Mit Tipps von einer Tierdetektivin Vermisst - Was tun, wenn Hund oder Katze verschwinden?

Hund und Katze können des Menschen treueste Begleiter sein. Doch was tun, wenn der geliebte Vierbeiner entlaufen ist? Mit unseren Tipps ist die Chance groß, den tierischen Freund wohlbehalten zurückzubekommen.

Eine Vizsla-Hündin in ihrem Hundekörbchen.
Der Horror eines jeden Tierbesitzers - Hund oder Katze sind plötzlich verschwunden. (Archiv) Bildrechte: dpa

Lassen Sie Ihr Haustier kostenlos registrieren!

Bauen Sie für den Ernstfall vor, indem Sie Ihr Tier registrieren lassen. Name, Aussehen, besondere Kennzeichen, Chip-Nummer, Wohnort - wer diese Angaben bei Organisationen wie dem Haustierregister des Deutschen TierschutzbundesTasso e.V. oder der Tiermeldezentrale hinterlegt, hat im Vorfeld fast alles getan, was möglich ist. Der Service ist übrigens kostenlos.

Bereiten Sie Ihren Hund auf den Straßenverkehr vor

Eine Horrorvorstellung für jeden Hundehalter: Der Vierbeiner ist entlaufen - und fällt dem Straßenverkehr zum Opfer. Ebenfalls in die Kategorie "Vorsorge" fällt es, seinen Hund mit dem Straßenverkehr vertraut zu machen. Umso größer ist die Chance, dass ihm das auch dann gelingt, wenn Sie nicht an seiner Seite sind.

Wenn der Ernstfall eintritt: Geplant suchen und Ruhe bewahren

Sind Hund oder Katze verschwunden, liegen die Nerven blank. Dabei ist es gerade jetzt wichtig, die Ruhe zu bewahren und strategisch vorzugehen. Sich blindlings auf die Suche zu machen, gehört nicht dazu. Markieren Sie sich in einer Karte oder App, wo Sie bereits nach dem Tier gesucht haben. Dort sollten Sie auch eintragen, wenn Ihr Liebling irgendwo gesichtet wurde.

Ein Katalanischer Schäferhund läuft durch einen Wald
Hunde lassen sich schnell ablenken oder erschrecken vor einem Geräusch. Bildrechte: IMAGO

Damit Ihr Haustier so schnell wie möglich zu Ihnen zurückkehrt, darf keine Zeit verschwendet werden. Denn die Erfahrung zeigt: Die ersten 48 Stunden nach dem Verschwinden sind entscheidend. Die meisten Tiere tauchen innerhalb dieser Zeitspanne wieder auf. Ist das nicht der Fall, können - je nach Tier - folgende Tipps helfen.

Was tun, wenn das Haustier entlaufen ist?

  • An Ort und Stelle bleiben

Kommt der Hund beim Spaziergang nicht zurück, sollten Sie an Ort und Stelle bleiben. Hunde haben ein gutes Gehör und finden auch über Gerüche wieder zurück. Müssen Sie den Ort verlassen, lassen Sie ein Kleidungsstück zurück.

Öffnen Sie nachts das Gartentor oder die Haustür. Oft kehren Hunde erst nach vielen Stunden wieder zurück.

Verschwinden Katzen plötzlich, suchen Sie in Keller, Garage, Dachboden, Nachbarschaft. Katzen bewegen sich in der Regel in einem Umkreis von 400 bis 1.000 Metern.

Ragdoll-Katze kommt auf den Betrachter zu.
Katzen bewegen sich in der Regel in einem Umkreis von 400 bis 1.000 Metern. Bildrechte: IMAGO / Frank Sorge

  • Mit Futter und Geräuschen locken

Bleibt das erfolglos, kann man versuchen, das Tier mit gewohnten Geräuschen oder Futter anzulocken. Der Tierbesitzer (sein Geruch ist entscheidend!) sollte vor seiner Tür einen Futternapf bereitstellen, der regelmäßig kontrolliert wird. Als Lockmittel können Spuren aus Baldriantropfen (für Katzen) oder Pansenmehl (für Hunde) zum Napf führen.

  • Wenn der Hund 48 Stunden weg ist

Nach mehreren Tagen fällt der Hund in seinen Instinktmodus zurück. Er erkennt dann die Stimme des Herrchens nicht mehr sofort, auch nicht seinen eigenen Namen! Allein über den Geruch kann eine Wiedervereinigung erfolgen. Das ist besonders bei ängstlichen Hunden oder ehemaligen Straßenhunden der Fall.

