Pro und Contra Grippe, Masern und Co. - Das sollten Sie zum Thema Impfen wissen

Ist Impfen notwendig? Welche Impfungen gibt es? Welche Imfpungen braucht man und welche Nebenwirkungen können Impfungen haben? BRISANT gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Grippe-Schutzimpfung
Eine Grippe-Schutzimpfung wird in Corona-Zeiten besonders empfohlen. (Archiv) Bildrechte: dpa

Bevor es Antibiotika und Impfungen gab, waren Infektionskrankheiten die häufigste Todesursache auf der Welt. Noch im Jahr 1900 starben jährlich mehr als 65.000 Kinder an Keuchhusten, Diphterie und Scharlach. Durch Impfungen werden die Immunsysteme der Geimpften auf Krankheitserreger wie Viren vorbereitet. Greifen diese Viren dann tatsächlich das Immunsystem an, kann sich der Organismus einer geimpften Person besser dagegen wehren. Oftmals erkranken sie dann gar nicht an Infektionskrankheiten, wie z.B. Masern. Dadurch wird der Impfschutz Einzelner auch zum Kollektivschutz für die gesamte Bevölkerung. Dadurch sind auch solche Menschen geschützt, die aus anderen gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können.

Aktuelle Empfehlung: Grippeschutzimpfung

Mit Blick auf Herbst und Winter wird aktuell vor allem eine Grippeschutzimpfung für Risikogruppen empfohlen. Die Experten raten zur Impfung, um eine Überforderung des Gesundheitssystems während der Corona-Pandemie zu vermeiden. Ein weiterer Grund: Die Symptome bei einer Covid-19-Erkrankung ähneln denen einer Influenza-Erkrankung.

Überblick - Gefährliche Infektionskrankheiten

Masern

Die Masern sind eine durch Viren hervorgerufene, hochansteckende Infektionskrankheit, die vor allem, aber nicht ausschließlich Kinder betrifft. Zu den typischen Symptomen zählen rote Hautflecken, Fieber und ein schlechter Allgemeinzustand. In einigen Fällen können lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungen- oder Hirnentzündungen auftreten.

Mit der Impfung können Sie sich und andere schützen. Der Impfschutz gilt als vollständig, wenn in der Kindheit zwei Masernimpfungen erfolgt sind. Vielen Jugendlichen fehlt hierzulande die zweite Impfung. Experten empfehlen dann, in der Kindheit versäumte Impfungen nachzuholen.

Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden, empfehlen Experten eine einmalige Masernimpfung, wenn sie bisher nicht geimpft sind, sie als Kind nur einmal geimpft wurden oder unklar ist, ob sie schon geimpft wurden.

Keuchhusten

Keuchhusten, auch Pertussis genannt, ist eine durch Bakterien ausgelöste, hochansteckende Infektionskrankheit. Sie verläuft über mehrere Wochen. im Anfangsstadium äußert sich Keuchhusten durch erkältungsartigen Husten, der später in anfallsartige, stakkatoartige Hustenattacken übergeht. Die Attacken treten besonders nachts auf und können von Erbrechen glasigen Schleims begleitet werden. In der letzten Phase nimmt die Zahl der Hustenattacken langsam ab. Eine Keuchhustenerkrankung kann wochenlang dauern und wird deshalb auch "100-Tage-Husten" genannt. Die häufigsten Komplikationen sind Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen sowie Krampfanfälle. In Einzelfällen kann es zu einer Hirnerkrankung kommen, die dauerhafte Schäden nach sich zieht. Besonders bei Säuglingen kann die Krankheit auch tödlich verlaufen.

Die Keuchhusten-Impfung ist für alle Säuglinge ab dem 2. Lebensmonat und Kleinkinder empfohlen. Eine Auffrischung sollte im Vorschul- und dann noch einmal im Jugendalter erfolgen. Erwachsene sollten sich bei der nächsten fälligen Tetanus - und Diphterieauffrischung zusätzlich gegen Keuchhusten impfen lassen.

