Hintergründe Norwegische Hundekrankheit jetzt auch in Deutschland?

BRISANT | 16.09.2019 | 17:15 Uhr

Eine Reisewarnung für Hundehalter, die nach Norwegen fahren wollen, sorgt für Aufregung unter den Tierfreunden. Jetzt wird sogar über einen ersten Fall in Deutschland gesprochen. Was ist dran an den Gerüchten um die so genannte "Norwegische Hundeseuche"? Gibt es die überhaupt? Was konnten Tiermediziner bislang nachweisen - und ist es möglich, den eigenen Vierbeiner vor einer Erkrankung zu schützen? BRISANT hat nachgehakt.

Ein Hund in einem Korb.
Blutiger Durchfall und Erbrechen? Unbedingt den Tierarzt aufsuchen! Bildrechte: colourbox

Mysteriöse Hundekrankheit in Norwegen

Eine Meldung, die viele Hundebesitzer in Angst und Schrecken versetzt hat. Nachdem es in den letzten Wochen in Norwegen zu mehreren Dutzend Todesfällen bei Hunden gekommen war, hatte der deutsche "Verband der Hundeschlittenvereine" eine Reisewarnung ausgesprochen, um andere Vierbeiner zu schützen.

Doch bis heute stehen die Tierärzte vor einem Rätsel. Zwar hätten die betroffenen Tiere mit blutigem Erbrechen und Durchfall die gleichen Krankheitssymptome gezeigt, zudem sei bei einigen Tieren ein ungewöhnlich hoher Befall an den Bakterien Clostridium perfringens und Providencia alcalifaciens nachgewiesen worden - doch für ein finales Ergebnis reichen die bisherigen Erkenntnisse nicht.

Nach wie vor weiß man nicht, ob die Bakterien ursächlich für den Tod der Tiere verantwortlich sind, eine ansteckende Erkrankung ist eher unwahrscheinlich. Nur, dass der Krankheitsverlauf sehr schnell ist, das hat man beobachtet: Innerhalb von 24 Stunden kann ein gesundes Tier plötzlich tot sein - auch wenn nicht alle Tiere an der mysteriösen Krankheit sterben.

Erster Todesfall in Deutschland?

Jetzt ist es in Deutschland zu einem Todesfall gekommen, der mit den norwegischen Fällen vergleichbar ist: in Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein. In Norwegen war die Halterin des verstorbenen Tieres nach eigener Aussage nicht. Dennoch sei die Bakteriengattung Providencia alcalifaciens bei dem betroffenen Tier nachgewiesen worden. Darüber hinaus seien in einer Veterinärpraxis in Bad Oldesloe mehrere Tiere mit entsprechenden Symptomen behandelt worden. Ein Internet-Gerücht? Zumindest eine von vier in Bad Oldesloe ansässigen Praxen dementiert.

Gibt es eine "Norwegische Hundeseuche"?

Weder für die zahlreichen Fälle in Norwegen noch die wenigen in Deutschland wäre es derzeit korrekt von einer "Hundeseuche" zu sprechen. Laut Tiergesundheitsgesetz (TierGesG) sind Tierseuchen eine "Infektion oder Krankheit, die von einem Tierseuchenerreger unmittelbar oder mittelbar verursacht wird, bei Tieren auftritt und auf Tiere oder Menschen übertragen werden kann". Beides kann bislang weder für Norwegen noch für Deutschland nachgewiesen werden. Zudem ist das Bakterium providencia alcalifaciens ein schon lange bekanntes Bakterium, das es überall gibt - nicht nur in Norwegen.

Wie kann man seinen Hund schützen?

Solange es keine gesicherten Erkenntnisse über Verbreitung, Verlauf und Zusammenhänge der einzelnen Erkrankungen betroffener Tiere gibt, ist es kaum möglich, seinen eigenen Hund zu schützen. Ruhe zu bewahren dürfte Hund und Halter am meisten helfen. Die "Norwegian Food Safety Authority - Serious illness in dogs" hat norwegischen (!) Hundehaltern folgende Vorkehrungen empfohlen:

  • Halten Sie Ihren Hund an der Leine, um engen Kontakt mit anderen Hunden zu vermeiden.
  • Ansammlungen von Hunden sollten vermieden werden.
  • Lassen Sie Ihren Hund nicht an anderen Hunden schnüffeln, wenn er spazieren geht.
  • Lassen Sie Ihren Hund keine Bereiche schnüffeln oder Material essen, in/an denen andere Hunde gewesen sein könnten.
  • Wenn Ihr Hund blutigen oder sprudelnden Durchfall, Erbrechen oder eine Verschlechterung des Zustands hat, wenden Sie sich an Ihren Tierarzt.
  • Rufen Sie den Tierarzt an, bevor Sie Ihren Hund in die Klinik bringen.
  • Befolgen Sie die Anweisungen Ihres Tierarztes, insbesondere in Bezug auf Impfstoffe.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 16. September 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2019, 22:58 Uhr

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