Klimaschutz Klimaneutral heizen - welche Heizung ist am umweltfreundlichsten?

Etwa 17 Prozent der CO2- Emissionen in Deutschland werden von privaten Haushalten verursacht - vorrangig für Heizung und Warmwasser. Öl, Gas, Holz oder Strom - wie klimafreundlich sind die einzelnen Heizungssysteme? Und was bedeutet es, umweltfreundlich zu heizen? Ein Überblick.

Rauschwaden aus einem Kamin bei klirrender Kälte
Wie klimafreundlich eine Heizung ist, hängt von der Art der eingesetzten Rohstoffe und der Menge an CO2 und Feinstaub ab, die bei der Verbrennung freigesetzt werden. Bildrechte: imago/Roland Mühlanger

Wer zu Hause klimafreundlicher leben möchte, sollte beim Heizen damit anfangen. Mehr als 80 Prozent des Endenergieverbrauchs privater Haushalte in Deutschland werden für Heizung (Raumwärme) und Warmwasser genutzt.

Wie klimafreundlich eine Heizung ist, hängt zum einen von der Art der eingesetzten Rohstoffe und der Menge an CO2 und Feinstaub ab, die diese bei der Verbrennung freisetzen. Zum anderen aber auch von der Effizienz der Heizungstechnik selbst. Denn je besser die eingesetzten Rohstoffe genutzt werden, umso geringer ist letztlich der Verbrauch.

Solar Panel
Am klimafreundlichsten sind Heizungen, die erneuerbare Energien nutzen. Bildrechte: imago images/catalby

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CO2- und Feinstaub-Ausstoß - weshalb sind sie so gefährlich?

Durch den Anstieg der CO2-Teilchen in der Atmosphäre kann immer weniger der von der Erde abgestrahlten Wärme ins Weltall entweichen. Das führt dazu, dass die Temperaturen auf der Erde steigen - mit bedrohlichen Auswirkungen.

Unter Feinstaub versteht man kleinste Partikel, die vor allem bei Verbrennungsprozessen entstehen. Sie befinden sich in der Luft und dringen über die Atemwege in den menschlichen Körper ein. Dort sorgen die Feinstaubpartikel für Schleimhautreizungen, Entzündungen und andere Krankheiten.

Vor- und Nachteile der einzelnen Heizungssysteme

Heizen mit Heizöl - auf dem Land ein Klassiker

Vor allem in ländlichen Gebieten gab es lange keine Alternativen. Dennoch: Ölheizungen haben den mit Abstand höchsten CO2-Ausstoß. Deshalb ist ab 2026 ihr Verbot geplant. Tritt es in Kraft, dürfen ab diesem Zeitpunkt keine neuen Ölheizungen mehr eingebaut werden.

Ein weiterer Nachteil: Öl ist ein fossiler Brennstoff - und damit endlich. Außerdem schaden sein Abbau und Transport der Umwelt und dem Klima. Einen kleinen Vorteil hat das Heizen mit Heizöl aber dennoch: Der Feinstaub-Ausstoß ist deutlich niedriger als beispielsweise bei einer Pellet-Heizung. Und: Ölheizung ist nicht gleich Ölheizung. Moderne Öl-Brennwertkessel gewinnen auch aus den Abgasen Wärme. Darum heizen sie deutlich energie- und kostensparender als alte Modelle.

Letztlich ist es auch mit Öl-Heizungen möglich, klimaneutral heizen - indem man gezielt das deutlich teurere klimaneutrale Heizöl bestellt. Da Heizöl größtenteils aus fossilem Erdöl besteht, investieren die Anbieter in Ersatzmaßnahmen, um die CO2-Emissionen auszugleichen.

Je nach Heizungsanlage kann gegebenenfalls auch mit Bio-Heizöl geheizt werden. Doch komplett bio ist auch das nicht. Dem herkömmlichen Heizöl werden lediglich bis zu zwanzig Prozent pflanzliche Öle beigemischt.

Gas - viel CO2-, wenig Feinstaub-Ausstoß

Gasheizungen sind eine etwas umweltfreundlichere Alternative zur Ölheizung, denn sie belasten das Klima mit weniger CO2. In Sachen postiver Feinstaub-Bilanz sind Gas-Heizungen sogar der Spitzenreiter unter den gängigen Heizsystemen. Dennoch: Auch Gas ist ein fossiler Brennstoff und dadurch nur endlich verfügbar. Und: Bei der Erdgasgewinnung und beim -transport kommt es zu massiven Methan-Emissionen - und das ist für das Klima sogar deutlich schlimmer als CO2.

