Fettverteilungsstörung Krankheit Lipödem erkennen und behandeln

Der Oberkörper vergleichsweise schmal, ab dem Rumpf eher massig. Ein Erscheinungsbild, das für ein sogenanntes Lipödem spricht - eine krankhafte Fettverteilungsstörung, von der in erster Linie Frauen betroffen sind. Mit Übergewicht hat das nicht immer zu tun. Wie kann man erkennen, ob man an einem Lipödem erkrankt ist, wie wird es behandelt - und wann übernimmt die Krankenkasse eine Fettabsaugung?

Jede 10. Frau leidet unter der Krankheit Lipödem
Nicht dick, sondern an Lipödem erkrankt: Vor allem Frauen sind von der Fettverteilungsstörung betroffen. Bildrechte: imago images / brennweiteffm

Ein Lipödem ist eine krankhafte Fettverteilungsstörung, die - vor allem bei Frauen - symmetrisch an den Hüften, am Po und beiden Beinen auftritt, in einigen Fällen auch an den Armen. Was auf den ersten Blick nach Übergewicht aussieht, ist eine ernstzunehmende chronische Erkrankung, die nicht heilbar ist.

Woran erkennt man ein Lipödem?

Spontane symmetrische Volumenzunahme
Vor allem an den Beinen, seltener an den Armen, tritt verstärkt das Unterhautfettgewebe verdickt hervor. Füße und Zehen sind davon nicht betroffen. Der Körper wirkt dadurch disproportional, weil der Rumpf schlank ist und sich das Volumen erst ab der Hüfte abwärts bemerkbar macht. Vor allem dieses ungleiche Körperbild macht betroffenen Frauen häufig zu schaffen.

Druckempfindlichkeit und Schmerzen
Beine (und ggf. Arme) der Betroffenen sind oft sehr empfindlich. Bereits ein leichter Druck reicht, um Schmerzen auszulösen.

Schnell entstehende blaue Flecken
Es gehört gar nicht viel dazu - und schon ist ein auffälliger Bluterguss entstanden. Diese blauen Flecken entstehen, weil die Wände kleinster Blutgefäße beim Lipödem sehr brüchig sind.

Spannungsgefühle und Schmerzen in den Beinen
Erste und typische Anzeichen für ein Lipödem sind Spannungsgefühle, Schmerzen und Erschöpfung in den Beinen. Die treten zunächst bei längerem Stehen oder Sitzen auf, werden im Laufe eines Tages immer heftiger und können bis ins Unerträgliche anwachsen. Besonders schwer haben es Betroffene bei warmen Temperaturen oder bei niedrigem Luftdruck, wie etwa im Flugzeug. Meist lassen die Schmerzen selbst durch ein Hochlagern der Beine nicht nennenswert nach.

Knötchen unter der Haut
Zu Beginn der Erkrankung ist vor allem Cellulite sichtbar, sogenannte Orangenhaut. Später kommt es zu harten Knoten im Unterhautfettgewebe. Bei einem sehr ausgeprägten Lipödem bilden sich Fettwülste unter der Haut.

Ursachen eines Lipödems

Die Ursachen für das Krankheitsbild Lipödem sind noch nicht abschließend geklärt. Experten vermuten den Einfluss von Hormonen als Ursache, da sich die Symptome in Phasen hormoneller Umstellung manifestieren oder verschlimmern. Meist treten erste Anzeichen der Krankheit nach der Pubertät auf, weniger häufig nach Schwangerschaften und den Wechseljahren. Eine genetische Vorbelastung der Patientinnen ist sehr wahrscheinlich. UND: Auch sehr schlanke Frauen können an einem Lipödem erkranken.

Paradoxer Kneiftest: Lipödem oder Übergewicht?

Beim paradoxen Kneiftest wird zunächst die Haut an der Beininnenseite und anschließend an der Beinaußenseite zusammengedrückt. Ist das Schmerzempfinden an der Außenseite stärker als innen, ist ein Lipödem wahrscheinlich. Ein gesunder Mensch würde die Schmerzstärken umgekehrt empfinden.

Lipödem Handschuhe und Strümpfe
Kompressionsstrümpfe und -handschuhe sollen die Beschwerden der Betroffenen lindern. Bildrechte: imago images / brennweiteffm

Wie wird ein Lipödem behandelt?

Ärzte empfehlen zunächst eine konservative Behandlung. Dazu gehören regelmäßige manuelle Lymphdrainagen und maßgefertigte Kompressionsstrümpfe, die die Patienten dauerhaft tragen müssen.

Mit der Lymphdrainage entstaut der Physiotherapeut Beine oder Arme durch sanfte Handgriffe, und die Schwellungen unter der Haut verringern sich. Sowohl Lymphdrainage als auch Kompression können zwar die Schmerzen der Betroffenen lindern und ein Fortschreiten der Krankheit verlangsamen, wirklich Abhilfe schaffen sie jedoch nicht. Die gibt es erst durch eine Fettabsaugung.

Schönheitschirurg operiert eine Patientin (25 Jahre alt) mit Lipödem an den Armen
Eine Linderung der Beschwerden bringt den Patienten meist eine Fettabsaugung. Doch die bezahlt die Krankenkasse nur bei weit fortgeschrittenem Krankheitsbild. Bildrechte: imago images / Tobias Wölki

Fettabsaugung - Kassenleistung mit Hindernissen

Führt die krankhafte Fettvermehrung an den Armen und Beinen zu Bewegungseinschränkungen und starken Schmerzen, kommen Krankenkassen für eine Fettabsaugung auf. Doch die Voraussetzungen dafür sind eng gefasst: Neben der ärztlichen Diagnose muss zuvor eine sechs Monate andauernde konservative Behandlung erfolgt und ohne eine signifikante Linderung der Beschwerden verlaufen sein.

Erst danach dürfen Arzt oder Ärztin eine Fettabsaugung beantragen. Sie kommt vorerst nur für Patienten mit einem Body Mass Index (BMI) bis 40 infrage. Ab einem BMI von 35 muss zusätzlich eine Adipositas-Behandlung durchgeführt werden. Die Fettabsaugung selbst müssen Fachärzte für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie sowie Ärzte, die die Anforderungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erfüllen, vornehmen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 19. November 2020 | 17:15 Uhr

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