Influenza (Grippe)

Die Grippe, auch Influenza, wird durch Viren ausgelöst und ist hochansteckend. Die Krankheit beginnt plötzlich mit einem ausgeprägten Krankheitsgefühl im ganzen Körper. Erkrankte leiden an hohem Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Husten und Schnupfen. Auch Übelkeit und Erbrechen sind mögliche Symptome. Zu den häufigsten Komplikationen zählen Gehirnentzündungen, Entzündungen der Skelettmuskulatur und Herzmuskel- sowie Lungenentzündungen. Bei geschwächten, älteren Menschen und Kindern kann die Grippe tödlich verlaufen.

Impfen lassen sollten sich jedes Jahr alle Personen ab 60 Jahren, Schwangere ab dem 2. Trimester und chronisch kranke Menschen. Für gesunde Kinder, Jugendliche und Erwachsene wird die Impfung von der Ständigen Impfkommission nicht explizit empfohlen.

FSME

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis wird durch Zecken übertragen. Sie beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und führt bei einem Teil der Erkrankten zu einer Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute. Die Symptome können mehrere Monate anhalten. In Einzelfällen heilt die Krankheit nur unvollständig aus.

Eine Impfung ist für Kinder und Erwachsene empfohlen, die in Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten, sowie für Menschen, die beruflich gefährdet sind, etwa Forstarbeiter. Auch vor Urlaubsreisen in nicht-deutsche Risikogebiete wird eine Impfung empfohlen. Um vollständig geschützt zu sein, sind drei Impfungen nötig, eine Auffrischung wird alle drei bis fünf Jahre empfohlen.

Tetanus

Tetanus, der Wundstarrkrampf, wird durch Bakterien verursacht, die durch Eindringen von Sporen in Wunden, zum Beispiel durch Tierbisse, in den Körper gelangen. Tetanus befällt die muskelsteuernden Nervenzellen und verläuft meist tödlich. Nach einer Infektion treten zunächst grippeähnliche Symptome auf, etwa Kopfschmerz, Schwindel, Muskelschmerzen und Schweißausbrüche. Anschließend verkrampft die Muskulatur, es kommt zur schmerzhaften Überstreckung und Krämpfen.

Eine Tetanusimpfung sollte erstmals im Kindesalter erfolgen und alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Eine erste Immunisierung kann ab dem 3. Lebensmonat erfolgen. Eine Auffrischungsimpfung wird auch bei Verletzungen, besonders bei einem hohen Verschmutzungsgrad, empfohlen.

Röteln

Röteln sind eine durch Viren ausgelöste, hochansteckende Krankheit, die eine lebenslange Immunität bei Erkrankten hinterlässt. Symptome sind typische rote Hautflecken, sowie Fieber und Lymphknotenschwellungen. Besonders bei älteren Erkrankten kann es in der Folge zu Arthritis, Blutungsneigung oder Enzephalitis kommen. Während einer Schwangerschaft kann eine Rötelninfektion zu schweren Komplikationen führen.

Die Rötelnimpfung erfolgt meist als Dreifach-Impfung Masern-Mumps-Röteln. Sie wird für alle Kinder ab dem zwölften Lebensmonat und für alle Erwachsenen, bei denen keine Antikörper gegen das Rötelnvirus im Blut nachweisbar sind, empfohlen. Danach besteht eine lebenslange Immunität. Besonders Frauen mit Kinderwunsch sollten sich auf Antikörper testen lassen.

Diphterie

Diphterie ist eine bakterielle Infektionskrankheit der oberen Atemwege. Das von den Erregern abgesonderte Toxin kann zu lebensbedrohlichen Komplikationen und Spätfolgen führen. Zu Beginn treten Abgeschlagenheit, Übelkeit und Schluckschmerzen auf. An den Mandeln bildet sich ein weißlich-gelblicher Belag. Je nach Art der Diphterie treten auch bellender Husten und Heiserkeit, starker Schnupfen und Lymphknotenschwellungen auf. Es können in einigen Fällen Komplikationen wie Herzmuskelentzündungen, Kreislaufversagen, Lähmungen, Lungenentzündungen und Nierenentzündungen auftreten.

Eine Impfung ist für Säuglinge ab dem 2. Lebensmonat empfohlen, danach sollte eine Auffrischung mit fünf bis sechs Jahren sowie mit neun bis 17 Jahren erfolgen. Erwachsene benötigen alle zehn Jahre eine Auffrischungsimpfung.

