Steigender Meeresspiegel Klimawandel auf Langeoog - eine betroffene Familie berichtet

Der Meeresspiegel steigt Jahr für Jahr. Vor allem den Menschen, die an den Küsten und auf Inseln leben, bereitet das große Sorgen. Wie bedrohlich ist die Lage zum Beispiel auf den Nordseeinseln? Wie hat sich das Leben dort bereits verändert? Und was muss geschehen, um die Inseln langfristig zu schützen? BRISANT hat sich auf der Insel Langeoog umgehört.

Nordsee Insel Langeoog, Frühsommer, kurz nach den ersten Lockerungen des Lockdowns in der Corona Krise, noch recht wenig Touristen am Strand, Strandkörbe, DLRG Wachturm, Niedersachsen, Deutschland
Ist der Klimawandel eine Gefahr für den Tourismus auf Langeoog? Bildrechte: imago images/Jochen Tack

Langeoog kennen viele Touristen als entspannte Urlaubsinsel. Dabei ist Langeoog besonders verwundbar. Denn die Insel wird nur von natürlichen Dünen vor Sturmfluten geschützt. Eine Trinkwasserversorgung vom Festland aus gibt es nicht. Langeoog bekommt sein Trinkwasser aus einem natürlichen Vorkommen, das unter der Insel liegt.

Längere Perioden mit Regen oder Trockenheit

Michael Recktenwald lebt mit seiner Familie in vierter Generation auf der Insel. Biohotel, Restaurant, Bäckerei - die Recktenwalds sind auf Langeoog verwurzelt.

Wir erleben den Klimawandel hier hautnah. Wildfrüchte und Wildkräuter, die wir sammeln, sind jetzt schon vier Wochen früher reif als noch vor 20 Jahren. Kartoffeln waren neulich plötzlich Mangelware. Entweder stehen die Äcker unter Wasser oder es ist viel zu trocken, weil die Perioden mit Regen oder Trockenheit deutlich länger dauern als früher.

Michael Recktenwald BRISANT

Strand muss künstlich erhalten werden

Auch die Sturmfluten wären heute höher als früher, glaubt Recktenwald zu beobachten. Alle zwei Jahre muss am Strand neuer Sand aufgespült werden. Allein im vergangenen Jahr wurden 700.000 Kubikmeter Sand aufgeschüttet. Kosten: sechs Millionen Euro.

Nordsee Insel Langeoog, Frühsommer, Dünenlandschaft im inneren der Insel, Aussicht von der Melkhörndüne, Niedersachsen, Deutschland
Langeoog wird nur von natürlichen Dünen vor Sturmfluten geschützt. Bildrechte: imago images/Jochen Tack

Sturmfluten und Anstieg des Meeresspiegels

Beate Ratter, Geographieprofessorin an der Universität Hamburg, sieht für die ostfriesischen Inseln ein besonderes Problem. Das Wasser komme aus allen Richtungen.

Bei Starkregen kommt es von oben und von hinten aus den Flüssen des Hinterlands. Dazu von vorne vom Meer die Sturmfluten sowie von unten der Anstieg des Meeresspiegels.

Beate Ratter, Geographieprofessorin BRISANT

Michael Recktenwald befürchtet, dass dadurch mittelfristig Salzwasser ins Trinkwasser-Reservoir der Insel eindringt.

Ohne Trinkwasser kein Tourismus. Und ohne Tourismus hat auch der Tischler, der Klempner und der Fliesenleger nicht genug zu tun. Dann sind wir hier quasi alle arbeitslos.

Michael Recktenwald BRISANT

Langeoog im Bundesland Niedersachsen, Region Ostfriesland ostfriesische Insel in der Nordsee, DLRG Ostfriesland
Bereits jetzt muss an den Stränden Langeoogs regelmäßig neuer Sand aufgeschüttet werden. Bildrechte: imago images/Jürgen Ritter

Küstenschutz: Bislang keine Auswirkungen des Klimawandels

Der Küstenschutz Niedersachsen ist in der Bewertung der Vorgänge auf Langeoog noch vorsichtig.

Aus Sicht des Küstenschutzes können wir bisher keine Auswirkungen des Klimawandels auf Langeoog feststellen. Die derzeitigen Entwicklungen sind maßgeblich durch die natürliche Dynamik geprägt.

Küstenschutz Niedersachsen BRISANT

Höhere Deiche sollen Problem lösen

Veränderungen der Insel habe es schon immer gegeben. Gleichwohl betont man, den Meeresspiegelanstieg sehr ernst zu nehmen. Langfristig müsste der Küstenschutz auf Langeoog "wie am Festland auch als niedersächsischer Klimadeich ausgebaut werden".

Diese Deiche sind einen Meter höher als herkömmliche Deiche und können bei Bedarf noch um einen weiteren Meter erhöht werden.

Klimaschutz im Kleinen

Michael Recktenwald versucht, im Kleinen ein Zeichen zu setzen. Seine neue Produktionshalle für die Bäckerei will er komplett klimaneutral bauen. "Photovoltaik, Dachbegrünung, solche Geschichten." Er hofft, dass auch die nächste Generation gut auf Langeoog leben kann.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 16. März 2022 | 17:15 Uhr

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