Hörbucher selbermachen Gesprochene Erinnerungen - ein klingendes Vermächtnis

In dem Film "Mein Leben ohne mich" spricht Schauspielerin Sarah Pollei als schwer krebskranke Mutter für die kommenden Geburtstage ihrer Kinder, die sie nicht mehr mit ihnen feiern können wird, Glückwünsche auf Band. Eine ähnliche Idee setzt das Projekt "Familienhörbuch" von Judith Grümmer um. Ein klingendes Vermächtnis für den Nachwuchs - ein persönliches Geschenk, das nicht nur für den Ernstfall taugt.

Freudiges Mädchen mit Kopfhörern
Die elterliche Lebensgeschichte als Hörbuch eingesprochen - für Kinder ein einzigartiges Geschenk. Bildrechte: imago images/Westend61

Ein Geschenk für die Zukunft: Ihre Stimme, Ihre Erinnerungen, Ihr Leben - als Hörbuch

Was wird aus meinem Kind, wenn ich nicht mehr bin? Wird es mich vergessen? Eine Frage, die viele schwerkranke Eltern umtreibt - vor allem, wenn der Nachwuchs noch klein ist. Journalistin und Autorin Judith Grümmer hat gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Bonn das Projekt "Familienhörbuch" ins Leben gerufen. Zusammen mit ihrem Team bietet sie jungen PalliativpatientInnen mit kleinen und heranwachsenden Kindern die Möglichkeit, ihre Lebensgeschichte in Form eines Hörbuchs zu erzählen.

Das ist nicht "nur" für die Kinder ein einmaliges Erinnerungsstück, das ihnen hilft, den Verlust des Elternteils zu verarbeiten. Auch dem betroffenen Elternteil hilft die Arbeit am Hörbuch beim Abschiednehmen. Die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn beobachten, inwiefern die Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit den jeweiligen Krankheitsverlauf beeinflusst.

Bislang ist das Projekt "Familienhörbuch" für die Patienten kostenlos und wird durch Spenden finanziert.

Selber eine CD aufnehmen

Sicherlich haben nicht nur schwerkranke Menschen das Bedürfnis, ihren Nachkommen ein akustisches Vermächtnis zu hinterlassen. Ein selbst eingesprochenes Märchen oder auch die eigene Lebensgeschichte, könnten ein wunderschönes und einzigartiges Geschenk von Oma und Opa zur Taufe sein.

Zu Hause eine CD einzusprechen ist gar nicht schwer. Ein Computer mit Micro sowie ein CD-Brenner sind ausreichend. Alternativ finden sich im Internet zahlreiche Anbieter, die einen bei diesem Vorhaben unterstützen.

Tonies, Ting, Tiptoi Create & Co. als Datenträger

Wer an der Lebenswirklichkeit der Kinder direkt anknüpfen oder besonders junge Kinder bedenken möchte, kann seine Erinnerungen auf Systemen wie Tonies, Ting oder auch Tiptoi Create festhalten. Damit können Kinder bereits ab einem Alter von zwei Jahren umgehen. UND: Die Haptik einer Tonies-Figur bzw. die Möglichkeit, Bild und Ton miteinander zu verbinden, wie sie bei Tiptoi Create oder Ting gegeben ist, dürften vor allem kleinere Kinder begeistern.

Ein Nachteil könnte allerdings sein, dass heute nicht absehbar ist, wie lange es diese vergleichsweise jungen Systeme letztendlich geben wird, bis ein neuer Hype die Kinderzimmer erobert hat.

Ein Tiptoi
Kann bereits von den Kleinsten bedient werden: Audiostift Tiptoi Bildrechte: dpa

Erinnerungen in Buchform: Erzähl mal ... Mama, Papa, Oma oder Opa!

Für manche war es ein Fest, für andere eine Qual: das Ausfüllen eines Freundschaftsbuchs. Heute gibt es ganze Bücher, die von einer einzigen Person ausgefüllt werden können. Anhand vorgegebener Fragen können sich Mama, Papa, Oma oder Opa durch ihre Erinnerungen hangeln - und dabei Geheimnisse preisgeben, die sie im persönlichen Gespräch eher für sich behalten würden.

Ergänzt werden können die Spaziergänge durch die eigene Vergangenheit mit Fotos und Zeichnungen. Ist das Buch fertig ausgefüllt, ist ein wirklich persönliches und zudem einzigartiges Erinnerungsstück entstanden und mindestens so schön zu lesen, wie heimlich in Mamas Tagebuch zu schmökern.

Großmutter küsst Enkelkind
Der nachfolgenden Generation die eigenen Lebensgeschichte hinterlassen - ein bleibender Wert. Bildrechte: imago images / Westend61

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. September 2020 | 17:30 Uhr

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