Pneumokokken

Pneumokokken sind Bakterien, die eine Vielzahl von Krankheiten auslösen, darunter den Großteil bakterieller Lungenentzündungen. Eine Infektion kann bei schwerem Verlauf, besonders bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Menschen und chronisch Kranken zum Tod führen. Symptome sind je nach Erkrankung hohes Fieber, Schüttelfrost, eitriger Auswurf, Husten, Ohrenschmerzen und Schnupfen.

Impfen lassen sollten sich vor allem ältere Menschen ab 60 Jahren, Kleinkinder sowie chronisch Kranke und Immmungeschwächte. Säuglinge können ab dem Alter von zwei Monaten geimpft werden. Ein vollständiger Schutz besteht nach drei Impfungen. Eine Auffrischung ist im Abstand von sechs Jahren nur für über 60-Jährige und Vorerkrankte empfohlen.

Polio

Die Poliomyelitis, die Kinderlähmung, ist eine virale Infektionskrankheit. Sie kann zu schwerwiegenden bleibenden Lähmungen führen, die die Extremitäten betreffen. Der Befall der Atemmuskulatur ist tödlich. Auch Jahre nach einer Infektion kann die Krankheit wieder auftreten. Zu den Symptomen zählen Fieber, Halsschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Lähmungen. In Deutschland gilt Polio heute als ausgerottet.

Eine Impfung ist ab dem Säuglingsalter empfohlen. Erwachsene ohne Grundimmunisierung sollten diese nachholen. Geimpft werden sollten auch Erwachsene vor Reisen in Endemiegebiete, wenn die letzte Impfung mehr als zehn Jahre zurückliegt.

HPV

Humane Papillomviren können Gebärmutterhalskrebs bei Frauen sowie verschiedene andere Krebserkrankungen bei beiden Geschlechtern auslösen. Bei Frauen unter 30 Jahren liegt die Infektionsrate bei bis zu 25 Prozent.

Eine Impfung wird empfohlen für alle Mädchen im Alter zwischen neun und 14 Jahren. Spätestens bis zum 18. Lebensjahr sollte eine versäumte Impfung nachgeholt werden. Die Impfserie sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein. Ob eine Auffrischungsimpfung oder Impfung auch bei Jungen sinnvoll ist, ist wegen fehlender Daten noch unklar.

Hepatitis B

Hepatitis B ist eine Infektionskrankheit der Leber durch das Hepatitis B-Virus. Entsteht in der Folge eine chronische Leberentzündung, kann es zu Leberzirrhose und Leberkrebs kommen. Symptome sind bei akutem Verlauf eine Gelbfärbung der Haut, dunkler Urin, Gliederschmerzen, Schmerzen im Oberbauch, Erbrechen und Durchfall. In seltenen Fällen kommt es zu Komplikationen wie einer Beeinträchtigung der Blutgerinnung oder einer Schädigung des Gehirns oder zum Tod.

Da eine Infektion bei Säuglingen und Kleinkindern oft in eine chronische Verlaufsform übergeht, wird eine Impfung ab dem 2. Lebensmonat empfohlen. Nach vier Impfungen besteht eine Grundimmunisierung. Eine Auffrischimpfung ist nicht nötig. Im Erwachsenenalter ist die Impfung besonders gefährdeten Personengruppen empfohlen, darunter Dialyse-Patienten, Menschen mit einer HIV-Infektion oder Personal in medizinischen Einrichtungen.

Windpocken

Windpocken, auch Varizellen genannt, werden durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst. Sie sind hochansteckend und werden auch über einige Meter in der Luft übertragen. Zu den Symptomen zählen Fieber und ein charakteristischer, stark juckender Hautausschlag mit Bläschen. Es können Komplikationen in Form von Hirn- oder Lungenentzündungen oder einer bakteriellen Superinfektion der Haut auftreten. Nach Abklingen der Krankheit verbleiben die Viren im Körper und können in Form einer Gürtelrose später wieder reaktiviert werden. Eine Erkrankung im Erwachsenenalter verläuft meist schwerer als im Kindesalter.

Eine Impfung mit zwei Impfdosen ist im Alter von elf bis 14 Monaten empfohlen. Sie kann zu jedem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Im Erwachsenenalter sollten Personen mit gesundheitlichen Risiken, etwa mit schwerer Neurodermitis, sowie Frauen mit Kinderwunsch geimpft werden. Ebenso ist eine Impfung für Mitarbeiter im Gesundheitsdienst und in Kindergärten empfohlen.