Sollten Sie oder andere Personen den Hund sichten, tun Sie nichts! Setzen Sie sich ruhig hin und warten Sie, bis der Hund von alleine zu Ihnen kommt.

Ein Hund schnüffelt an einer Hand.
Hunde reagieren nach einiger Zeit allein auf den Geruch des Besitzers. Bildrechte: Colourbox.de



  • Katzen am frühen Morgen und in der Dämmerung suchen

Handelt es sich bei Ihrem vermissten Vierbeiner um eine Katze, sollten Sie sich bevorzugt in der Dämmerung oder am frühen Morgen auf die Suche machen. Tagsüber halten sich Katzen gern versteckt und kommen erst raus, wenn es draußen ruhiger geworden ist.

  • Nachbarschaft, Tierheime und -ärzte kontaktieren

Geben Sie der Nachbarschaft, den Tierärzten, Tierheimen, dem Förster und der Polizei Bescheid, dass Sie Ihr Tier vermissen. Auch die Autobahn- und Bundespolizei sollten kontaktiert werden. Auf Bahnstrecken und Autobahnen sind entlaufene Tiere für alle Beteiligten eine große Gefahr.

  • Wasserfeste Suchplakate aufhängen

Bitten Sie Freunde oder Nachbarn, wasserfeste Suchplakate und Flyer aufzuhängen. Diese sollten ein Foto, eine detaillierte Beschreibung und natürlich Ihre Telefonnummer enthalten. Hängen Sie die Plakate nicht selbst auf, da Sie sonst Ihren Geruch unnötig verteilen.

  • Online-Suche in sozialen Netzwerken und Kleinanzeigen

Nutzen Sie die Kraft sozialer Netzwerke! Stellen Sie Ihr Suchplakat online - und viele Tierfreunde werden es teilen. Vielleicht stößt auch jemand auf Ihr Gesuch, der glaubte, ein herrenloses Tier aufgenommen zu haben - und wird nun eines Besseren belehrt.

Auch ein Blick in Auktionsportale oder Kleinanzeigen kann lohnen. Nicht selten werden gestohlene Tiere dort zum Kauf angeboten.

Pettrailer oder Tierdetektive helfen

Hilft alles nichts, können auch "Pettrailer" helfen. Das sind Tiersucher mit speziell ausgebildeten Hunden. Dafür sollten die Decke oder Haarproben des Tieres (z.B. aus der Fellbürste) in einer Tüte aufbewahrt werden. Dann können die Suchhunde den Geruch des vermissten Tieres aufnehmen.

Tanja Weidler mit Suchhund Emma, 2012
Pettrailer können mit speziell ausgebildeten Hunden bei der Suche nach dem vermissten Haustier helfen. Bildrechte: IMAGO / Olaf Wagner

Der Einsatz eines Suchhundes ist sinnvoll, wenn:

  • der Hund nach einem Unfall vermutlich verletzt ist
  • der Hund sehr alt oder sehr jung ist
  • der Hund krank ist und Medikamente benötigt
  • der Hund mit Leine weggelaufen ist (Strangulationsgefahr)


Tierdetektive arbeiten mit Spezial-Käfigen, die mit Futter präpariert werden. Will das Tier an das Futter im Käfig, reagiert der Bewegungsmelder und die Tür schließt sich. Mit diesem Trick wurde schon so manches Tier wieder eingefangen.

GPS-Tracker als Hilfsmittel

Die Angst, dass der vierbeinige Freund verloren geht, ist bei den Besitzern groß. Dabei muss es nicht immer um Diebstahl gehen. Es reicht schon aus, wenn Fiffi plötzlich ein Eichhörnchen entdeckt und im Busch verschwindet - im Idealfall nur für ein paar Minuten. Dauert es länger, kann ein sogenannter GPS-Tracker helfen.

Dieser wird beispielsweise am Halsband des Tieres befestigt und man kann jederzeit auf dem Smartphone sehen, wo sich der Hund gerade befindet. Die Akkulaufzeit solcher Geräte beträgt meist einige Wochen und der monatliche Service kostet nur wenige Euro - ein Preis, den im Fall der Fälle sicher jeder Hundebesitzer gern bezahlt.

Quelle: K9/tasso/Bundestierärztekammer/Tierschutzbund

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 31. August 2021 | 17:15 Uhr

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