Inflation EZB hebt Leitzins an - Was bedeutet das für Verbraucher?

Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins erneut angehoben. Dadurch soll die Inflation sinken. Was bedeutet der Schritt für die Verbraucher? Was für Sparer und Kreditnehmer?

Mann hält einen Taschenrechner und berechnet seine Ausgaben
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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins am 16. März 2023 zum sechsten Mal erhöht, diesmal auf 3,5 Prozent. Zuletzt reagierte die EZB Anfang Februar mit Zinserhöhungen auf die hohe Inflationsrate. Dadurch soll sie sinken. 

Die Teuerungsrate lag im Februar in Deutschland bei 8,5 Prozent nach 8,6 Prozent im Januar. Vor allem hohe Energie- und Lebensmittelpreise heizen die Inflation an.

Warum hebt oder senkt die EZB den Leitzins?

Die EZB kann den Leitzins anheben oder senken, um die Preisentwicklung in Europa zu lenken. Denn der Leitzins hat einen direkten Einfluss auf die Geldmenge am Markt - und diese beeinflusst die Verbraucherpreise. Es dauert allerdings einige Monate bis die Zinserhöhung der EZB wirkt.

Der Leitzins legt fest, zu welchem Zinssatz sich Banken Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen können. Derzeit sind es 3,5 Prozent. Außerdem leihen sich die Banken selber weniger Geld bei der EZB. Das Angebot an Geld sinkt also. Dadurch gewinnt jeder existierende Euro an Wert und die Verbraucherpreise werden günstiger.

EZB Europaeische Zentralbank
Die Europäische Zentralbank reguliert über ihre Zinspolitik den europäischen Markt. Bildrechte: IMAGO / Political-Moments

Kredite verteuern - Nachfrage bremsen

Jahrelang waren die Bedingungen für Kreditnehmer günstig, da die Zinsen bei Null lagen. Das änderte sich 2022. Wer bauen oder sich eine Wohnung kaufen will, muss tiefer in die Tasche greifen. Innerhalb eines Jahres sind die Bauzinsen von 1 auf etwa 4 Prozent geklettert.

Steigen die Zinsen, werden Kredite teurer, da mehr Geld zurückgezahlt werden muss. Vor allem Kreditnehmer, deren Zinsbindung zeitnah ausläuft, sollten wachsam sein. Die monatlichen Raten dürften dann extrem ansteigen.

Baustelle Holzriegelbau
Wer gerade baut, muss mit steigenden Kreditraten rechnen. Bildrechte: imago/CHROMORANGE

Sparzinsen steigen nur langsam

Nullzinsen waren nachteilig für Sparfüchse. Das ändert sich nun. Seit einiger Zeit belasten viele Banken ihre Kunden nicht mehr mit Negativzinsen auf Konten, die einen bestimmten Freibetrag überschreiten. Idee der EZB ist es, die Verbraucher wieder zum Sparen zu animieren, da die Sparzinsen steigen.

Festgeld oder Sparbriefe lohnen sich noch nicht. Sparer sollten ihr Geld auf einen Tagesgeld- oder Girokonto parken, denn Banken geben Zinserhöhungen nur sehr langsam oder gar nicht an die Kunden weiter.

Ein rotes Sparbuch und Euro-Banknoten.
Derzeit lohnen sich festverzinste Sparbriefe noch nicht. Bildrechte: IMAGO / CHROMORANGE

Außerdem liegen die Zinssätze weiterhin unterhalb der Inflationsrate. Wer spart, muss mit einem Wertverlust des Geldes rechnen.

Das Statistische Bundesamt hat für das Gesamtjahr 2022 eine Teuerungsrate von 7,9 Prozent errechnet. 10.000 Euro auf einem unverzinsten Girokonto haben somit in einem Jahr fast 800 Euro an Wert verloren. Für das Jahr 2023 rechnet die EZB mit einer Inflation von 5,3 Prozent.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 28. Oktober 2022 | 17:15 Uhr

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