Meningokokken

Meningokokken sind Bakterien, die den Nasen-Rachen-Raum besiedeln und dort schwerste Krankheiten mit tödlichem Verlauf auslösen können. Die Meningitis beginnt mit einem starken Krankheitsgefühl, hohem Fieber, Erbrechen und Schüttelfrost, später kommt es zu Krämpfen und Bewusstseinsstörungen. Ein sehr typisches Symptom ist die Nackensteifigkeit.

Eine Impfung mit dem Meningokokken C-Impfstoff wird für alle Kinder im 2. Lebensjahr empfohlen. Die Impfung kann bis zum vollendeten 17. Lebensjahr nachgeholt werden. Erwachsene sollten sich impfen lassen, wenn sie ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, etwa bei Reisen in endemische Gebiete, bei Immundefekten oder funktionsuntüchtiger Milz.

Rotaviren

Rotaviren sind die häufigste Ursache für schwere Durchfallerkrankungen. Die ersten Symptome sind Erbrechen, mäßiges Fieber und Durchfall, der bis zu fünf Tage andauern kann. Komplikationen können bei hohem Wasser- und Elektrolytverlust auftreten, der besonders bei kleinen Kindern lebensbedrohlich werden kann.

Eine Impfung ist ab der sechsten Lebenswoche empfohlen und umfasst drei Dosen. Sie sollte bis zur 22. Lebenswoche abgeschlossen sein.

Mumps

Mumps, umgangssprachlich auch Ziegenpeter, ist eine ansteckende Virusinfektion, die die Speicheldrüsen und andere Organe befällt. Mögliche Komplikationen sind Hirnhautentzündungen, Ertaubung und bei Jungen Hodenentzündungen, die zu Unfruchtbarkeit führen können. Zu den Symptomen zählen Fieber und eine ein- oder doppelseitige entzündliche Schwellung der Ohrspeicheldrüse. Manchmal treten auch Erbrechen, Oberbauchschmerzen und fetthaltige Durchfälle auf.

Eine Impfung wird für Kleinkinder ab dem 11. Lebensmonat empfohlen und umfasst zwei Dosen. Im Erwachsenenalter sollten nach 1970 Geborene mit unklarem Impfstatus oder ohne Impfung in Gesundheitsberufen nachgeimpft werden.

Impfungen - welche gibt es?

