Unwetter-Serie in Deutschland Vor, während, nach der Flut: Was tun bei Hochwasser?

Heftige Unwetter und Dauerregen haben in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz für Hochwasser und Überschwemmungen gesorgt - und zahlreiche Menschen das Leben gekostet. Was kann man tun, um gegen dergleiche Naturkatastrophen zumindest ansatzweise gewappnet zu sein? Wie schützt man seine Mitmenschen, sich selbst und sein Hab und Gut? Und was ist zu tun, wenn sich die Wassermassen endlich zurückziehen? Ein Überblick.

Straßensperre mit Schild Hochwasser
Hochwassergefahr - wie kann man vorsorgen und was sollte man vermeiden? Bildrechte: IMAGO / Oliver Vogler

Wie kann man sich auf Hochwasser und Starkregen vorbereiten?

Nicht nur wer in hochwassergefährdeten Gebieten wohnt, sollte auf unerwünschte Wassermassen in den eigenen vier Wänden vorbereitet sein. Manchmal reicht ein Starkregen, um Keller und Wohnung zu überfluten.

Informieren Sie sich über die aktuelle Wetterlage

Ist die Wetterlage unbeständig, sollte man sich in jedem Fall auf dem Laufenden halten. Aktuelle Wettermeldungen und Hochwasserwarnungen gibt's tagesaktuell über den Deutschen Wetterdienst, die Warnapp NINA des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Rundfunk oder Internet.

Informationen zu aktuellen Hochwasserständen findet man bei den Hochwasserzentralen der Länder. Auch die Kommunen informieren über Hochwasserrisikogebiete, einige bieten auf ihren Websites Starkregengefahrenkarten an.

Um gut vorbereitet zu sein, sollte man sich frühzeitig Gedanken darüber machen, wie Kranken und Hilfebedürftigen im Ernstfall geholfen werden kann, wie Haustiere evakuiert werden können, wie die Kommunikation mit den Nachbarn auch ohne Telefon und Smartphone funktioniert - und wer im Haushalt welche Rolle übernimmt.

Vorsorge: Was tun, wenn ein Hochwasser bevorsteht?

Ist ein Hochwasser angekündigt, sollte man nicht abwarten, wie schlimm es wirklich wird, sondern handeln. Denn wenn es ganz schlimm kommt, kann man für einige Zeit von der Außenwelt abgeschnitten sein.

  • Sandsäcke, Schalbretter, wasserfeste Sperrholzplatten und Silikon besorgen
  • Gefährliche Stoffe oder Chemikalien sichern, damit sie nicht vom Wasser erreicht werden
  • Wertvolle Möbel und technische Geräte in hochwassergeschützte Räume bringen
  • Heizöltank gegen den Auftrieb durch Wasser sichern
  • Vorräte aufstocken: ausreichend Lebensmittel und Trinkwasser, ein batteriebetriebenes Radio, Taschenlampe, Campingkocher, evtl. eine Campingtoilette
  • Wichtige Dokumente und Notgepäck bereithalten
  • Insektenschutzmittel, da sich nach Rückgang des Hochwassers Mücken und andere Schädlinge im Haus verbreiten können

Das Wasser steigt - jetzt heißt es handeln!

Sobald klar ist, dass einen das Hochwasser betreffen wird, sollte man vor allem eines tun: ruhig bleiben und besonnen handeln. Sichern Sie Schritt für Schritt Haus, Auto und Fahrzeuge - und helfen Sie denjenigen, die nicht alleine zurecht kommen.

Das Haus vor Hochwasser schützen

  • Keller beräumen, in die Grundwasser eindringen kann oder die volllaufen können
  • Rückstauklappen im Keller überprüfen
  • Fenster, Türen und Abflussöffnungen abdichten
  • Elektrische Geräte und Heizungen in Räumen, die vom Wasser bedroht sind, abschalten - Stomschlaggefahr! Im Zweifelsfall den Strom lieber ganz ausschalten.
  • WICHTIG! Halten Sie sich während des Hochwassers nicht im Keller auf, das ist lebensgefährlich!

Sandsäcke vor einer Haustür in Hebden Bridge, West Yorkshire
Naht das Hochwasser, sollte Sie Fenster, Türen und Abflüsse abdichten. Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Das Auto in Sicherheit bringen

  • Auto rechtzeitig aus gefährdeten Garagen oder von Parkplätzen wegfahren
  • ACHTUNG! Tiefgaragen können bei Hochwassergefahr zu tödlichen Fallen werden!
  • Niemals durch überflutete Straßen fahren - damit gefährden Sie nicht nur sich, Wasser im Motorraum schadet auch Ihrem Auto.
  • Fahrzeug abschleppen lassen, wenn es bis über die Räder im Wasser steht

Leben retten und Mitmenschen helfen

  • Helfen Sie anderen, aber bringen Sie sich dabei nicht selbst in Gefahr!
  • Kinder ggf. vor Eintritt der Gefahr aus dem Überschwemmungsgebiet bringen
  • Fahren Sie in überflutenden Gebieten nicht mit Booten umher, wenn es sich vermeiden lässt.
  • Keine Uferbereiche betreten, es besteht Gefahr von Unterspülungen oder Abbrüchen. Deshalb dürfen auch überflutete oder teilüberflutete Straßen nicht befahren werden.
  • Anweisungen und Absperrungen der Einsatzkräfte befolgen

Ein Badezimmer ist mit schmutzigem Wasser überflutet.
Sinkt das Hochwasser, beginnt für die Betroffenen das große Aufräumen. Bildrechte: IMAGO / Bernd März

Aufräumen und Versicherung: Wie geht es NACH dem Hochwasser weiter?

Sobald das Wasser weicht, geht es an die Bestandsaufnahme und ans große Aufräumen. Aber: Mit den Abpumparbeiten im Haus sollte erst begonnen werden, wenn der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist, ansonsten wird die Bodenwanne des Hauses beschädigt. Achten Sie auf Informationen der Gemeinde.

  • Machen Sie eine Bestandsaufnahme und fotografieren Sie die Schäden für die Versicherung.
  • Wasserreste und Schlamm aus dem Haus entfernen
  • Die Räume so schnell wie möglich trocknen, um Bauschäden oder Schimmel zu vermeiden. Heizgeräte beschleunigen den Prozess.
  • Elektrik, Heizöltanks und in besonderen Fällen die Baustatik sollten von Fachleuten überprüft werden.
  • Wurden Schadstoffe wie Farben, Lacke, Pflanzenschutzmittel, Benzin, Öl etc. freigesetzt, die Feuerwehr informieren.
  • Schmutzige, kaputte Möbel und verdorbene Lebensmittel gehören nicht in den Hausmüll, sondern müssen fachgerecht entsorgt werden.
  • Kein Obst, Gemüse und Salat aus überschwemmten Gebieten essen!

Quelle: bbk.bund.de/BRISANT

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 24. Juli 2021 | 17:10 Uhr

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