Abkochgebot Nach Hochwasser - Was Sie beim Trinkwasser beachten sollten

Mit dem Hochwasser kommt der Dreck und oftmals sind auch Trinkwasserrohre beschädigt. Kann man das Leitungswasser trotzdem bedenkenlos trinken? Wann sollte es abgekocht werden - und wer informiert darüber? Brisant mit Antworten.

Schmerzmittel im Trinkwasser
Warnen die Behörden nicht, können Sie Leitungswasser bedenkenlos trinken. Bildrechte: Colourbox.de

Vielerorts war die Trinkwasserversorgung in Gebieten, die vom Hochwasser betroffen sind, unterbrochen. Einige Orte haben noch immer kein fließend Wasser aus dem Hahn. Das ist derzeit in der Stadt Stolberg bei Aachen der Fall. Dort sind die Leitungen sind ganz einfach weggerissen oder beschädigt, sagte eine Sprecherin des örtlichen Wasserversorgers. Das Wasser in Stolberg soll in den Gebieten, in denen es wieder läuft, vor Gebrauch abgekocht werden.

Auch im Kreis Mettmann, in Mülheim an der Ruhr, Teilen von Oberhausen und Bottrop gab es wegen Verunreinigungen und der extremen Chlor-Behandlung des Wassers ein Abkochgebot. Auch der Kreis Euskirchen empfiehlt ein Abkochen von Trinkwasser. (Stand: 19.07.)

Ist die Trinkwasserversorgung unterbrochen, kommen Wasserwagen oder Helfer mit Mineralwasser-"Sixpacks".

Hochwasser kann Trinkwasser verunreinigen

Wenn Wasserleitungen vom Hochwasser beschädigt sind, können Schmutz, Darmbakterien oder Kolibakterien aus der Umgebung hineingeraten und das Trinkwasser verunreinigen. Denn dann sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Abwasserrohre beschädigt und alles mischt sich zu einer Brühe.

Die örtlichen Gesundheitsämter überwachen mit Messungen permanent das Trinkwasser. Solange es keine offizielle Warnung der örtlichen Gesundheitsbehörden gibt, dass man Leitungswasser vor Gebrauch abkochen soll, können Sie es bedenkenlos trinken, damit kochen oder sich damit waschen.

Die Warnung erfolgt über Zeitungs- oder Onlineberichte, die NINA-Warn-App des Bundes oder (wo Internet und Strom ausgefallen sind) über Lautsprecherdurchsagen oder Handzettel/Aushänge.

Eine Wasseraufbereitungsanlage aus Zwickau bringen die 9 Mann in das Katastrophengebiet
So eine verpackte Wasseraufbereitunganlage kann rund 20.000 Liter Wasser pro Stunde in Trinkwasser verwandeln. Bildrechte: imago images/Eibner

Was bei einer Warnung zu tun ist

  • Kochen Sie das Wasser drei Minuten lang sprudelnd - das überlebt kein Bakterium!

  • Lassen Sie das Wasser abkühlen und verwenden Sie es danach zum Trinken, Kochen, Zähneputzen, Obst abwaschen oder duschen. Auf eine Dusche oder ein Wannenbad mit Leitungswasser sollten Sie bei Kleinkindern oder Kranken verzichten, bis die Warnung aufgehoben ist. Bakterien können über den Mund, Schleimhäute oder offene Wunden in den Körper gelangen.

  • Die Waschmaschine oder den Geschirrspüler können Sie aufgrund der hohen Temperaturen problemlos laufen lassen.

  • Bei übergelaufenen Hausbrunnen sollte das Wasser abgekocht werden, bis der Betrieb des Brunnens wieder bestimmungsgemäß läuft und die Wasserproben in Ordnung sind.  
  • Auch Trinkwasser für Haustiere sollten Sie abkochen.

Oftmals riecht das Trinkwasser nach einem Hochwasser verstärkt nach Chlor. Dies ist eine Folge des vorsorglichen Handelns der Wasserversorger, die Chlor zur Desinfektion des Trinkwassers einsetzen. Damit wollen sie laut Umweltbundesamt Keime abtöten oder einer Verkeimung vorbeugen. Das zugesetzte Chlor ist nicht gesundheitsschädlich und verflüchtigt sich schnell.

Bereits ein Liter Altöl kann eine Million Liter Wasser unbrauchbar machen. 

Ein Trinkwasserschutzgebietschild mit Büschen.
Trinkwasserschutzgebiete müssen vor Verschmutzung geschützt werden. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Aktuelle Situation in Hochwassergebieten

Das Landesumweltamt (LANUV) in Nordrhein-Westfalen rechnet damit, dass durch das Hochwasser Heizöl, Diesel und andere Schadstoffe in Gewässer eingespült werden. Bereits am Donnerstag - kurz nach der Flut - wurden die ersten Ölschlieren auf dem Rhein bei Bad Honnef entdeckt. Grund seien vermutlich vorrangig aufgerissene Heizöltanks und Kraftstoffe aus den weggespülten Autos. Auch Tankstellen wurden überflutet und beschädigt.

