Flugpassagiere warten am Gepäckband auf Koffer
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Wenn der Koffer weg ist Koffer verschollen? Diese Rechte haben Sie!

BRISANT | 17.07.2018 | 17:15 Uhr

Flugreisenden passiert es immer wieder, dass ihre Koffer nicht am Zielflughafen ankommen. Meist taucht er später wieder auf. Doch welche Rechte und Pflichten haben Reisende, wenn das Gepäck weg ist?

Flugpassagiere warten am Gepäckband auf Koffer
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Vorab eine gute Nachricht: 95 Prozent aller verlorenen Gepäckstücke werden innerhalb der ersten fünf Tage nach ihrer Verlustmeldung wiedergefunden und dem Besitzer zugestellt. So wird es wohl auch im aktuellen Fall sein.

Gepäck-Chaos in Düsseldorf

Eine Störung der Gepäckabfertigung hat in Düsseldorf dazu geführt, dass viele Reisende nur mit Handgepäck abheben konnten. In der Abflughalle stapelten sich rund 2.500 Koffer und Reisetaschen - ausgerechnet an einem der verkehrsreichsten Tage des Jahres. Erst nach mehr als fünf Stunden bekamen Techniker die Anlage um 8.45 Uhr flott, wie ein Flughafensprecher berichtete. Bis dahin stapelten sich etwa 2.500 zurückgelassene Gepäckstücke in der Abflughalle, während ihre Besitzer über den Wolken verschwunden waren.

Den Verlust sofort melden

Ist Ihr Gepäck nicht auf dem Rollband Ihres Fliegers angekommen, melden Sie sich umgehend am Gepäckermittlungsschalter in der Ankunftshalle des Flughafens. Dieser wird international meist mit "Lost and found-Counter" bezeichnet. Geben Sie dort eine Verlustmeldung auf. Halten Sie dafür die Gepäckregistrierungsnummern bereit. Diese werden am Check-In meist auf die Bordkarte beziehungsweise auf das Flugticket geklebt. Die Nummern helfen, das Gepäck am Ende schneller wiederzufinden. Haben die Mitarbeiter Ihre Verlustmeldung aufgenommen, lassen Sie sich eine Kopie derer geben und bewahren Sie diese gut auf. Pauschalreisende sollten zusätzlich den Reiseveranstalter informieren, am besten schriftlich.

Das Nötigste zur Überbrückung kaufen

Mit etwas Glück bekommen Sie den Koffer noch am gleichen Tag kostenfrei bis in die Unterkunft geliefert. Ist das nicht der Fall und Sie stehen ohne Kleidung und Waschzeug am Zielort, dürfen Sie sich in der Regel auf Kosten der Fluglinie mit dem Nötigsten ausstatten. Einige Airlines bieten auch Notfall-Sets mit Toilettenartikeln an. Da die Regelungen allerdings von Fluglinie zu Fluglinie sehr unterschiedlich sind, informieren Sie sich unbedingt, bevor Sie auf Shoppingtour gehen. Die meisten Airlines haben in der Abflugs- oder Ankunftshalle des Flughafens Informationsschalter. Pauschalreisende wenden sich am besten an ihren Reiseveranstalter.

Wenn die Koffer für immer verschwunden sind

Haben Sie das Gepäckstück auch nach fünf Tagen nicht zurück, müssen Sie der Airline eine detaillierte Inhaltsliste Ihres verschwundenen Koffers zukommen lassen, die auch die einzelnen Werte aufführt. Aufgrund dessen wird meist eine nochmalige intensive inhaltliche Suche nach Ihrem Gepäck durchgeführt. Bleibt der Koffer verschollen, haben Sie Anspruch auf Schadenersatz. Nach dem so genannten "Montrealer Übereinkommen" gibt es bis zu 1.350 Euro Entschädigung pro Passagier.

Gepäck, Koffer, Reisetaschen
Ein Gepäckstück gilt dann als verloren, wenn es nach 21 Tagen nicht aufgetaucht ist. Bildrechte: colourbox

Reiseminderung bei Pauschalreisen

Bei Pauschalreisen steht dem Urlauber zudem für jeden Tag ohne Gepäck auch eine Minderung des Reisepreises zu. Als Richtwert gelten 25 Prozent des Tagesreisepreises. Wird eine Reise erheblich beeinträchtigt, kann auch ein Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden in Betracht kommen. Informieren Sie diesbezüglich Ihren Reiseveranstalter rechtzeitig. Die Frist endet einen Monat nach Reiseende.

Höheres Risiko bei Gabelflügen

Die Hälfte aller Gepäckzwischenfälle ist nach Angaben des auf Luftfahrtdaten spezialisierten IT-Unternehmens SITA darauf zurückzuführen, dass das Gepäck während der Reise das Flugzeug wechselt, also von einem ins andere Flugzeug verladen werden muss. Besonders betroffen sind große Drehkreuze wie London, New York oder Paris. Ein Direktflug verringert demnach das Risiko, dass Gepäck verschwindet.

Auffällige Koffer lassen sich leichter finden

Eine Herausforderung für Gepäckermittler ist es, wenn sich normale, schwarze Koffer ohne Auffälligkeiten auf Abwegen befinden. Daher gilt: Je auffälliger das Gepäckstück, desto leichter wird es gefunden. Ist es zudem noch mit einem Namensschild versehen, kann es schneller zugeordnet werden. Dabei ist es nicht notwendig, die komplette Adresse zu notieren, Heimatstadt oder Zielort sind auch ausreichend. Befindet sich eine Telefonnummer inklusive Landesvorwahl im Koffer, können die Gepäckermittler Kontakt aufnehmen.

Eine Frau zieht einen Rollkoffer
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Tipp: Fotos vom Kofferinhalt dabei haben

Als eigene Gedächtnisstütze und um den Mitarbeitern der Gepäckermittlung detaillierte Beschreibungen geben zu können, hilft es, Fotos vom Kofferinhalt zu schießen und dabei zu haben. Das ist auch sinnvoll, wenn im Falle eines Totalverlustes des Koffers Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden. Reisen Sie mit mehreren Koffern oder Taschen, verteilen Sie Toilettenartikel und Sachen für die ersten Tage am besten gleichmäßig. Packen Sie grundsätzlich alle Wertsachen in Ihr Handgepäck.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 28. Juni 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2019, 18:42 Uhr

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