Klimafreundlich wohnen & bauen Möbel, Bauholz & Co. - Welches Holz kann man bedenkenlos kaufen?

Brandrodung der tropischen Regenwälder - und auch um den deutschen Wald steht es aktuell nicht zum Besten. Extremwetter und Schädlinge wie der Borkenkäfer machen den heimischen Bäumen zu schaffen. Dennoch kann und sollte man auf den regenerativen Rohstoff Holz nicht verzichten. Worauf sollte man beim Umgang mit der Ressource Holz achten - und worauf beim Kauf von Möbeln und anderen Holzprodukten?

Waldsterben 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Waldsterben 6 min
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13 bis 15 Millionen Hektar Wald gehen pro Jahr weltweit verloren. Das entspricht einer Fläche von etwa 35 Fußballfeldern, die pro Minute abgeholzt wird. Brandrodung und Raubbau an der Natur lassen vor allem die tropischen Wälder schwinden.

Den deutschen Wäldern macht in erster Linie der Klimawandel zu schaffen. Witterungsextreme wie Hitze, Trockenheit und Stürme bedeuten eine große Gefahr für den Wald. Für den Borkenkäfer sind die höheren Temperaturen ideal, um sich in den geschwächten Bäumen weiter auszubreiten.

Dennoch ist und bleibt Holz einer unserer wichtigsten Rohstoffe - erneuerbar, aber nicht unendlich verfügbar. Denn bis ein Baum zu einer stattlichen Größe herangewachsen ist, können Jahrzehnte vergehen. Deshalb gilt es, mit dem vorhandenen Holz zu haushalten und die Wälder zu schützen. Einen Beitrag dazu kann man bereits mit dem Kauf des "richtigen" Holzes leisten.

Birken stehen in Mitten von toten Nadelbäumen an denen Wanderer vorbei gehen.
Die Trockenheit der Jahre 2019 und 2020 und der Borkenkäfer haben einen groߟen Teil der Fichten im Harz absterben lassen. Bildrechte: dpa

Kohlenstoffdioxid-Speicher Holz

Ob Fenster, Kochlöffel, Schreibtisch oder Parkettboden - jedes aus Holz gefertigte Produkt speichert den Kohlenstoff, den der ursprüngliche Baum, aus dem es gefertigt wurde, der Atmosphäre entzogen hat. Pro Kubikmeter Holz ist das etwa eine Tonne CO2.

Dieser Kohlenstoff bleibt so lange gebunden - und damit der Atmosphäre entzogen - wie das jeweilige Holzprodukt existiert. Im Unterschied zu vielen anderen Rohstoffen, kann Holz am Ende seines Lebenszyklus auch noch energetisch genutzt werden.

FSC-Siegel - Holz aus nachhaltigem Anbau

Egal, ob man ein neues Möbelstück, ein Schneidebrett für die Küche oder ein Holzspielzeug erwirbt - man sollte beim Kauf darauf achten, dass das dafür verwendete Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammt. Ob das der Fall ist, erkennt man an der Besiegelung des Produkts.

Weltweit am verbreitetsten ist das FSC-Siegel des "Forest Stewardship Council", das man auf Holz- und auf Papierprodukten, aber auch auf Schildern im Wald findet. Das FSC-Label steht für strenge Auflagen, die eine umweltfreundliche, sozialförderliche und ökonomisch tragfähige Bewirtschaftung der Wälder gewährleisten sollen.

Tafel mit FSC-Logo an einem Baumstamm.
Das FSC-Siegel steht für strenge Auflagen, die eine umweltfreundliche Bewirtschaft der Wälder gewährleisten sollen. Bildrechte: dpa

Ausnahme Papier - Blauer Engel statt FSC-Siegel

Trägt Papier ein FSC-Siegel, sollte man nicht unbedacht zugreifen. Denn dass bedeutet, dass das Papier-Erzeugnis zumindest überwiegend aus frischen Holzfasern besteht. Und das ist nicht nötig.

Um Waldressourcen zu schonen, rät das Umweltbundesamt zu Papier-Produkten, die mit dem "Blauen Engel" gekennzeichnet sind. Der steht für 100 Prozent Altpapiereinsatz. Außerdem spart die Herstellung von Recyclingpapier im Vergleich zu Frischfaserpapier ca. 70 Prozent Wasser und etwa 60 Prozent Energie. Der Einsatz von Chlor, optischen Aufhellern, halogenierten Bleichmitteln und weiteren gesundheitsgefährdenden Chemikalien sind bei der Aufbereitung von Altpapier verboten.