Apotheker mit Anti-Diphterie-Serum, historische Illustration/ Stahlstich, 1882
Diphterie - im Volksmund hieß die Krankheit auch "Würgeengel der Kinder": Allein in Deutschland starben im 19. Jahrhundert jährlich ca. 50.000 Kinder an Diphterie. Die Infektionserkrankung wird durch das Gift des Diphterie-Bakteriums ausgelöst. 1913 entwickelte Emil von Behring - der für seine Forschungen 1901 mit dem Nobel-Preis geehrt und geadelt worden war - ein Serum, das den Körper zur Bildung von Immunstoffen anregt. Bildrechte: IMAGO
Apotheker mit Anti-Diphterie-Serum, historische Illustration/ Stahlstich, 1882
Diphterie - im Volksmund hieß die Krankheit auch "Würgeengel der Kinder": Allein in Deutschland starben im 19. Jahrhundert jährlich ca. 50.000 Kinder an Diphterie. Die Infektionserkrankung wird durch das Gift des Diphterie-Bakteriums ausgelöst. 1913 entwickelte Emil von Behring - der für seine Forschungen 1901 mit dem Nobel-Preis geehrt und geadelt worden war - ein Serum, das den Körper zur Bildung von Immunstoffen anregt. Bildrechte: IMAGO
Eine Spritze wird vorbereitet
1885 wurde erstmals ein Mensch erfolgreich mit einem Tetanusserum behandelt. Beteiligt an der Entwicklung war wiederum Emil von Behring. Bildrechte: imago/IP3press
Masern bei einem Kleinkind
Masern: Die hochansteckende Krankheit überträgt ihre Viren per Tröpfcheninfektion. Die Krankheit galt unter Ärzten lange Zeit als "Spielart der Pocken". Seit Mitte des 18. Jahrhunderts gab es Versuche, eine Immunisierung gegen die Masern zu entwickeln, aber erst 1963 wurde in den USA ein erster Impfstoff zugelassen. In Deutschland wird zwar schon in den 60er-Jahren gegen Masern geimpft, aber erst im Mai 1976 empfiehlt die Ständige Impfkomission die Masernlebendimpfung für Kinder ab dem 2. Lebensjahr. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zeitungskarikatur um 1900 zeigt Chorknaben mit von Mumps geschwollenen Gesichtern
Die Zeichnung aus dem Jahr 1900 zeigt die klassischen Mumps-Symptome: "Hamsterbacken", durch die (schmerzhafte) Schwellung der Ohrspeicheldrüsen. Hinrnhautentzündung und Hodenentzündung bei Jungen können als Komplikationen auftreten. Eine Impfung gegen Mumps wurde 1967 lizenziert. Bildrechte: imago/United Archives International
Röteln-Ausschlag an der Wange eines Jungen.
Die Rötelimpfung ist seit 1971 für alle Mädchen in der Vorpubertät empfohlen. Bildrechte: imago/Niehoff
Grafik, Hepatitis Infektion
Hepatitis A wird fäkal/oral übertragen, beispielsweise über gemeinschaftliche Nutzung von Toiletten oder Handtücher. Symptome sind Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen und Gelbsucht. Ein Impfstoff gegen Hepatitis A wurde 1986 entwickelt. Auch gegen Hepatitis-B, eine Infektionskrankheit der Leber, kann geimpft werden. Bildrechte: IMAGO
Ein an Polio erkrankter Mann steht auf verdrehten Füßen
Deutschland führte die Poliomyelitis-Impfung 1958 ein. Der letzte Erkrankungsfall in Deutschland wurde 1990 registriert. Bildrechte: IMAGO
Illustration Bacterial pneumonia
Pertussis, auch bekannt als Keuchhusten: eine bakterielle Infektionskrankheit der Atemwege. Die starken Hustenanfälle können für Säuglinge lebensbedrohlich sein, Komplikationen wie Lungen- oder Mittelohrentzündung treten manchmal auf. Fälle oder Verdachtsfälle von Keuchhusten sind bei Nutzung von Gemeinschaftseinrichtungen meldepflichtig. Bildrechte: imago/Science Photo Library
Streptococcus pneumoniae auch bekannt als Pneumococcus durch ein Mikroskop betrachtet
Pneumokokken finden sich im Nasenrachenraum des Menschen. Sie können Krankheiten der Atemwege verursachen, wie Nebenhöhlen-, Mittelohr- oder Lungenentzündung. Als gefährdet gelten Säuglinge, Kleinkinder und Senioren. Bildrechte: IMAGO
Die Beinchen von drei Säuglingen
Seit 1990 von der Ständigen Impfkomission empfohlen für Kinder unter 24 Monaten: Der Impfstoff gegen die Haemophilus-influenzae-Typ b. Die Bakterien werden durch Husten und Niesen übertragen; Infektionen können zu Hirnhautentzündung, Entzündung des Kehldeckels, Lungenentzündung oder Blutvergiftung führen. Bildrechte: dpa
Ein Schild mit der Aufschrift 'Zeckenverseuchtes Gebiet' steht  an einer Wiese.
FSME: Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine Gehirn-, Gehirnhaut- oder Rückenmarkentzündung, deren Viren Zecken übertragen. Sie können auch Borreliose übertragen. Die Impfung gegen FSME wird Menschen empfohlen, die sich in FSME-Risikogebieten aufhalten. Bildrechte: dpa
Computerillustration Verdauungstrakt des Menschen - Infektion mit Rotaviren
Rotaviren sind die häufigsten Erreger von Durchfallerkrankungen im Säuglings- ud Kleinkindalter. Seit 2006 gibt es einen Impfstoff. Bildrechte: IMAGO
Windpocken
Der japanische Virologe Michiaki Takahashi entwickelte 1970 einen Varizellen-Impfstoff. Dieser wurde 1975 in den USA zugelassen und 2004 von der STIKO in den deutschen Impfplan aufgenommen. Bildrechte: imago/Schöning
Herpes Zoster Gürtelrose
Seit Ende 2013 ist in Deutschland ein Lebendimpfstoff gegen Herpes Zoster - Gürtelrose - für Personen ab
50 Jahren verfügbar und zugelassen. Eine Empfehlung der STIKO gibt es nicht (stand 2014).
Bildrechte: IMAGO
Influenza
Der saisonalen Grippe soll im Winter 2018/2019 ein Vierfach-Wirkstoff vorbeugen. Empfohlen wird die Grippe-Impfung Menschen über 60 Jahren, Personen mit Grunderkrankungen, medizinischem Personal oder anderen, die mit vielen anderen Menschen zu tun haben. Bei gesunden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unter 60 verlaufen Grippeerkrankungen ohne schwere Komplikationen, weshalb die Stiko diesem Personenkreis die Impfung nicht ausdrücklich empfiehlt. Bildrechte: imago/Science Photo Library
Ein junges Mädchen wird geimpft.
Seit 2007 schon für Mädchen empfohlen, jetzt (September 2018) laut Ständiger Impf-Kommission für 9-14 Jahre alte Jungen: Die Impfung gegen Papillomviren soll HPV-assoziierten Tumoren vorbeugen. Bildrechte: Colourbox.de
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Impfempfehlungen

