Frau hält ausgeschaltenes Smartphone in der Hand
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Fastenzeit Mehr Lebensqualität durch digitale Enthaltsamkeit?!

BRISANT | 06.03.2019 | 17:15 Uhr

Aschermittwoch: Es ist wieder so weit! Die Fastenzeit beginnt. Viele verzichten auf bestimmte Nahrungs- und Genussmittel. Doch wie wäre es, in dieser Zeit den Handykonsum einzuschränken?

Frau hält ausgeschaltenes Smartphone in der Hand
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Mehr als 90 Prozent der Deutschen sind inzwischen online. Die tägliche Nutzungsdauer hat sich auf mehr als drei Stunden erhöht. Bei den unter 30-Jährigen liegt sie sogar bei knapp sechs Stunden – so eine aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie. Dabei nimmt vor allem die Smartphone-Nutzung immer mehr zu. Laut der repräsentativen Erhebung eines Wirtschaftsberatungsunternehmens zur globalen Mobilfunknutzung schauen die 18 bis 24-Jährigen im Schnitt 56 Mal pro Tag auf's Display - knapp jeder zehnte Deutsche das erste Mal direkt nach dem Aufwachen.

Ständig online: Fluch oder Segen?

Was passiert mit unserem Gehirn, wenn wir dauernd online sind? Der Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. Volker Busch von der Universitätsklinik Regensburg, sagt:

Volker Busch
Dr. med. habil. Volker Busch | Neurowissenschaftler Bildrechte: Dr. Volker Busch

Das Auffälligste ist sicher, dass wir durch den Dauerkonsum heute deutlich impulsiver geworden sind, weil wir auf jeden Reiz gewohnt sind, sofort zu reagieren. Und das wiederum geht auf Kosten der Konzentration und der Fokussierung. Daher ist auch die Fehlerrate, die durch die ganzen Ablenkungen und Unterbrechungen heute auftritt, in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Dr. Volker Busch

"Das Handy ist unschuldig"

Generell sei die Wirkung aber abhängig von unserer Nutzung. Das Handy ist prinzipiell unschuldig. Es kommt darauf an, wie wir es nutzen. Wir haben immer selbst die Verantwortung dafür, was es mit uns macht, so Busch weiter.

Mehr Zeit durch Handy-Verzicht

Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Da könnte man zumindest mal über eine Smartphone-Pause nachdenken. Das verändert zwar nicht die Welt, macht uns aber vielleicht bewusst, wieviel Zeit wir täglich mit dem Handy verbringen, sagt Dr. Volker Busch.

Ich würde empfehlen, am Abend aufzuschreiben, was Sie alles gemacht haben, wofür Sie plötzlich Freiräume hatten. Und dann werden Sie sehen, so ein Tag hat sie nicht nur Anstrengung gekostet, sondern der Verzicht hat ihnen mehr geschenkt als sie glauben. Und dann stehen die Chancen auch gut, dass man diesen Tag vielleicht nochmal wiederholt.

Dr. Volker Busch

Was ist wichtig?

Man muss ja nicht gleich drei Wochen am Stück ohne Handy verbringen, so Busch weiter. Besser ist es, Pausen im Alltag zu schaffen, um sich klar zu werden: was ist heute wichtig und dann beobachten, was daraus erwächst. Unser Gehirn ist zu ganz viel in der Lage, wenn wir es lassen und nicht ständig mit medialen Daten füttern oder konsumieren. 

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. März 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. März 2019, 13:16 Uhr

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