Ratgeber Organspende: Das sollten Sie wissen!

Organspenden haben im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als 3.500 Leben gerettet. Doch noch immer stehen tausende Patienten auf den Wartelisten. Was Sie wissen sollten, bevor Sie sich entscheiden, haben wir hier zusammengefasst.

Transportbox für eine Niere bei einer Nierentransplantation
Tausende Patienten stehen auf den Wartelisten für eine Organtransplantation. Bildrechte: imago/epd

Die Bereitschaft, Organe zu spenden, wächst. Mehr als zwei Millionen Organspendeausweise wurden bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestellt - mehr als 72.000 aus dem Internet heruntergeladen.

Wichtig zu wissen: Eine Organ- und Gewebespende ist auch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie möglich. Alle potentiellen Spender werden im Vorfeld auf das Virus getestet. Nur wenn der Test negativ ausfällt, kommt es zu einer Spende.

Organspendeausweise sind kostenlos bei Krankenkassen, in ausgewählten Arztpraxen und Apotheken erhältlich, oder hier als Downlaod von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:

Ein Spender, sieben Leben

Zu den Organen, die sich für eine Spende eignen, zählen Herz, Leber, Lunge, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Nach Angaben von Experten kann ein Spender damit theoretisch sieben Menschenleben retten.

Zusätzlich lassen sich noch weitere Bestandteile des Körpers entnehmen, darunter Herzklappen, Augenhornhaut, Teile der Haut, Teile der Blutgefäße, Knochengewebe, Knorpelgewebe sowie Sehnen. Zum Teil werden diese Gewebespenden in der plastischen Chirurgie verwendet, um beispielsweise Verbrennungsopfern zu helfen. Wer das für sich ausschließen möchte, sollte dies auf dem Organspendeausweis vermerken.

Immer dabei: der Ausweis

Auf dem Ausweis kann man sein Einverständnis zur Organ- und Gewebespende generell erteilen, auf bestimmte Organe oder Gewebe einschränken oder einer Spende ganz und gar widersprechen. Bereits Minderjährige dürfen einen Organspendeausweis besitzen. Ab dem 14. Geburtstag kann man einer Organ- bzw. Gewebeentnahme widersprechen, ab dem 16. Geburtstag darf man sich dazu bereiterklären. Für Kinder unter vierzehn Jahren entscheiden in jedem Falle die Eltern.

Wichtig: Wer seine Einstellung zwischenzeitlich ändert, muss die alte Erklärung vernichten und ein neues Dokument ausfüllen. Egal, wofür man sich entscheidet: Der Ausweis sollte immer dabei sein - am besten in der Brieftasche. Denn die Daten sind an keiner offiziellen Stelle registriert oder hinterlegt.

Fehlt der Ausweis oder hat der Patient nichts in einer Patientenverfügung festgelegt, müssen im Falle eines Hirntods die Angehörigen im Sinne des Betroffenen für oder gegen eine Organspende entscheiden.

Organspendeausweis und Stethoskop.
Auf dem Organspendeausweis kann man einer Spende nicht nur zustimmen, sondern auch widersprechen. Bildrechte: imago/imagebroker

Voraussetzung für die Organentnahme: Hirntod

Neben der vorliegenden Zustimmung des Patienten bzw. seiner Angehörigen zu einer Organ- bzw. Gewebeentnahme muss laut Transplantationsgesetz eine zweite Voraussetzung erfüllt sein: Der Hirntod des Patienten.

Die Diagnose bedeutet den unumkehrbaren Ausfall aller Funktionen von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm. Herz- und Kreislauffunktionen des Patienten werden dann künstlich aufrechterhalten. Die meisten Fälle von Hirntod treten durch Hirnblutungen, Schädel-Hirn-Traumata oder Hirntumore auf.

Die Feststellung des Hirntods erfolgt nach den Richtlinien der Bundesärztekammer. Dabei muss der Patient unabhängig voneinander durch zwei erfahrene Ärzte untersucht werden. Beide dürfen weder an der Entnahme noch an der Weitergabe der Organe beteiligt sein. Niemand muss befürchten, dass die intensivmedizinische Behandlung vorzeitig beendet wird. Das Leben des Patienten hat immer Vorrang vor einer Organspende.

Organspende-Operation
Eine Organspende-Operation Bildrechte: colourbox

Eurotransplant vermittelt die Organe international

Ist der Hirntod bei einem Patienten eingetreten und entsprechend bestätigt und liegt zudem eine Einwilligung zur Organspende vor, werden zuallererst Blutgruppe und Gewebemerkmale des Spenders untersucht. Sie sind Grundlage für eine erfolgreiche Weitervermittlung der entnommenen Organe. Zudem muss ausgeschlossen werden, dass eine akute Krebserkrankung bzw. HIV-Infektion vorlag, die den Organempfänger gefährden könnte.

Ein Koordinator des Krankenhauses übermittelt die Daten des Spenders an die Vermittlungsstelle Eurotransplant, eine gemeinnützige Organisation, die den internationalen Austausch von Organen überwacht. Hier werden die Daten und Werte des Spenders mit denen potenzieller Empfänger auf einer Warteliste abgeglichen.

Während der Entnahme - die genauso sorgfältig stattfindet wie eine Operation am lebenden Menschen - entscheiden die Ärzte, ob Lunge, Herz oder Leber tatsächlich zur Transplantation geeignet sind. Anschließend werden die Organe gekühlt verpackt und zu den entsprechenden Transplantationszentren gebracht. Nach der Spende wird der Verstorbene für eine Aufbahrung vorbereitet und kann anschließend bestattet werden.

Transportbox für Organspende
Transportbox für Organspende Bildrechte: imago images / localpic

Stichwort: Organspende Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) warten in Deutschland derzeit rund 9.400 Menschen auf ein Spenderorgan.
Nur rund ein Prozent aller gestorbenen Patienten in Deutschland erlag dem Hirntod und erfüllt somit die Grundvoraussetzung für eine Organspende.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. Juni 2020 | 17:10 Uhr

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