst wird die Krankheit vom Stäbchenbakterium Francisella tularensis. Es kann auch auf den Menschen überspringen - Mediziner sprechen in diesem Fall von Zoonose. Sie unterliegt der Meldepflicht.

Eine andere Zoonose ist übrigens das Coronavirus, das wahrscheinlich von der Fledermaus auf den Menschen übersprang. Im Gegensatz zum Bakterium Franciscella fühlt sich das Coronavirus im menschlichen Körper wohl und vermehrt sich. Übertragungen der Hasenpest von Mensch zu Mensch sind nicht bekannt.

Tularämie - für Feldhasen tödlich

Der in Mitteleuropa beheimatete Bakterien-Stamm lebt vorrangig im Feldhasen. Der Erreger kommt aber auch bei Kaninchen, Mäusen, Wühlmäusen, Bibern, Ratten oder Eichhörnchen vor. 188 Feldhasen wurden 2020 allein in Bayern auf Tularämie positiv getestet. Jüngst wurden zwei Fälle aus Nordrhein-Westfalen gemeldet (Anfang Mai): aus dem Kreis Paderborn und dem Kreis Mettmann.

Innerhalb von zwei Wochen ist ein infizierter Hase tot. Man erkennt kranke Tiere gut an ihrem apathischen Verhalten, dem fehlenden Fluchtreflex und vereiterten Augen. Sie taumeln und haben oft struppiges Fell. Francisella tularensis überlebt im Boden oder Wasser monatelang! Daher ist eine Ausrottung des Bakteriums nahezu ausgeschlossen.

Junges Kaninchen von Mann gehalten
So niedlich, doch Kaninchen können todbringende Bakterien in sich tragen. Bildrechte: Colourbox.de

Erreger auf Mensch übertragbar

Der Erreger springt auf den Menschen über - hier sind vorrangig Jäger in Gefahr, die sich über ein krankes Tier infizieren. 2019 hat das Robert Koch-Institut 72 Fälle registriert - für ganz Deutschland.

Auch Haustiere können Überträger sein. Zwar erkranken Hunde und Katzen nur in seltenen Fällen selbst an der Hasenpest, können das Virus aber an Menschen weitergeben.

Meist gelangt das Bakterium über ungeschützten Hautkontakt mit kontaminierten Tieren in den Menschen, zum Beispiel beim Schlachten oder Häuten. Mediziner beobachten aber auch andere Infektionswege: durch das Einatmen von Staub (durch Mäusekot kontaminiertes Heu, staubige Erde, Rasenmähen) oder das Berühren von Schlamm. Wichtig zu wissen: Auch Zecken können bei der Übertragung eine wichtige Rolle spielen.

Diese Symptome gibt es beim Menschen:

  • plötzliches hohes Fieber
  • Geschwüre an der Eintrittsstelle
  • Lymphknotenschwellung
  • Lungenentzündung (bei Infektion über eingeatmeten Staub)
  • starker Husten
  • Atemnot
  • entzündete Augen (durch Berührung mit kontaminierten Händen)
  • Muskel- und Gliederschmerzen
  • Durchfall

Die Sterblichkeit bei unbehandelter Tularämie ist hoch. Ein Drittel der Infizierten stirbt. Wird die Krankheit erkannt, ist sie gut mit Antibiotika behandelbar.

So schützen Sie sich vor der Hasenpest

  • Tragen Sie bei Kontakt mit Hasen (tot oder lebendig!) Einweghandschuhe
  • Tragen Sie beim Enthäuten eine Atemmaske
  • Untersuchen Sie die inneren Organe - häufig sind Milz und Leber des Tieres stark geschwollen
  • Bringen Sie bei Verdacht den Kadaver zur zuständigen Veterinärbehörde
  • Wildgerichte nur gut durchgegart verzehren! Der Erreger überlebt in gefrorenem Hasenfleisch bis zu drei Jahre!
  • Leinen Sie Hunde in der Natur an. Lassen Sie den Hund nicht an Kadavern nagen
  • Bei Verdacht: Einweghandschuhe tragen und Schnauze und Kopf des Hundes gründlich abwaschen

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 07. Mai 2021 | 17:15 Uhr

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