Das Gütesiegel Blauer Engel für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen.
Gütesiegel für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen: Der Blaue Engel. Bildrechte: imago/epd

Weitere Siegel, die für Nachhaltigkeit stehen: PEFC & Naturland

Das FSC-Zertifikat ist nicht das einzige Nachhaltigkeits-Siegel, auf das man beim Holz- und Möbelkauf stoßen kann. Ende der 90er-Jahre wurde mit dem PEFC-Siegel (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) ein speziell europäisches Zertifizierungssystem eingeführt, um eine nachhaltige Waldbewirtschaftung zu kennzeichnen. In Deutschland sind 7,3 von insgesamt 11,4 Millionen Hektar Wald PEFC-zertifiziert. Das Problem: Das Siegel bewertet pauschal ganze Regionen, Kontrollen werden werden nur stichprobenartig durchgeführt, darüber hinaus vertraut man der Selbstverpflichtung von Forstbetrieben.

Ein weiteres Siegel für nachhaltiges Holz ist "Naturland". Es steht für besonders strenge Anforderungen an eine ökologische und gesundheitsverträgliche Herstellung von Holzprodukten und übertrifft zum Teil sogar die Ansprüche des FSC-Siegels.

Schild mit der Aufschrift "Naturland"
Besonders strenge Anforderungen an eine ökologische und gesundheitsverträgliche Herstellung von Holzprodukten stellt das Naturland-Ökosiegel. Bildrechte: dpa

Finger weg von Tropenholz!

Möbel aus Tropenholz sind widerstandsfähig - und oft besonders preiswert. Das ist möglich, weil die Menschen in den Ursprungsländern verschwindend geringe Löhne erhalten und das Holz für die Weiterverarbeitung nicht extra angebaut wird. Man holzt den Regenwald ab - und das meist illegal.

In der Regel stammen Tropenhölzer wie Mahagoni, Eukalyptus, Teak oder Palisander aus den tropischen und subtropischen Wäldern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas. Dafür werden sehr alte Bäume gefällt, die zuvor hunderte Jahre gewachsen sind. Immer mehr Tier- und Pflanzenarten verlieren dadurch ihren Lebensraum. Und: Ein Wald, der abgeholzt worden ist, kann kein CO2 mehr binden.

Ist man sich beim Kauf unsicher, ob es sich bei einem Holz um Tropenholz handelt, kann man dies an den nicht vorhandenen Jahresringen erkennen. Und: Nicht nur hochwertige Möbel werden aus Tropenholz hergestellt. Selbst für Besenstiele und Grillkohle wird der wertvolle Rohstoff genutzt.

Tropenholz
Tropenholz stammt meist ais illegaler Rodung und hat weite Transportwege hinter sich. Bildrechte: imago/imagebroker

Europäische Laubbäume als Alternative

Auf Tropenholz zu verzichten, ist kein Problem. Das Holz von Lärche, Eiche und Robinie sind gleichwertige heimische Alternativen, wenn man sie gegen Wind und Wetter behandelt. Dann stehen sie Teak- und Eukalyptus-Holz auch in Sachen Langlebigkeit in nichts nach. Auch durch die kürzeren Transportwege wird jede Menge CO2 eingespart.

Checkliste Holz- und Möbelkauf: Worauf sollte man achten?

* auf Tropenhölzer verzichten
* nach Herkunft der Hölzer erkundigen (auch bei Grillkohle!)
* auf regionale Hölzer setzen
* der Kauf von Laubhölzern wie Ahorn oder Buche fördert naturnahe Wälder.
* auf etablierte Siegel achten
* langlebige, hochwertige Holzmöbel bevorzugen
* Recyclingpapier kaufen

Ressourcen schonen: Holz pflegen und bewahren

Wie für alle Rohstoffe, gilt auch für Holz: Am umweltfreundlichsten und nachhaltigsten ist es, Ressourcen zu schonen. Da selbst das widerstandsfähigste Holz vor Witterung und Parasiten nicht gefeit ist, bedürfen Holzprodukte einer regelmäßigen Pflege.

Holzmöbel sollten so verbaut und gelagert werden, dass sie nach einem Regenschauer gut ab- und austrocknen können. Auch Gartenmöbel sollte man nicht tagelang im Regen stehen lassen oder Staunässe aussetzen.

Um lange schön und stabil zu bleiben, bedürfen Holzmöbel einer regelmäßigen Pflege. Nach Jahren des Gebrauchs sollten sie abgeschliffen, verleimt und neu lackiert oder lasiert werden. Dafür möglichst keine fertigen Holzschutzmittel verwenden, denn die enthalten in der Regel umweltbelastende Giftstoffe. Ökologische Alternativen sich Öle und Wachse.

Ein Handwerker verteilt auf einen Dielenboden Oel.
Öle und Wachse sind umweltfreundliche Alternativen zu fertigen Holzschutzmitteln. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. Oktober 2021 | 17:15 Uhr

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