Betäubungsmittel K.o.-Tropfen - wie erkennt man sie und wie schützt man sich davor?

Es ist die Horrorvorstellung vieler Eltern: Die (fast) erwachsene Tochter geht in den Club, unbemerkt werden ihr sogenannte K.o.-Tropfen in den Drink gemischt, die sie willenlos und zur leichten Beute der Täter machen. Wie kann man sich vor einer solchen Attacke schützen? Was sind K.o.-Tropfen überhaupt - und wie wirken sie?

Symbolbild - KO-Tropfen steht auf einer braunen kleinen Flasche, im Hintergrund ein Wiskeyglas.
Der Begriff K.o.-Tropfen beinhaltet das englische Wort "Knockout" - und das steht für "Außer-Gefecht-Setzen". Bildrechte: imago/imagebroker

GHB, GBL & Co: Was sind K.o-Tropfen?

Der Begriff K.o.-Tropfen beinhaltet das englische Wort "Knockout" - und das steht für "Außer-Gefecht-Setzen". K.o.-Tropfen können unterschiedliche Substanzen sein.

Aktuell sind vor allem die Partydrogen GHB (GammaHydroxybuttersäure) bzw. GBL (Gamma-Butyrolacton) im Umlauf. Bekannter sind sie unter den Namen Liquid Ecstasy, Bottle, Liquid X, Fantasy, Soap, Liquid E oder auch Gamma. Verbreitet sind aber auch Mixturen aus den Wirkstoffen Benzodiazepinen, Chloralhydrat und Barbituraten.

Als Partydrogen werden die Mittel in der Regel freiwillig und wegen ihrer dämpfenden, entspannenden und sexuell stimulierenden Wirkung konsumiert. Da sie farblos und kaum zu schmecken sind, können sie unbemerkt und in hohen Dosen Getränken oder Speisen beigemischt werden. Vor allem in alkoholischen und Mixgetränken sind K.o.-Tropfen meist nicht wahrnehmbar.

Filmriss & Blackout: Wie wirken K.o.-Tropfen?

Heimlich und in ausreichend hoher Dosierung in Getränk oder Speise gemischt, betäuben K.o.-Tropfen den Betroffenen bereits nach 15 bis 30 Minuten und verursachen einen kompletten Blackout. Das macht es dem Täter leicht, sein Opfer zu bestehlen oder es sexuell zu missbrauchen.

Typisch für K.o.-Tropfen ist der Gedächtnisverlust. In der Regel haben die Opfer im Nachhinein keinerlei Erinnerungen, was von Beginn der Wirkung der Tropfen bis zu deren Abklingen geschehen ist.

Symbolbild - Ko-Tropfen in Form von Liquid Extasy werden in einen Cocktail geträufelt.
Da sie farblos und kaum zu schmecken sind, können K.o.-Tropfen unbemerkt und in hohen Dosen Getränken oder Speisen beigemischt werden. Bildrechte: imago/Rolf Kremming

Betäubungsmittelgesetz: Sind K.o.-Tropfen verboten?

Die Partydroge GHB (GammaHydroxybuttersäure) fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Das bedeutet, dass der Besitz, Kauf, Handel, die Abgabe und Verabreichung der Droge strafbar ist.

Die Substanz GBL (Gamma-Butyrolacton) ist dagegen leicht zu beziehen, da sie sowohl in Lösungsmitteln als auch Fleckenentfernern enthalten ist. Sie unterliegt keinerlei Beschränkungen durch das Betäubungsmittelgesetz. Die Verabreichung von GBL an ahnungslose Personen ist natürlich trotzdem strafbar.

K.o.-Tropfen-Test als Armband: Falsche Sicherheit?

Vor ungefähr zwei Jahren hat ein Waldbronner Start-Up ein Armband auf den Markt gebracht, das als Schnelltest zur Überprüfung eines Getränks auf K.o.-Tropfen dienen soll.

Das Papier-Armband sieht aus wie ein Festivalbändchen und funktioniert ähnlich wie ein Schwangerschaftstest: Man gibt etwas Flüssigkeit auf den Teststreifen und wartet zwei Minuten. Verfärbt sich der Streifen blau, sind K.o.-Tropfen im Getränk. Bleibt er weiß, ist der Test negativ.

Der Haken: Aktuell kann das Test-Armband nur eine Sorte von K.o.-Tropfen reagieren, nämlich GBH. Gegen alle anderen Substanzen wirkt der Test nicht. Verlässt man sich auf das Ergebnis trotzdem, kann man sich in falscher Sicherheit wiegen.

Bierdeckel mit Tipps gegen KO-Tropfen - Weisser Ring
Folgende Maßnahmen empfiehlt "Der Weisse Ring", um sich vor K.o.-Tropfen zu schützen. Bildrechte: imago/Christine Roth

Prävention: Wie schützt man sich vor K.o.-Tropfen?

Der Weiße Ring, ein gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten, rät zu folgenden Maßnahmen, um sich (und andere) vor K.o.-Tropfen zu schützen:

  • Glas oder Flasche bei Partys nie unbeobachtet lassen, im Zweifelsfall lieber auf das Austrinken verzichten.
  • Keine offenen Getränke von Unbekannten annehmen!
  • Auf das Bauchgefühl hören: Meiden Sie Personen, die Ihnen komisch vorkommen.
  • Bei Unwohlsein Freunde, Bekannte oder das Personal um Hilfe bitten.
  • Haben Sie den Verdacht, K.o.-Tropfen zu sich genommen zu haben, vertrauen Sie sich einem Arzt an oder begeben Sie sich direkt in die Notfallambulanz eines Krankenhauses.
  • Vermeiden Sie, zu viel zu trinken - in entsprechender Menge hat Alkohol eine ganz ähnliche Wirkung wie K.o.-Tropfen. Kümmern Sie sich um Freunde, die zu viel getrunken haben.
  • Im Zweifel immer die 110 oder die 112 anrufen!

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 27. Oktober 2021 | 17:15 Uhr

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