Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf unsere Gesundheit?

Der Klimawandel ist in aller Munde. Was viele dabei vergessen: Die Veränderung unseres Klimas ist nicht nur für unsere Erde, die Tier- und Pflanzenwelt ein Problem, sondern macht auch uns Menschen krank. Welche Erkrankungen werden durch die Veränderung des Klimas befördert - und was kann jeder Einzelne tun, um den Klimawandel aufzuhalten? Ein Überblick.

Arzt mit Gesichtsmaske und chirurgischen Handschuhen hält bandagierten Planeten Erde
Der Klimawandel schadet nicht "nur" der Erde, sondern auch unserer Gesundheit. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Ärztinnen und Ärzte sind die ersten, die die Auswirkungen der Klimakrise auf die Patientinnen und Patienten bemerken. Steigende Temperaturen und Extremwetterereignisse stellen insbesondere die Hausärzte vor zusätzliche Herausforderungen. Ob körperliche Beschwerden durch übermäßige Hitze, Atemwegsprobleme, Infektionskrankheiten oder Allergien - der Klimawandel setzt immer mehr Menschen zu.

Erhöhte Sterblichkeit bei Hitzewellen

2020 war das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Hitzewellen im Sommer 2020 waren weit mehr als sommerliches "Rekordwetter". Angetrieben durch den Klimawandel wurden sie zur Bedrohung für Gesundheit und Leben.

Durch Extremhitze gefährdet sind vor allem chronisch Kranke, Kleinkinder und alleinstehende ältere Menschen. Doch obwohl das Umweltbundesamt schon 2014 Handlungsbedarf angemeldet hat und die Bundesregierung 2017 die Länder aufforderte, Hitzeaktionspläne aufzustellen, ist bislang nicht viel passiert. Deshalb ist jeder Einzelne gefragt, für sich und sein Umfeld bei Hitze vorzusorgen.

Gesundheitliche Auswirkung von UV-Strahlung

Als Folge des winterlichen Ozonabbaus über der Arktis werden auch in Deutschland sogenannte Niedrig-Ozonereignisse registriert. Durch sie erhöht sich für wenige Tage Ende März/Anfang April die UV-Belastung über das normale Maß hinaus. Auch Temperaturveränderungen und vermehrt wolkenlose, sonnige Tage führen im Sommer nicht nur zu Hitzewellen und Dürren, sondern auch zu einer höheren UV-Belastung für die Menschen.

Die Folge: Die Anzahl der Hautkrebsneuerkrankungen in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten um ein Vielfaches gestiegen. Häufige, lang anhaltende und intensive UV-Bestrahlungen sowie Sonnenbrände bedeuten eine übermäßige, gesundheitsschädliche UV-Belastung - vor allem für Kinder. Abhilfe schaffen Sonnenmilch, schützende Kopfbedeckung und Kleidung sowie die Sonne zu meiden.

Ein Arzt sieht sich einen Leberfleck genauer an (Symbolfoto)
Zu viel UV-Strahlung kann beim Menschen Hautkrebs verursachen. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Neue Infektionskrankheiten durch Insekten und Bakterien

Durch den Anstieg der Temperaturen können sich Erreger oder deren Überträger bei uns ausbreiten, die für gewöhnlich in wärmeren Regionen wie den Tropen beheimatet sind. Die asiatische Tigermücke hat sich in einigen Gebieten Deutschlands bereits angesiedelt.

2019 gab es in Deutschland die ersten Fälle von West-Nil-Fieber bei Menschen, die sich mit dem Virus nicht auf Reisen im Ausland, sondern durch den Stich heimischer Mücken angesteckt haben. In Südfrankreich wurden erstmals Zika-Infektionen durch Tigermücken gemeldet, die dort heimisch sind. Die Insekten können auch Dengue- und Chikungunya-Viren übertragen.

Auch schädliche Bakterien profitieren, wenn die Temperaturen steigen - etwa Cyano- und Vibrio-Bakterien in stehenden Gewässern und der Ostsee. Das kann beim Baden Gesundheitsprobleme verursachen. Vibrionen können u.a. Magen-Darm- und Wundinfektionen verursachen.

Pollen: Allergien und Atemwegserkrankungen

Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und einer weltweit beobachteten Zunahme von allergischen Atemwegserkrankungen gibt. Dabei spielen nicht nur Lufttemperatur und CO2-Konzentration eine Rolle, sondern auch ein mit dem Klimawandel einhergehender Anstieg von Luftschadstoffen wie Ozon und Feinstaub.

Infolge des Anstiegs der Durchschnittstemperaturen beginnt die Blütezeit bestimmter Pflanzen mittlerweile früher als noch vor 25 Jahren. Entsprechend verlängert sich die Leidenszeit für Menschen mit Pollenallergie. Zudem verbreiten sich in Deutschland zunehmend bislang nicht heimische Pflanzen mit allergener Wirkung, wie etwa die Beifuß-Ambrosie (beifußblättriges Traubenkraut). Sie ist aller Wahrscheinlichkeit nach als Samen in Vogelfutter nach Deutschland eingeführt worden und kann sich nun bei zunehmend warmen Temperaturen gut ansiedeln.

Ein ähnlicher Fall ist der Eichenprozessionsspinner. Eine Schmetterlingsart, die eigentlich aus Südeuropa stammt und sich - begünstigt durch den Klimawandel - auch in Deutschland weiter ausbreitet. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners fressen nicht nur die Bäume kahl und gefährden dadurch den Baumbestand. Beim Menschen können die giftigen Brennhaare der Tiere Hautausschläge, Atemnot oder gar einem allergischen Schock verursachen.

Blick von der Fischerinsel zum Fernsehturm
Durch den Klimawandel hat sich die Pollen-Saison in Deutschland deutlich verlängert. Bildrechte: IMAGO / Bernd Friedel

Klimaschutz ist Gesundheitschutz - was kann jeder Einzelne tun?

Jeder kann dazu beitragen, seinen persönlichen CO2-Fußabdruck zu verkleinern und den Klimawandel aufzuhalten. Etwa, indem man seine Ernährung umstellt, seinen Fleischkonsum zumindest reduziert und auf tierische Eiweiße verzichtet. Das hilft nicht "nur" der Umwelt, sondern auch der eigenen Gesundheit.

Gleiches gilt für den Umgang mit fossilen Brennstoffen. Wer nicht auf eine umweltfreundliche Heizungsvariante umsteigen kann, kann zumindest sein Heizverhalten optimieren. Das minimiert die Luftverschmutzung und schont obendrein den Geldbeutel.

Auch sein persönliches Verkehrskonzept sollte regelmäßig überdacht werden. Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, der hält sich fit und schont die Umwelt. Alternativ können öffentliche Verkehrsmittel statt des privaten Pkw genutzt werden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 10. November 2021 | 17:15 Uhr

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