Das Bundesministerium für Gesundheit hat mit der Ständigen Impfkommission (STIKO) ein unabhängiges Expertengremium für Impfempfehlungen berufen. Die STIKO empfiehlt, welche Impfungen von hohem Wert für den Gesundheitsschutz des Einzelnen und der Allgemeinheit sind, um übertragbaren Krankheiten vorzubeugen. Gesetzlich Versicherte haben einen Anspruch auf empfohlene Schutzimpfungen.

Empfohlene Schutzimpfungen für Säuglinge, Kinder und Jugendliche

  • Rotaviren
  • Hepatitis B
  • Diphterie
  • Tetanus (Wundstarrkrampf)
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung)
  • Pertussis (Keuchhusten)
  • Masern
  • Mumps (Ziegenpeter)
  • Röteln
  • Varizellen (Windpocken)
  • Pneumokokken
  • Meningokokken

Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren

  • Humane Papillomviren (HPV)

Empfohlene Schutzimpfungen für Erwachsene

  • Poliomyelitis (Kinderlähmung)
  • Masern

Auffrischung alle zehn Jahre:

  • Diphterie
  • Tetanus
  • Pertussis

Erwachsene ab 60 Jahren

  • Influenza (Grippe)
  • Pneumokokken
  • Herpes zoster

Für bestimmte Alters- oder Risikogruppen

  • Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
  • Haemophilus influenza Typ b (Hib)
  • Hepatitis A und B
  • Herpes zoster (Gürtelrose)
  • Influenza (Grippe)
  • Meningokokken
  • Pneumokokken (Bakterien, die Lungenentzündungen auslösen können)
  • Röteln
  • Tollwut
  • Varizellen (Windpocken)

Wann sollte geimpft werden?

Die STIKO gibt einen Impfkalender heraus, der zeigt, wann welche Impfung an der Reihe ist. Die meisten Grundimpfungen erhalten Kinder demnach bereits während ihres ersten Lebensjahres. Nur bei Masern, Mumps, Röteln und Varizellen wird die zweite Impfung erst nach dem ersten Geburtstag durchgeführt. Ein Sonderfall ist die Impfung gegen Grippe: Weil sich Grippeviren ständig verändern, sollte diese Impfung jährlich aufgefrischt werden.

Die Frage, wann Impfungen aufzufrischen sind, hängt davon ab, wie stark der Impfstoff die Körperabwehr stimuliert hat. Bei sogenannten Lebendimpfstoffen (wie dem gegen Masern) werden vermehrungsfähige, aber abgeschwächte Erreger verabreicht. Der Schutz hält dann so lange an, wie nach einer durchgemachten Krankheit, im Falle der Masern in der Regel lebenslang. Eine zweite Impfung soll hier nur sicherstellen, dass der Impfschutz wirklich bestehen bleibt.

