Corona-Prävention Maske, Visier oder Abstand? Was schützt am besten vor dem Coronavirus?

Deutschland im Lockerungs-Modus: Kitas, Restaurants, Fitnessstudios und Freibäder öffnen sukzessive ihre Pforten. Umso wichtiger ist es, sich und seine Lieben vor einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus aktiv zu schützen. Die Möglichkeiten sind zahlreich, reichen von Masken, Visieren, Brillen, über Abstandsregel, Husten- und Nies-Etikette bis zur Handhygiene. Doch was davon hilft am effektivsten?

Mundschutzmaske aus Kunststoff zum Schutz vor dem Coronavirus
Mundschutz, Plastikvisier - oder lieber doch beides? Bildrechte: imago images/Hans Lucas

Wie schützt man sich am effektivsten vor einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus? Mit dieser Frage haben sich Wissenschaftler der kanadischen McMaster-Universität beschäftigt - und dafür 172 existierende Studien systematisch ausgewertet. Ein Teil dieser Studien beschäftigte sich mit Sars-CoV-2, ein weiterer mit Sars, ein dritter mit Mers. Alle diese Erreger gehören zu den Coronaviren.

Ziel der Forscher war es, fundierte Grundlagen für Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO zu schaffen. Und das scheint auch dringend nötig zu sein. Denn nach wie vor werden weltweit unterschiedliche, zum Teil sogar widersprüchliche Empfehlungen ausgesprochen, wie man sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen sollte.

Abstand, Brille und Maske senken Infektionsrisiko

Laut der neuen Übersichts-Analyse kann eine Kombination aus Abstandhalten, Mund-Nasen-Maske und Augenschutz eine Corona-Infektion bestmöglich verhindern.

Abstand halten!
Bereits ein Abstand von einem Meter (oder mehr) soll mit einem wesentlich geringeren Infektionsrisiko verbunden sein, als wenn man eine kleinere Distanz wahrt. Mit jedem weiteren Meter (bis insgesamt drei Meter Abstand) soll man das Risiko sogar weiter halbieren können.

Visiere, Schutzbrillen und Brillen
Auch Visiere, Schutzbrillen und ganz normale Brillen scheinen das Infektionsrisiko massiv zu senken. In diesem Punkt sei die Beweislage allerdings eher gering, geben die Autoren zu bedenken.

Mund-Nasen-Schutz
Ein ähnliches Resultat zeigt sich bei den Effekten von Gesichtsmasken. Doch auch hier bewerten die Autoren die Beweissicherheit als eher niedrig.

Mundschutzmaske aus Kunststoff zum Schutz vor dem Coronavirus
Mundschutz, Visier und Abstand - die Kombination gewährt einen größtmöglichen Schutz. Bildrechte: imago images/Müller-Stauffenberg

Kein hundertprozentiger Schutz möglich!

Die Autoren betonen, dass sowohl Abstandhalten, Gesichtsmasken als auch Augenschutz - selbst in kombinierter Form und richtig angewendet - keinen hundertprozentigen Schutz garantierten und immer durch weitere Maßnahmen, wie regelmäßiges und gründliches Händewaschen, ergänzt werden sollten.

Maske oder Gesichtsvisier - was ist besser?

In Deutschland gilt eine flächendeckende Maskenpflicht für den Einzelhandel und im öffentlichen Nahverkehr. In einigen Bundesländern darf der Mund-Nasen-Schutz allerdings durch ein Gesichtsvisier, ein sogenanntes Face Shield, ersetzt werden - etwa in Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

Auch in Baden-Württemberg waren die Face Shields zunächst gestattet. Mittlerweile hat man dieses Zugeständnis jedoch zurückgezogen. In Bayern, Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, im Saarland, in Sachsen und Thüringen werden Gesichtsvisiere nicht als Alternativen zu einer Mund-Nasen-Bedeckung akzeptiert.

Mundschutzmaske aus Kunststoff zum Schutz vor dem Coronavirus
Können Gesichtsvisiere einen Mund-Nasen-Schutz ersetzen? Bildrechte: imago images/Müller-Stauffenberg

Experten sind sich uneins

In Kliniken werden Schutzvisiere als zusätzlicher Schutz in Kombination mit einer Maske getragen. Darüber, ob das Face Shield einen Mund-Nasen-Schutz ersetzen kann, sind sich die Experten uneinig.

Das Robert Koch-Institut bewertet die Visiere nach wie vor als nicht gleichwertige Alternativen zur herkömmlichen Maske. Der Grund dafür ist, dass die Face Shields lediglich die direkt auf die Scheibe treffenden Tröpfchen abfangen.

Der Virologe Prof. Alexander Kekulé sieht das anders. Er schätzt die Face Shields in einem Podcast des MDR als "genauso gut" wie Stoffmasken ein. Zwar könnten sich die Aerosole trotz Visier in der Luft verteilen, doch spielten die ganz feinen Tröpfchen bei der Infektion mit dem Coronavirus keine große Rolle. Dagegen könnte ein feucht gewordener Mundschutz die eigenen Viren sammeln.

Quelle: dpa, rki.de, mdr.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. Juni 2020 | 17:15 Uhr

Mehr Ratgeber-Themen