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Mischlingshündin Sabine ist 15 Jahre alt und verbringt ihren Lebensabend zusammen mit 13 weiteren Hunden in einem Hundehospiz. Bildrechte: dpa

Ein Platz für den LebensabendHundehospiz - Letztes Zuhause für tierische Senioren

Stand: 24. November 2022, 18:36 Uhr

Die Hospizarbeit ermöglicht es, Menschen ein würdiges Leben bis zum Ende zu schenken. Und was für Menschen geht, geht auch für Tiere - zumindest seit ein paar Jahren. Hundehospize nehmen sich tierischen Senioren an und schenken ihnen einen würdigen und schönen Lebensabend.

Alte, kranke Hunde haben oft wenig Chancen, aus dem Tierheim adoptiert zu werden. Viel öfter fällt die Wahl auf junge und vitale Hunde. Wer selbst einen Junghund aus dem Tierheim adoptiert hat, muss deswegen kein schlechtes Gewissen haben. Nicht jeder kann mit älteren und gebrechlichen Hunden umgehen. Sie verlangen eine ganz andere Pflege.

Stephanie Badura kann das. Seit 2014 betreibt sie "Stevie's Hundesenioren-Hospiz". Namensgeber und Inspiration war ihr eigener, mittlerweile verstorbener Vierbeiner.

Hundehospiz vs. Tierheim: Wo liegt der Unterschied?

Hundehospize sind vom Veterinäramt geprüft und nach §11 Tierschutzgesetz zugelassen. Wie viele Hundehospize es in Deutschland gibt, ist nicht klar. Eine Statistik gibt es laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft nicht (dieses Ministerium verwaltet das Veterinärwesen in Deutschland). Doch letztendlich sind es zu wenige. Denn vor allem als Unterstützung für Tierheime sind Hundehospize enorm wichtig, da Erstere ohnehin schon stark überlastet sind.

Die Arbeit von Tierheimen und -hospizen geht Hand in Hand: Während in Tierheimen Hunde vermittelt werden, werden sie in Hospizen auf ihre letzten Tage versorgt und begleitet.  

Hospize geben Vierbeinern, die aufgrund von Alter und schweren Krankheiten nicht mehr vermittelt werden können, einen Gnadenplatz. Hier bekommen sie erforderliche Medikamente, einen Platz zum Spielen, Ruhe, Zeit zum Schmusen und eine Begleitung auf ihrem letzten Weg. Viele Hunde bleiben nicht lang, da ihre letzten Tage bereits angebrochen sind. 

Stephanie Badura leitet "Stevie's Hundesenioren-Hospiz" in Heideblick (Brandenburg). Hier kümmert sie sich aktuell um 14 Vierbeiner. Bildrechte: dpa

Welche Hunde haben ein Anrecht auf einen Platz im Hundehospiz?

Lungenödem, Krebs, Nervenkrankheiten: Die Liste der Krankheiten, unter denen die Vierbeiner im Hospiz von Stephanie Badura leiden, ist lang, denn: Im Hundehospiz werden nur schwerkranke Tiere aufgenommen. Da die Plätze beschränkt sind, wird genau ausgewählt, welcher Hund ein Anrecht auf einen Platz hat. Altersbedingte Gebrechen sind kein Aufnahmegrund. 

Es wird sehr darauf geachtet, dass unwillige Hundehalter ihren betagten Hund nicht einfach ins Hospiz abschieben. Deswegen werden im Vorfeld meist intensive Gespräche geführt. Die meisten Hundehospize arbeiten außerdem eng mit Tierheimen zusammen. Denn wenn dort ein alter, kranker Hund landet, besteht die Möglichkeit, dass er ins Hospiz umzieht.

Wenn eine Privatperson einen Hund ins Hospiz abgeben möchte, muss in der Regel ein Tagessatz für die Unterbringung gezahlt werden. 

Abgabegründe für Hunde sind zum Beispiel:


  • Halter sind aus gesundheitlichen, familiären oder finanziellen Gründen nicht in der Lage, sich um ihre alten Hunde zu kümmern.
  • Hunde sind sehr alt und zudem sehr krank. 
  • Misshandelte Hunde mit physischen und psychischen Leiden.
  • Alte und kranke Hunde, die keinen Besitzer mehr haben.

Die Aufgaben eines Hundehospiz’ 

Fütterung, Pflege, Streicheleinheiten, Physio, Verarzten, Gassirunden, Putzarbeiten, Haussanierung, Bürozeit: Tierliebe allein genügt hier nicht. Um ein Hundehospiz zu leiten oder um in einem zu arbeiten, sind umfangreiche Kenntnisse in der Betreuung und Haltung von Hunden erforderlich. Vor allem, da alte Hunde eine intensive Pflege und Medikation benötigen.

Wie finanziert sich ein Hundehospiz?

Die Betreuung im Hundehospiz kostet Zeit und Geld, die Hunde müssen rund um die Uhr gepflegt werden.

Wie die meisten Tierheime sind auch Hundehospize auf Spenden und Ehrenämter angewiesen. Allerdings muss hier zwischen vereinsgeführten und städtischen Hospizen unterschieden werden. Doch die Regel sind vereinsgeführte Einrichtungen wie auch bei Stephanie Badura.

Ihr "Stevie's Hundesenioren - Hospiz" ist als Verein angemeldet, in dem man für 50 Euro im Jahr Mitglied werden kann. Außerdem kann man Patenschaften für Hunde übernehmen, denen dadurch Medikamente und Futter finanziert werden.

Oft reicht das aber nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. Die größten Posten sind …

  • Wasser, Strom, Müll, Heizung 
  • Tierarzt-und Medikamentenkosten
  • Instandhaltung und ständige Erneuerungen am Gebäude und Gelände

Stephanie Badura ist auf Spenden angewiesen, sonst könnte sie nichtmal die täglichen Futterkosten decken. Bildrechte: dpa

Weitere Tierhospize in Deutschland: 

  • Privates Hundehospiz in Windeck (Nordrhein-Westfalen)
  • Tierhospiz Hof Elise e. V. in Ortenburg (Bayern)
  • Tierhospiz Villa Abendsonne in Münnerstadt (Bayern)
  • Katzen-Hospiz Villa Anima e.V. in Backnang (Baden-Württemberg)
  • Tierhospiz Schelmenstübchen in Dreieich (Hessen)
  • Tierhospiz für Münster
  • Tieroase am Regenbogen e.V., am Mellensee (Brandenburg)

Brisant/dpa/stevies-hundehospiz.de/RND/wdr.de/happy-pet-club.net/senior-hunde.de

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