Bei sogenannten Totimpfstoffen, die nur Bruchstücke der Erreger enthalten, sind dagegen stärkere Dosierungen nötig. Hier hält der Schutz einige Jahre an. Konkret bedeutet das für Erwachsene laut Impfkalender 2019/20:

  • Die Tetanus-, Diphterie- und Pertussis-Impfung sollte alle zehn Jahre aufgefrischt werden.
  • Polio muss nur einmal während der Pubertät aufgefrischt werden. Eine Nachimpfung ist möglich.
  • Medizinisches Personal und Menschen mit schwacher Immunabwehr wie Senioren ab 60 Jahren sollten sich einmal im Jahr gegen Grippe impfen lassen.

Ein Arzt hält in der einen Hand einen aufgeschlagenen Impfausweis und in der anderen eine Impfspritze
Alle Impfungen werden im Impfausweis erfasst. (Archiv) Bildrechte: imago/Jochen Tack

Welche Nebenwirkungen können Impfungen haben?

Wie alle Medikamente sind auch Impfstoffe nicht frei von Nebenwirkungen. An den Einstichstellen der Spritzen mit den Impfstoffen kann es zu leichten Schmerzen, Schwellungen oder Rötungen kommen. In seltenen Fällen treten bei Patienten Krankheitssymptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf. Im äußerst seltenen Fall, dass es nach einer Impfung zu überdurchschnittlich starken Reaktionen kommt, ist der Arzt verpflichtet, das beim Gesundheitsamt anzuzeigen. Das Paul-Ehrlich-Institut für Arzneimittelsicherheit erhält dann in anonymisierter Form die Daten, um zu beurteilen, ob von einem Impfstoff eine Gefahr ausgeht.

Schadet Impfen meinem Kind?

Impfen kann Nebenwirkungen haben, es können Krankheitssymptome wie Fieber oder Gliederschmerzen auftreten. Bei Eltern kann es daher Hemmungen geben, ihre Babys impfen zu lassen. Mediziner sind sich allerdings sicher, dass das Risiko schwerer Folgeschäden beim tatsächlichen Ausbruch einer Infektion viel höher ist als bei einer Impfung. Im Fall der Masern etwa kommt es beim Ausbruch der Krankheit in jedem tausendsten Fall zu einer Gehirnentzündung. Bei der Impfung passiert das nur in einem von einer Million Fällen.

Ärztin, der einen Impfstoff für einen Patienten vorbereitet
Schwere Nebenwirkungen sind bei Impfungen eher selten. (Archiv) Bildrechte: imago images / Westend61

Was tun bei unklarem Impfstatus?

Bei fehlenden oder lückenhaften Impfdokumenten sowie bei nicht im Ausweis dokumentierten Impfungen empfiehlt die STIKO eine Nachimpfung. Grundsätzlich gilt: Nur dokumentierte Impfungen gelten als durchgeführt. Es kann immer nachgeimpft werden.

Wie argumentieren Impfgegner?

Unter Impfskeptikern lassen sich drei Argumentationsgruppen ausmachen: Zum einen wird die Sinnhaftigkeit bezweifelt, angesichts ausgerotteter Infektionskrankheiten oder Erkrankungen unter Geimpften oder der "nicht nachgewiesenen Wirksamkeit".

Zum anderen werden Impfungen als schädlich angesehen, da sie mit der Zunahme allergischer Reaktionen und Erkrankungen wie Asthma, Diabetes oder Multiple Sklerose in Verbindung gebracht werden. Die Annahmen reichen von Schäden durch Konservierungsmittel in Impfstoffen bis hin zu Veränderungen im Erbgut.

Unter Skeptikern ist auch die Annahme verbreitet, dass Impfungen von der Pharmaindustrie gesteuert sind. Als Argument wird auch oft angeführt, dass Eltern sogenannte Kinderkrankheiten, also Infektionskrankheiten, selbst durchlebt und überstanden haben und sie deshalb weniger gefährlich sind als kommuniziert wird.

Ja oder nein? Was sagt die Wissenschaft?

Die meisten Mediziner sind sich einig: Die Risiken der Infektionskrankheiten sind weit größer, als die der Impfungen. Hinter Impfskepsis stehen vor allem Denkmuster, die Fakten nicht rational, sondern überwiegend emotional bewerten. Was zur eigenen Meinung passt, wird wahrgenommen, alles andere nicht.

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(ten/rki/mdr/bga)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 01. Oktober 2020 | 17:15 Uhr

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