Designerdrogen Alles andere als harmlos - So gefährlich sind "Legal Highs"

Kräutermischungen, Badesalze oder Lufterfrischer - wer vermutet dahinter schon harte Drogen? "Legal Highs" kann man einfach im Internet bestellen. Was drin ist, weiß keiner. Und das macht sie so gefährlich.

Drogen im Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamtes Berlin. - Diverse Legal Highs, auch Spices genannt.
Sieht lustig aus, ist aber lebensgefährlich: Legal Highs. Bildrechte: IMAGO

Es gibt kaum einen Jugendlichen, der nicht einmal heimlich Drogen ausprobiert. Dabei geht der Trend weg von Ecstasy und Crystal hin zu Ersatz-Designerdrogen. Diese synthetisch hergestellten Substanzen sind als "Legal Highs" (= legale Rauschmittel) frei im Internet zu kaufen. Unter dem Begriff "Neue psychoaktive Stoffe" (NPS) werden sie zusammengefasst.

Legal Highs unterlaufen ganz gezielt die Gesetze zu Rauschmitteln wie sie im Betäubungsmittelgesetz oder dem Arzneimittelgesetz aufgeführt sind. Denn ihre Zusammensetzung ist immer ein wenig anders als die der verbotenen Substanzen - das macht sie aber nicht weniger gefährlich und auch nicht wirklich legal.

Mit diesen Ersatzdrogen füllen die Hersteller eine Marktlücke, die sich direkt an Jugendliche richtet. Denn sie können für wenig Geld im Internet einen Trip kaufen. Headshops oder Smartshops bieten oft hunderte verschiedene Sorten an, als "Badesalze", "Kräutermischung", "Raumerfrischer" oder "Düngerpillen".

Hinter harmlosen Namen wie "Amazonas Vanila" oder "Gute Laune Räucherwerk" verstecken sich aber bewusstseinsverändernde Drogen! Die Gebrauchsanleitung auf der Verpackung führt bewusst in die Irre, um den Anschein "echter" Badesalze zu vermitteln. Oft steht sogar groß drauf: "Nicht für den menschlichen Konsum geeignet"! Die Käufer rauchen, schlucken oder ziehen sich das Gemisch durch die Nase. Denn es wirkt wie Cannabis, Kokain oder die als Aufputschmittel missbrauchte Arznei Ritalin.

Legal Highs, ausgepackt.
Vermeintlicher Kräutertee. Doch er dient nur als Trägersubstanz. Bildrechte: IMAGO

Das macht Legal Highs so gefährlich

Legal Highs bestehen aus Abfallprodukten der Pharmaforschung! Nebenwirkungen sind nicht weniger gefährlich als die bei "Originaldrogen". Sie sind sogar noch gefährlicher. Informationen, was eigentlich in der Kräutermischung steckt, gibt es nicht.

Die Hersteller verändern häufig die Rezepturen, so dass der Konsument niemals mit der Wirkung rechnen kann, die er bereits kennt oder vermutet. Oft wirken die Kräutermischungen stärker als bekannte Drogen. Das Risiko für Überdosierungen ist hoch! Und heftige Entzungserscheinungen gibt es ebenso.

Bekannt sind derzeit psychotische Anfälle, Wahnvorstellungen, Angst- und Panikattacken, Muskelkrämpfe und Kreislaufzusammenbruch. In der Notaufnahme weiß dann niemand, womit sich der Patient vergiftet hat. Im Jahr 2016 sind 98 Menschen in Deutschland an Legal Highs gestorben.

Was wird dagegen getan?

Am 26.11.2016 trat in Deutschland das "Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz" (NpSG) in Kraft. Herstellung, Handel und Verabreichung an andere sind verboten. Hier sind Haftstrafen von bis zu zehn Jahren vorgesehen. Auch wer im Onlineshop bestellt, begeht eine Straftat, weil nämlich der Käufer den Verkäufer zum Handel anstiftet! Der Besitz selbst ist aber nicht strafbar.

Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, infoboerse-neue-drogen

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. September 2020 | 17:15 Uhr

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