Alternativ kann auf Biogas gesetzt werden. Doch auch das ist weniger umweltfreundlich, als sein Name vermuten lässt. In Biogasanlagen werden pflanzliche und tierische Stoffe unter dem Einsatz von Mikroben vergärt und das so gewonnene Biogas zur Energiegewinnung genutzt. Allerdings stammen nur etwa zwanzig Prozent der eingesetzten pflanzlichen und tierischen Stoffe aus Bio-Abfällen und Gülle. Zur Verwendung kommt zum Beispiel Mais, der extra dafür angebaut wird.

Fernwärme - die umweltfreundliche Alternative?

Häufig wird Fernwärme als umweltfreundliche Alternative zu Öl oder Gas beworben. Ob das stimmt, hängt jeweils von Art der Wärmeerzeugung ab. Fernwärme entsteht in Kraft- oder Heizwerken und gelangt über ein Rohrsystem zum Kunden. Als Brennstoffe werden vor allem Erdgas und Kohle eingesetzt, aber auch Abwärme von Industrie- oder Müllverbrennungsanlagen.

Fakt ist: Da die Fernwärme erst über ein Leitungssystem zum Kunden gelangt, kommt es zu Energieverlusten.

Mit Solarthermie CO2-neutral heizen 

Energieautark leben und klimaneutral heizen kann man mit einer Solarthermieanlage. Die Technik wandelt kostenfreie Sonnenstrahlung in Wärme um, die sie dann in einem großen Wasserspeicher bevorratet. Bei entsprechender Auslegung lässt sich ein energiesparend gebautes Haus auch im Winter mit der Sommerwärme beheizen.

Wird der Vorrat doch einmal knapp, kann man mit einer Holzheizung für zusätzliche Wärme sorgen. Insgesamt gibt die Technik kaum CO2 an die Umgebung ab. Lediglich der Strom für Regelung und Pumpen ist dabei mit einem gewissen Schadstoffausstoß verbunden. Es sei den, man setzt auf Ökostrom.

Wärmepumpen: Luft, Wasser und Erde als Wärmequelle

Auch mit einer Wärmepumpe kann man nahezu klimaneutral heizen. Sie bezieht etwa 75 Prozent der Heizwärme aus der Luft, der Erde oder dem Wasser. Der offene Bedarf lässt sich in der Regel mit Strom decken.

CO2-neutral ist die Wärmepumpe allerdings nur, wenn man Ökostrom bezieht oder die nötige elektrische Energie mit einer Photovoltaikanlage selbst erzeugt. Dann funktioniert die Heizung nicht nur klimaneutral, sondern sogar weitgehend energieautark.

Heizen mit Holz und Holzpellets

Holz ist ein natürlicher Rohstoff, der im Wachstum viel Kohlenstoffdioxid aus der Luft in Sauerstoff umwandelt. Bei seiner Verbrennung setzt er die gleiche Menge CO2 wieder frei, wodurch insgesamt ein ausgeglichener Kreislauf entsteht. Wer klimaneutral heizen möchte, kann Holz in Form von Scheiten oder Pellets verbrennen.

Allerdings haben Holz- und Pelletheizungen einen großen Nachteil: Beim Verbrennen stoßen sie vergleichsweise viel Feinstaub aus. Doch mit modernen Partikelabscheidern für Holzheizungen und Kamine lassen sich die Feinstaubwerte senken. Die Systeme erfüllen die gesetzlichen Vorgaben und tragen einen großen Teil zum Klimaschutz bei.

Bilanziell klimaneutral heizen - was ist das?

Neben dem "echten" klimaneutralen Heizen kann man auch bilanziell CO2-neutral heizen. Möglich ist das mit klimaneutralen Brennstoffen. Dabei handelt es sich in der Regel um fossile Rohstoffe wie Gas oder Öl.

Der einzige Unterschied: Anbieter nutzen einen Teil der Verkaufserlöse, um Klimaprojekte zu fördern. Sie investieren beispielsweise in Windkraft oder Wiederaufforstung, um die in den fossilen Rohstoffen enthaltene CO2-Menge an anderer Stelle einsparen zu können.

Radiator auf grüner Wiese
Klimaneutral heizen geht notfalls auch mit klimaneutralem Gas oder Öl. Bildrechte: imago/ PantherMedia

Umweltfreundlich heizen - egal mit welchem Brennstoff

Nicht nur durch besonders klimafreundliche Heizungsanlagen lassen sich Energieverbrauch und Heizkosten senken. Ist ein Haus nicht gut gedämmt, sind Fenster und Türen undicht, geht jede Menge Wärme verloren. Wertvolle Energie, die nicht genutzt wird.

Auch die Einrichtung der Heizungsanlage und ihre Anpassung an die Lebenssituation der Bewohner ist entscheidend. Und: Nicht jeder Raum benötigt die gleiche Temperatur. Bereits ein Grad Unterschied macht sich in der Heizkostenabrechnung bemerkbar.

Quellen: co2online.de/mein-klimaschutz.de/verbraucherzentrale.de/
umweltbundesamt.de/BRISANT

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. Oktober 2021 | 17:15 Uhr

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