Checkliste Probleme mit dem Pflegeheim - Was kann man tun?

Alte Menschen werden im Pflegeheim misshandelt. Eine Meldung, die viele Menschen, die ihre Angehörigen in einem Altenheim gut versorgt glauben, verunsichert. Und eine Meldung, die zahlreiche gut geführte Einrichtungen in Misskredit bringen könnte. Wie erkennt man, dass in einem Pflegeheim etwas im Argen liegt, wie spricht man die Probleme an - und wie kann man etwas ändern?

Eine Pflegefachkraft geht mit einer Bewohnerin durch das Seniorenheim.
Was tun, wenn man fürchtet, dass bei der Pflege eines Angehörigen etwas im Argen liegt? Bildrechte: dpa

Sie sind mit der Pflege Ihrer Angehörigen unzufrieden, hören ständig Klagen über die hygienischen Zustände oder das in der Einrichtung angebotene Essen? Oder noch Schlimmeres? Mängel in Pflegeeinrichtungen kommen leider immer wieder vor - und Pflegeplätze sind Mangelware. Doch untätig bleiben müssen Sie dennoch nicht.

Daran erkennen Sie, dass im Pflegeheim etwas im Argen liegt

Schief gehen kann immer mal was. Ein grundsätzliches Problem ist das noch lange nicht. Ein positives Indiz für eine gut geführte Einrichtung ist, wenn Personal oder Heimleitung direkt nach dem Vorfall das Gespräch mit Ihnen oder anderen Angehörigen suchen. Häufen sich die Fehler allerdings, dann sollten Sie aktiv werden. Insbesondere wenn es sich um Probleme in folgenden Bereichen handelt:

  • mangelhafte Körperpflege
  • regelmäßige Stürze
  • ungewechselte Windeln
  • Fixierungen, zum Beispiel am Bett oder im Rollstuhl
  • schlechtes Essen
  • persönliche Dinge "verschwinden"
  • Eingriffe in die Privatsphäre
  • unangenehmer Geruch
  • ungeputzte bzw. ungepflegte Räume

Wichtig: Mängel dokumentieren!

Wenn Sie sich sicher sind, dass ein Heim seine Leistung schlecht oder gar nicht erfüllt, sollten Sie unbedingt die Mängel dokumentieren. Machen Sie sich Notizen - und holen Sie Zeugen dazu, um ihre Beobachtungen zu belegen. Vielleicht haben die Angehörigen anderer Bewohner Ähnliches bemerkt? Auch Fotos oder Videoaufnahmen können eine gute Möglichkeit sein, um Mangelzustände zu dokumentieren. Außerdem haben der Bewohner, seine Bevollmächtigten oder gesetzlichen Betreuer das Recht auf Einsicht in die Pflegedokumentation.

So gehen Sie bei Konflikten im Pflegeheim vor

Wenden Sie sich mit Ihrer Beschwerde zunächst ans zuständige Personal. Sollte es sich um ganz gravierende Mängel handeln, können sie dabei auch den Heimbeirat einschalten. Wenn das keine Besserung bringt, sollten Sie zeitnah das Gespräch mit der Heimleitung suchen. Vereinbaren Sie dafür einen Gesprächstermin und führen Sie das Gespräch nicht direkt nach einem Vorfall. Bringen Sie Ihr Anliegen vor - und stellen Sie konkrete Forderungen. Verabreden Sie gleich einen weiteren Besprechungstermin und schauen Sie, ob bis dahin eine Verbesserung eingetreten ist.

Führt auch das zu keiner Veränderung, besteht die Möglichkeit, die Pflegekasse und die Heimaufsicht einzuschalten und über die Probleme zu informieren. Eine zuständige Heimaufsicht gibt es in jedem Bundesland.

Im weiteren Verlauf können Sie die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen e.V. (BIVA) informieren. Bei Konflikten kann außerdem die Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle des Zentrums für Schlichtung e.V. helfen.

Führen all diese Maßnahmen zu keiner Einigung, haben Sie die Möglichkeit, gerichtliche Schritte einzuleiten. Suchen Sie sich dafür einen Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin. Auch jetzt sollten Sie Ihr Vorgehen schriftlich (mit Datumsangaben!) dokumentieren.

Eine Pflegerin und eine Bewohnerin des Pflegeheims schauen zusammen aus einem Fenster eines Pflegeheims.
Versuchen Sie Misstände zunächst mit dem Pflegepersonal und der Heimleitung zu besprechen. Bildrechte: dpa

Hilfe und Beratung bei Problemen mit dem Pflegeheim

Es gibt eine Reihe von Beratungsmöglichkeiten, die Sie bei Fehl- oder Nichtleistung im Pflegeheim unterstützen. Beratung finden Sie bei

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. November 2020 | 17:15 Uhr

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