Geld Kurzarbeit in der Corona-Krise: Was müssen Arbeitnehmer wissen?

Die Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, Autobauer fahren die Produktion runter - und Hotels sind nur noch für Geschäftsreisende geöffnet. Die Corona-Krise bringt ganze Branchen zum Stillstand. Das hat schon jetzt zu einer Flut an Anträgen auf Kurzarbeitergeld ausgelöst. Die Bundesregierung erwartet bis zu zwei Millionen Kurzarbeitende. Doch was bedeutet das für die Betroffenen? Wie hoch ist die ausgezahlte Leistung, für wie lange wird sie gezahlt - und darf man nebenher aufstocken?

Was bedeutet Kurzabeit?

Wenn es für Unternehmen, wie jetzt in der Corona-Krise, zu wenig zu tun gibt, können sie Kurzarbeit anmelden. Das bedeutet, dass den Arbeitnehmern trotz bestehender Arbeitsverträge die Arbeitszeit ganz regulär gekürzt werden darf. Dadurch, dass eine Firma ihre Angestellten nur noch für einen Teil ihrer Arbeitszeit bezahlen muss, spart sie Geld - und muss ihren Angestellten nicht kündigen. Derzeit können Firmen für insgesamt zwölf Monate am Stück Kurzarbeit anmelden.

Doch bevor die bewilligt wird, muss ein Unternehmen nachweisen, dass der Arbeitsausfall unvermeidbar ist und alles getan wurde, um ihn zu vermeiden. Deshalb ist es möglich, dass Arbeitnehmer im Vorfeld dazu angehalten werden, Überstunden oder Zeitguthaben abzubauen oder einen Teil ihrer Urlaubstage zu nehmen.

Ein Volkswagen-Mitarbeiter schraubt an einer Karosserie
Kurzarbeit: Autohersteller VW hat bis Mitte April einen Teil seiner Produktion eingestellt. Bildrechte: dpa

Wer zahlt das Kurzarbeitergeld - und wieviel kann man bekommen?

Damit dem Arbeitnehmer durch diese Maßnahme nicht ein wesentlicher Teil seines Einkommens flöten geht, springen der Staat bzw. die Bundesagentur für Arbeit ein. Letztere gleicht dem Arbeitnehmer 60 Prozent des entgangenen Netto-Einkommens aus, Müttern und Vätern sogar 67 Prozent. Auch die Sozialversicherungsbeiträge werden für diese Zeit von der Agentur übernommen. Ein Verlust ist das für die Arbeitnehmer zwar dennoch - aber immerhin ein nicht ganz so drastischer. Und wer damit nicht auskommt, kann Grundsicherung beantragen.

Symbolbild - Eine Ein-Euro Münze vor Schriftzug Covid-19.
Für manche Familien und Geringverdiener wird die Corona-Krise auch zur finanziellen Krise. Bildrechte: imago images/MiS

Für Besserverdienende können die finanziellen Einbußen - je nach Einkommen - etwas höher ausfallen. Denn um das Kurzarbeiterentgelt im Einzelfall zu berechnen, berücksichtigt die Arbeitsagentur die regulären Gehälter nur bis zur Höhe der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung. Die liegt aktuell bei 6.900 Euro im Westen und 6.450 Euro pro Monat im Osten.

Wer entscheidet, wen der Arbeitgeber in Kurzarbeit schickt und wen nicht?

Wer letztendlich in Kurzarbeit gehen muss, hängt vom Einsatzbereich der Arbeitnehmer ab. Natürlich wird zuerst derjenige nach Hause geschickt, für den es im Unternehmen nichts zu tun gibt.

Arbeitnehmer oder Arbeitgeber - wer beantragt das Kurzarbeitergeld?

Beantragt wird das Kurzarbeitergeld durch den Arbeitgeber. Derzeit können Betriebe das sogar rückwirkend zum 1. März, wenn mindestens zehn Prozent der Angestellten vom Arbeitsausfall betroffen waren. Normalerweise muss das mindestens ein Drittel der Arbeitnehmer sein. Und: Im Zuge der Corona-Krise sollen auch Leiharbeiter Kurzarbeitergeld bekommen.

Bekommen auch Auszubildende Kurzarbeitergeld?

Bislang bekommen Auszubildende kein Kurzarbeiterentgelt. Denn Kurzarbeit ist eine Maßnahme, um Arbeitsplätze zu erhalten. Einbußen müssen Azubis dennoch nicht befürchten. Sie bekommen ihre Ausbildungsvergütung in voller Höhe weiter bezahlt.

Darf man in Kurzarbeit nebenher dazuverdienen?

Dazuverdienen darf man in jedem Fall. Geht man einer Nebentätigkeit nach, die man schon vor der Kurzarbeit inne hatte, dann hat das keinerlei Auswirkungen auf die Höhe des Kurzarbeitergeldes.

Lächelnde Pflegerin bei einer älteren Dame im Rollstuhl
Wer sein Kurzarbeitergeld durch eine Nebentätigkeit in einem "systemrelevanten" Bereich aufstockt, kann ohne Abzüge bis zu seinem regulären Verdienst dazuverdienen. Bildrechte: imago images / MITO

Nimmt man die Nebentätigkeit wegen der Kurzarbeit auf, wird das daraus erzielte Entgelt auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Es sei denn, die Nebentätigkeit findet in einem sogenannten "systemrelevanten" Bereich statt, wie etwa in der Gesundheits- oder Pflegebranche. Aber auch dann kann man nur bis zur Höhes des Lohns, den man vor Einführung der Kurzarbeit hatte, abzugsfrei dazuverdienen.

Hat das gekürzte Arbeitsentgelt Auswirkungen auf die spätere Rente?

Arbeitnehmer, die Kurzarbeitergeld beziehen, sind weiter rentenversichert. Doch die Rentenversicherungsbeiträge werden während der Kurzarbeit auf der Basis des tatsächlich gezahlten (also des reduzierten!) Arbeitsentgeltes gezahlt. Das hat zwar Auswirkungen auf die spätere Rente, allerdings keine gravierenden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 01. April 2020 | 17:15 Uhr

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