Am Sonntag haben Behörden die Wuppertalsperre im Oberbergischen Kreis gesperrt. Aus überfluteten Betrieben seien "verschiedene Stoffe, darunter auch Öl" ausgetreten, meldete die Deutsche Presse-Agentur. Der Wupperverband untersagt deshalb derzeit die Freizeitnutzung der Talsperre. Bootstouren, Angeln, Baden und Tauchen sind verboten.

Trinkwasserversorgung: Vom Aquädukt zum Wasserturm

Radrennfahrer überqueren bei Tour de France Pont Du Gard
Aquädukte dienten zum Wassertransport. Eines der bekanntesten ist das Pont du Gard in Südfrankreich - ein technisches Wunderbauwerk kurz vor Beginn unserer Zeitrechnung: Die Baumeister mussten einen Höhenunterschied von 17 Höhenmetern überbrücken und einen Fluss in einem 50 Meter tiefen Tal überqueren. Drei Jahre lang wurde gebaut, bis zu 1.000 Menschen arbeiteten an dem Bauwerk mit seinen 52 Halbbögen. Für die Bögen, die sich im untersten Stockwerk zwischen 15 bis 24 Meter weit spannen, wurden Steine in eine exakte Keilform gehauen. Über 500 Jahre leitete dieses Bauwerk Wasser zur Stadt Nîmes. Bildrechte: imago images / Sirotti
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Aquädukt Les Ferreres
Nur wenig später entstand das Äquadukt Les Ferreres, auch bekannt als "Pont del Diable": 217 Meter ist die Teufelsbrücke im Nordosten Spaniens lang. Die komplette Leitung führte ursprünglich über zehn Kilometer Wasser aus dem Fluss Francolí nach Lleida. Es wurde im ersten Jahrhundert nach Christus unter Kaiser Augustus errichtet. Noch bis ins Mittelalter diente es der Wasserversorgung Tarragonas. Heutzutage werden Aquädukte meist durch Druckrohrleitungen ersetzt. Bildrechte: imago images / GFC Collection
Zellerfeld, Oberer Teich im Spiegeltal, historische Aufnahme
Das Oberharzer Wasserregal ist ein komplexes und raffiniertes Wasserleitungssystem, mit dem Wasserräder angetrieben wurden, die Grundwasser aus den Bergwerksschächten pumpten. Das komplette System besteht aus mehr als 100 Stauteichen, Gräben, die über 300 km quer zu den Hängen verlaufen sowie 30 km unterirdischen Wasserläufen. Über Wasserräder werden die Bergwerken des Oberharzer Bergbaus anzutreiben. Heute gilt es als das weltweit bedeutendste vorindustrielle Wasserwirtschaftssystem des Bergbaus – und ist seit 2010 UNESCO-Weltkulturerbe. Bildrechte: imago images / Artokoloro
Altmühlsee bei Muhr am See
Das "Fränkische Seenland" ist ein Gebiet mit künstlichen Seen etwa 50 Kilometer südwestlich von Nürnberg. Es wurde zwischen 1975 und 2000 angelegt. Was steckt hinter dem Wandel von der landwirtschaftlich geprägten zur Wassertourismus-Region? Die sinkende Wasserqualität in den 60- und 70er-Jahren und der enorme Bedarf von Fabriken und Kraftwerken geben den Ausschlag für die Idee, aus dem wasserreichen Süden Wasser gen Norden, also Franken, umzuleiten. Für die Wasserlandschaft wurden 30 Quadratkilometer Wald- und Ackerfläche aufgegeben. Inzwischen sind die Seen eine beliebte Ausflugsregion und ein komplett eigener Wirtschaftssektor. Bildrechte: imago images / imagebroker
Schwäbisches Handwerkermuseum, Großer und Kleiner Wasserturm und Heilig-Geist-Spital
Wassertürme mit ihren Hochbehältern zur Speicherung von Wasser dienten ursprünglich der Wasserversorgung und sorgten für einen gleichmäßigen Druck im Wassernetz. Die meisten Wassertürme in Deutschland entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Bau des Großen Wasserturms in Augsburg liegt noch weiter zurück - er wurde 1416 fertiggestellt und ist der älteste Wasserturm in Deutschland. Bildrechte: imago images / imagebroker
Wasserturm Reichenbach im Vogtland, 2009
Auch in Mitteldeutschland gibt es noch viele Wassertürme. Der Wasserturm in Reichenbach im Vogtland beispielsweise wurde 1926 im Stil des Funktionalismus errichtet – nach nur fünfeinhalb monatiger Bauzeit. Er ist 28 Meter hoch und kann 500 Kubikmeter Wasser speichern. Bildrechte: imago images / Volker Preußer
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Quelle: Umweltbundesamt/LANUV/swr.de/dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 19. Juli 2021 | 17:15 Uhr

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